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Rede von Ronald S.Lauder zur Raubkunst : Was jetzt getan werden muss

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Und Verjährungsfristen sollten nicht diejenigen schützen, die wissentlich Kunst erwerben, die verfolgten Menschen gehörte – oder die zumindest wissen sollten, dass es sich um Raubkunst handelt. Bayern hat vor kurzem einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das ändern will. Wenn das Gesetz wird, kann Unrecht korrigiert werden. Und das wäre ein Zeichen des guten Willens – ein guter Wille, den das moderne Deutschland schon so oft bekundet hat.

Was also ist zu tun? Jahrzehnte sind vergangen, seit das Unrecht begangen wurde, und doch wirkt es fort, und die rechtmäßigen Besitzer warten weiter auf Gerechtigkeit. Ich schlage deshalb vor, dass auf der Grundlage der Washingtoner Erklärung von der Bundesregierung und den Ländern eine Kommission eingesetzt wird. Eine solche Zusatzerklärung würde eine Überprüfung von Sammlungen in staatlichem oder Museumsbesitz vorsehen, sofern Ansprüche geltend gemacht werden. Wir brauchen einen proaktiven Ansatz und eine umfassende Überprüfung dieser Sammlungen – und im Anschluss eine Suche nach den ursprünglichen Besitzern der geraubten Werke.

Die Erben brauchen Gerechtigkeit

Österreich hat das gemacht. Frankreich und die Niederlande haben wenigstens Schritte in diese Richtung gemacht. In Großbritannien gibt es eine Kommission, die alle angemeldeten Ansprüche untersucht und die Regierung in Sachen Rückgabe berät. Aber wir sollten nicht vergessen: Wir sind hier in Deutschland. Hier begann das Unrecht. Deswegen braucht es mehr Anstrengungen. Die Kommission und ihre Mitglieder sollten von internationalem Rang sein, und für sie sollten die weltweit führenden Provenienzforscher sowie weitere Experten arbeiten. Die Kommission sollte finanziell gut ausgestattet sein und reale Entscheidungsgewalt ausüben können, so dass Museen, die sich bislang gesträubt haben, Transparenz herzustellen, dazu verpflichtet würden, die Nachforschungen im eigenen Haus im Einklang mit internationalen Anforderungen auch tatsächlich durchzuführen.

Weiter sollten Forschungsergebnisse sowie Kaufunterlagen öffentlich zugänglich gemacht werden. Verstärkte Forschung allein ist aber nicht alles. Die Kommission sollte auch ein effizientes und gerechtes Schlichtungsverfahren haben. Nach siebzig Jahren ist es höchste Zeit, dass die letzten Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges ausfindig gemacht und entlassen werden. Es muss einen Schlussstrich geben.

Die Kommission sollte erstens die Sammlungen von Kunstmuseen überprüfen. Zweitens einen Bericht und Schlussfolgerungen verfassen. Drittens versuchen, die Opfer beziehungsweise deren Erben zu ermitteln. Und viertens eine faire und gerechte Entschädigung anbieten. Nach Ablauf eines angemessenen Zeitraums könnte das Verfahren dann abgeschlossen werden.

Die Opfer des Holocaust beziehungsweise ihre Erben brauchen Gerechtigkeit. Man könnte so auch Hunderte von separaten Gerichtsverfahren vermeiden, welche allein aus dem Gurlitt-Fund erwachsen könnten. Die Kommission könnte so das Prozedere enorm vereinfachen und in vielen Fällen den normalen Rechtsweg vermeiden helfen. Und noch etwas wäre dann ausgeschlossen: dass nämlich die internationalen Medien von einem Cover-up in Deutschland sprechen. Es würde stattdessen eine Struktur geschaffen, die den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lässt. Seit 1945 hat Deutschland schon so oft seine Bereitschaft gezeigt, Unrecht wiedergutzumachen. Es ist nun an der Zeit, wieder so einen Schritt zu tun.

Der Text ist ein Abdruck der Rede, die Ronald S. Lauder am gestrigen Abend in Berlin auf Einladung des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien hielt. Ort der Veranstaltung war das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.

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