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Rede von Ronald S.Lauder zur Raubkunst : Was jetzt getan werden muss

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Es ist nicht nur ein Fehler

Dem halte ich entgegen: Es ist nicht recht, wissentlich gestohlenes Eigentum zu behalten, und das sollte gesetzlich auch klargestellt werden. Wie kann es eigentlich sein, dass jemand annimmt, dass ein gestohlenes Kunstwerk automatisch in den Besitz eines Museums oder eines Ministeriums übergeht, nur weil sich die Eigentümer nicht gemeldet haben? Das kann doch nicht ernsthaft die Haltung einer Regierung, eines Museums oder eines ernsthaften Kunstsammlers sein!

Man kann es doch nicht den Opfern des Holocaust oder ihren Nachfahren auferlegen, Tausende von Kunstsammlungen in Deutschland zu durchforsten, um herauszufinden, was einem vor siebzig Jahren entwendet wurde. Wenn Ihr Auto gestohlen wird, ist es doch auch nicht Ihre Pflicht, in jeder Werkstatt, bei jedem Gebrauchtwagenhändler und auf jeder Straße des Landes nachzusehen, ob es vielleicht auffindbar ist. Und wenn jemand dem Dieb Ihr gestohlenes Auto deutlich unter Marktwert abkauft oder es als Geschenk annimmt, ohne nachzufragen, dann sollte er Grund zur Annahme haben, dass es gestohlen wurde. Warum aber sollten wir bei einem Picasso, einem Chagall oder einem Matisse anders verfahren als bei einem Auto?

Es ist ein Fehler, dass Museen nicht die gebotene Transparenz gezeigt und alle ihre Sammlungen, Forschungsergebnisse und Archive offengelegt haben. Wir wissen, dass das nicht geschehen ist. Es ist nicht nur ein Fehler, sondern zugleich unmoralisch und ein Makel des ansonsten guten Rufs, den Deutschland genießt.

Die Verjährungsfristen müssen geändert werden

Es führt dazu, dass Hitlers Verbrechen bis heute fortwirken. Deutsche Museen brauchen keine Raubkunst, um großartig zu sein. Sie sind es auch ohne sie. Das moderne Deutschland ist ein großes Land. Sein Ruf sollte geschützt werden. Die Museumskuratoren von heute sind nicht für die Untaten Hitlers verantwortlich, aber sie tragen Verantwortung für die Integrität ihrer Sammlungen und dafür, was sie tun, um den Opfern des Naziregimes zu ihrem Recht zu verhelfen.

Deutschland ist nach 1945 in beispielhafter Art und Weise mit den Folgen des Holocaust umgegangen. Das war ein Beispiel für den Rest der Welt. Deutschland hat Lösungen gefunden für Fragen wie die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern, den Umgang mit sogenannten „namenlosen Bankkonten“ oder Versicherungspolicen. Deutschland lehrt seinen Kindern, wozu das Verhalten der Nazis geführt hat. Das moderne Deutschland hat sich anständig verhalten im Umgang mit jüdischen Opfern und mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Und Deutschland ist ein wichtiger Freund Israels.

Ich möchte Deutschland deswegen ermutigen, in gleicher Weise mit dem Problem Raubkunst umzugehen und nicht nur zu warten, bis Ansprüche geltend gemacht werden, und dabei insgeheim zu hoffen, dass sich über alles der Mantel des Vergessens breitet. Deutschland muss bestehende Verjährungsfristen so verändern, dass der Kunstraub während des Zweiten Weltkrieges nicht länger verjährt ist. Selbstverständlich macht es grundsätzlich Sinn, Verjährungsfristen im Gesetzbuch stehen zu haben. Gesellschaften brauchen ein Instrument wie einen juristischen Schlussstrich. Aber niemand hat doch daran gedacht, dass diese Verjährungsfristen auch auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für Kriegsverbrechen Anwendung finden sollten.

Was also ist zu tun?

Wir sind hier nur einen Steinwurf entfernt vom Holocaust-Mahnmal. Wenn ich das Mahnmal besuche, denke ich oft daran, dass sich in geraubten Kunstwerken auch verlorene Menschenleben widerspiegeln. Auf fast jedes geraubte Kunstwerk kommt ein ausgelöschtes oder zerstörtes Menschenleben. Der Diebstahl von Kunst mittels Völkermord ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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