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Liebeserklärung an das Hörbuch : Sei still, der Bernhard spricht!

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Tief in einem Sessel sitzend. Das Licht auf den Buchseiten, das Mikrofon seitlich zum Mund. Die Zigaretten neben sich. So habe Holtzmann gelesen. Mit ungeheurem Sinn für Tempo und Farbenwechsel. Keinen Millimeter Abstand habe er zum Text halten müssen. Nichts habe er verschludert. Selbst die Atemlosigkeit nicht. In den Aufnahmepausen sei er dann, mit der höflichen Bitte, nicht angesprochen zu werden, auf dem Flur rauchend auf- und abgelaufen. Freundlich, undurchdringlich. Niemals habe man sich geduzt oder auch nur an einer Stelle den Abstand der Diskretion und des Takts verletzt. „Schwer, ihn zu beschreiben. Sein Lachen war merkwürdig still“, so Nesselrath, der sich keinen zweiten Bernhardverkörperer vorstellen mag. Er, der in über 40 Jahren beim Hörfunk mit Leuten wie Wolfgang Büttner und Gisela Trowe gearbeitet, mit Rolf Boysen den „Grünen Heinrich“ aufgenommen hat, besteht auf dieser einen Stimme. Und man wagt nicht zu widersprechen. So wie man ja auch nicht widerspricht, wenn jemand sagt, dass Maria Callas die größte aller Sängerinnen war. Und doch. Man wird sich davonschleichen müssen und der Maria Callas der Bernhard-Lesungen untreu werden müssen, denkt man. Und dass man es sich als Mensch, der Grübelzwänge kurmäßig mit Bernhard-Lesungen behandelt, gar nicht leisten kann, auf die anderen Bernhard-Stimmen zu verzichten. Auf Peter Simonischeks Stimme zum Beispiel, auf die Lesung von „Der Keller“. die jedem Bernhard-Verehrer ein Hochamt ist.

„Wir sind widerstandsfähig geworden, uns kann nichts mehr umwerfen, wir hängen nicht mehr am Leben, aber wir verschleudern es auch nicht zu billig, hatte ich sagen wollen, aber ich hatte das nicht gesagt. Manchmal erheben wir alle unseren Kopf und glauben, die Wahrheit oder die scheinbare Wahrheit sagen zu müssen und ziehen ihn wieder ein. Das ist alles.“

So schließt er der Text. Mit einer Essenz, einem Resümee, das in der eleganten und weitläufigen Stimmführung Peter Simonischeks paradoxerweise nicht wie Resignation, sondern als ideales psychisches Gleichgewicht daherkommt. Surrender. Hingabe. Das Ende von Ehrgeiz und Ignoranz. Simonischek liefert den Beweis, wie klug das Textverstehen einer Lesung sein kann. Wie angewiesen geradezu auf einen, der redet.

Einen „Dichter des Sprechens“ hat Elfriede Jelinek ihren Landsmann Thomas Bernhard einmal genannt. Und sie hat die Erfahrung der Atemnot als die Urszene seiner Literatur beschrieben. Das Sprechen liefert Bernhard den eigenen Existenzbeweis, das Sprechen und Schreiben, jener hochmusikalische Rhythmus der Wiederholung wird zum einzig möglichen Aufschub gegen den Tod.

Dramatischer kann die Ausgangssituation nicht sein. Auch für den Leser nicht, der bei Bernhard im Grunde immer ein Zuhörer ist. Er kann nicht ausweichen. Der Ton des Textes trifft ihn, eifersüchtig, obsessiv, manche sagen „unbarmherzig“, worauf der Zuhörer, bei entsprechender Neigung, mit Liebe reagiert. Er fühlt sich getröstet. „Weil er hört, dass da jemand ebenfalls sauer ist“, würde Heinz Nesselrath sagen. „Weil es eine Stimme ist, die niemals sentimental ist, nie selbstmitleidig “, der Burgschauspieler Gert Voss.

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