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Kinogeschichte der Sklaverei : Was ist Sklaverei im Kino?

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Eine Etappe auf dem langen Weg zum Bild des Sklaven als autonomen Individuums: Szene aus „Mandingo“ (1975) mit Perry King (links) und Ken Norton Bild: INTERFOTO

Ausrottung, Unterjochung, Abbildung: Auch vor „12 Years a Slave“, dem vieldiskutierten neuen Werk von Steve McQueen, gab es Filme über Sklaverei - gute, miese, hässliche.

          Das enorme Echo, das Steve McQueen mit seinem Film „12 Years a Slave“ in den vergangenen Monaten seit der Premiere im September zu verzeichnen hat, hat mit einem filmhistorischen Manko zu tun, auf das der Regisseur selbstbewusst auch in Interviews immer wieder verweist: Es fehlte bisher ein kanonischer Film zum Thema, der auf dem Stand der seit den neunziger Jahren geführten Identitäts- und Repräsentationsdebatten einen der beiden großen inneramerikanischen Schuldzusammenhänge erschlossen hätte.

          Der andere betrifft den Genozid an den Ureinwohnern, bei dem sich ähnliche filmhistorische Konstellationen ausnehmen lassen, der allerdings durch die jahrzehntelange Blüte des Western-Genres zunehmend stärker in den Blick rückte - indem der Western sich allmählich entmythologisierte, entstand auch ein Bewusstsein für die Opfer der Landnahme, die davor zumeist nur am Rand wahrgenommen worden waren. Die Sklaverei hingegen blieb lange über die Bürgerrechtsbewegung hinaus eine Angelegenheit, die relativ selten direkt zum Thema gemacht wurde. Direkt, das heißt mit den Worten von Steve McQueen: das Leben und Arbeiten und Sterben auf den Gütern der Südstaaten-Gentry und zuvorderst die Fron auf den Plantagen.

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          Dass dem so ist, hat viel mit den Logiken des Hollywood-Kinos zu tun, die sich symptomatisch in Peinlichkeiten bekunden wie den italienischen Plakaten, auf denen die weißen Stars Michael Fassbender und Brad Pitt gegenüber dem Hauptdarsteller Chiwetel Eijofor privilegiert werden, sich aber auch noch darin zeigen, dass Quentin Tarantinos „Django Unchained“ ein Rächer von Gnaden eines komischen Deutschen ist. Dass Hollywood nach wie vor rassistisch ist, wird ebenso wort- und zeichenreich zurückgewiesen, wie es evident ist. Afroamerikanische Hauptdarsteller und Geschichten, in denen sie zentral fungieren und in denen die Sachen von Afroamerikanern mit demselben ungebrochenen kulturellen Selbstbewusstsein vertreten werden, mit dem etwa „romantische Komödien“ von einem Normleben zwischen Märchenprinz und Traumjob erzählen, werden noch auf Jahrzehnte die Ausnahme bleiben.

          Die Sklaverei ist aber auch noch aus einem anderen Grund unterrepräsentiert, der mit der ambivalenten Beziehung Hollywoods zu der Kultur der Südstaaten zu tun hat: die Seite, die im Bürgerkrieg unterlag, entwickelte spezifische, häufig anachronistische Kulturen, die sich fasziniert bestaunen ließen, von denen man sich aber auch leicht distanzieren konnte. In der „tag-line“ zu der Fernsehserie „Roots“ kommt dies halb unbewusst zum Ausdruck: „From primitive Africa to the old South“ verläuft demnach die Geschichte, und der „alte Süden“ wird hier mehr oder weniger abgespalten und halb noch dem „primitiven“ Afrika zugeschlagen, aus dem die Menschenfracht kam, zu der auch Kunta Kinte gehörte, der wichtigste Protagonist, der in der Heimat noch eine gründliche mythologische Ausbildung erfährt, bevor er in die fremde, neue Welt verfrachtet wird.

          „Roots“ hat für die mediale Geschichtspolitik einen vergleichbaren Status wie die ebenfalls von Marvin J. Chomsky verantwortete Serie „Holocaust“, in beiden Fällen soll Komplexitätsreduktion durch große Erzählbögen und eine populäre Darstellung des Traumatischen aufgewogen werden. Wenn dann allerdings O.J. Simpson in der Rolle eines westafrikanischen Naturmenschen mit schöner Tochter auftaucht, dann hat das in etwa das Korrektheitsniveau der Apachendarstellung in den deutschen Karl May-Filmen. Und das, was der Autor der Vorlage zu „Roots“, Alex Haley, noch als seriöse kulturhistorische Recherche seiner familiären Wurzeln ausgab, wurde in der Fernsehdarstellung zu einer ärgerlichen Urstandsidyllik, die am weit entfernten anderen Ende der Serie einer rechtschaffenen amerikanischen Landnahme in Tennessee schon einmal den grünen Boden bereitet.

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