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Fragen an zwei Generationen : „Ich möchte das Bernsteinzimmer finden“

  • Aktualisiert am

Jonathan Wilcke in seinem Kinderzimmer in Rattelsdorf bei Bamberg und Gudrun Pausewang vor einer Lesung in der Stadtbibliothek in Alzenau Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Sicht auf die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven: Jonathan Wilcke - Jahrgang 2003 - und Gudrun Pausewang - Jahrgang 1928 - erzählen vom Leben.

          8 Min.

          Was siehst du, wenn du aus deinem Fenster schaust?

          Jonathan Wilcke: Unseren Innenhof mit einem Trampolin, das seit einem Jahr da steht. Da hüpfe ich mit meinen Geschwistern Friedrich, acht, Julius, sechs, Luisa, fünf, und Carla, zehn Monate. Gegenüber steht eine dreihundert Jahre alte Scheune, in der mein Vater seine Werkstatt hat. Wir wohnen in einem ehemaligen Bauernhof mit vielen Wiesen um uns herum.

          Was haben Sie gesehen, wenn Sie als Kind aus dem Fenster geschaut haben?

          Gudrun Pausewang: Pure Natur. Wir hatten zwei Hektar Land, Beete, zwei Ziegen und ernährten uns vegetarisch. Meine Eltern kamen aus der Jugendbewegung, die Front machte gegen die verstaubte Kultur des neunzehnten Jahrhunderts, und widmeten sich der Idee des „Siedelns“. Das hieß, aus einem unfruchtbaren Stück Land „mit der Hände Arbeit“, wie man damals sagte, einen Garten Eden zu schaffen und autark von den eigenen Erzeugnissen zu leben.

          Wo ist dein Lieblingsplatz?

          Jonathan Wilcke: In der Scheune, wo im oberen Stock Spielgeräte für uns sind: Matten, ein Fallschirm-Schaukelsitz und eine Rutsche aus Schulbänken. Da kann ich ungestört mit meinen Freunden spielen.

          Wo war als Kind Ihr Lieblingsplatz?

          Gudrun Pausewang: Am sechzig mal sechzig Meter großen Entwässerungsteich, wo wir aus Schlamm kleine Abteilungen im Wasser bauten und Kaulquappen reinsetzten. Und in meinem Bett, wo ich Gespräche mit dem lieben Gott führte. An der Zimmerdecke war ein dunkler Haarriss, in dem ich das Gesicht eines alten bärtigen Mannes zu erkennen glaubte. Er ähnelte meinem Großvater Pausewang, den ich sehr liebte, weil er mir Geschichten erzählte.

          Was machst du am liebsten?

          Jonathan Wilcke: Trampolin hüpfen. Ich kann schon Salto vorwärts.

          Was haben Sie als Kind am liebsten gemacht?

          Gudrun Pausewang: Gelesen und gemalt. Ich war eine Leseratte und las alles, was ich in die Finger bekam. Und ich zeichnete viel. Ich überlegte sogar, Illustratorin zu werden.

          Was ist dein größter Traum?

          Jonathan Wilcke: Ich würde gerne das Bernsteinzimmer finden, das seit dem Zweiten Weltkrieg verschwunden ist. Alle Wände und Möbel sind aus Bernstein. Es wurde zwar inzwischen nachgebaut, aber das Original ist weg. Das habe ich in einer Dokumentation im Fernsehen gesehen.

          Was war als Kind Ihr größter Traum?

          Gudrun Pausewang: Dass es keinen Krieg und keinen Hunger mehr gäbe. Und schon mit vierzehn Jahren wollte ich nach Südamerika, deshalb wurde ich Lehrerin, weil ich wusste, dass man dort Deutschlehrer brauchte. Mit 27 Jahren kam ich an eine Deutsche Schule in Südchile. Meinen ersten Roman habe ich 1958 dort geschrieben, er wurde sofort veröffentlicht.

          Weißt du schon, was du beruflich einmal machen willst?

          Jonathan Wilcke: Ich will Schauspieler oder Moderator werden. Wir spielen manchmal Fernsehen nach, meine Geschwister und ich, zum Beispiel Zeichentrickfilme. Und Oliver Welke von der „heute show“ gefällt mir, weil er die Nachrichten so lustig macht.

          Was wollten Sie als Kind gern werden?

          Gudrun Pausewang: Schriftstellerin. Wenn ich gefragt wurde, sagte ich Geschichtenerfinderin“. Meine Eltern haben sich abends gegenseitig vorgelesen, was wir Kinder durch die Tür hörten, wenn wir im Bett lagen.

          Was macht dich wütend?

          Jonathan Wilcke: Wenn meine Geschwister mich ärgern und mir Sachen wegnehmen oder mich beim Lesen stören.

          Was hat Sie als Kind wütend gemacht?

          Gudrun Pausewang: Einmal wollte mir ein Mitschüler meinen selbstgebastelten Pfeil und Bogen wegnehmen. Um das zu verhindern, habe ich ihm das Gesicht zerkratzt. Seine Eltern kamen in die Schule und beschwerten sich. Der Lehrer rügte mich, um sie zu beschwichtigen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich im Recht war.

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