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Fragen an zwei Generationen : „Der Krieg war für mich nur ein Wort“

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Vojtech Terber, 77 Jahre, und sein siebenjähriger Enkel Frederik Solzin Bild: Edgar Schoepal, Jens Gyarmaty

Von der Weltkarte, die nie ankam und anderen Geschichten: Großvater und Enkel erzählen aus ihrem Leben. Zwei Generationen antworten auf dieselben Fragen.

          Was siehst du, wenn du aus deinem Fenster schaust?

          Frederik Solzin: Einen Kastanienbaum. Und Kastanien, die gerade alle runterfallen. Mein Papa ärgert sich über sie, weil sie Beulen in unsere Autos machen.

          Was haben Sie gesehen, wenn Sie als Kind aus dem Fenster geschaut haben?

          Vojtech Terber: Ich bin in einem 300 Jahre alten Postamt in einem Dorf in Ostböhmen aufgewachsen. Mein Vater war Postbeamter und konnte die Poststube direkt vom Wohnzimmer aus betreten. Aus meinem Fenster sah ich eine große Wiese, durch die ein Bächlein floss, dahinter einen Hotelrohbau. Der Bau wurde 1940 von den deutschen Besatzern eingestellt, und unter den Kommunisten durfte man auch nicht weiter bauen. Der Rohbau zerfiel und wurde für Jahre zu einem nicht ungefährlichen Eldorado für uns Kinder.

          Wo ist dein Lieblingsplatz?

          Frederik Solzin: Auf meinem Bett, da gucke ich mir meine Bücher an. Bis vor einem Jahr habe ich mir noch ein Zimmer mit meinem Bruder Nicolai, fünf, geteilt. Das fand ich schöner, weil man dann nicht allein schlafen muss. Aber jetzt habe ich ein eigenes Zimmer ganz oben. Da stehen viele Bücher in meinem Regal, alte und neue. Es ist zwei Meter hoch.

          Wo war als Kind Ihr Lieblingsplatz?
          Vojtech Terber: In einer Astgabelung in der ersten Kastanie der Allee, die zu unserem Haus führte. Dort las ich und konnte unbemerkt das Treiben im Hof hinter der hohen Mauer beobachten.

          Was machst du am liebsten?

          Frederik Solzin: Mit meinem Bruder Eisenbahn spielen, bei mir im Zimmer auf dem Boden. Manchmal kommt auch meine kleine Schwester Eleni, drei, und macht alles kaputt, dann soll sie aus dem Zimmer gehen. Oder ich gebe ihr was anderes zum Spielen.

          Was haben Sie als Kind am liebsten gemacht?

          Vojtech Terber: Lesen. Ich las alles, Märchen, Abenteuerbücher, Jules Verne, heimlich auch Bücher meiner Eltern, mit zwölf Dostojewskijs ‚Idiot‘, obwohl ich natürlich nichts verstand.

          Was ist dein größter Traum?

          Frederik Solzin: Dass ich alles machen kann, was ich will, fliegen und zaubern und so. Einfach wenn Mama und Papa auf mich böse sind, von ihnen wegfliegen. Ums Haus herumfliegen. Aus der Schule wegfliegen, wenn man mich ärgert.

          Was war als Kind Ihr größter Traum?
          Vojtech Terber: Eine Zeitlang wünschte ich mir, so zu reisen, wie Richard Halliburton, ein amerikanischer Journalist und Abenteurer, der historische Reisen nacherleben wollte. Er überquerte die Alpen auf einem Elefanten wie Hannibal, im Mittelmeer stellte er Odysseus’ Irrfahrten nach, in Südamerika folgte er der Route von Cortés. Seine Reportagen waren in meiner Heimat in den vierziger Jahren ein Bestseller, ich habe sie verschlungen.

          Was macht dich wütend?

          Frederik Solzin: Wenn mein kleiner Bruder kommt und sagt, das war der Frederik, und dabei war er das selbst. Ich kriege dann den Ärger. Und wenn er mir volle Pulle auf den Bauch springt.

          Was hat Sie als Kind wütend gemacht?

          Vojtech Terber: Wenn man mir nicht glauben wollte, dass ich die Wahrheit sagte. Natürlich habe ich als Kind auch mal gelogen, meistens, um Schläge zu vermeiden, die selbstverständlich zur Erziehung gehörten. Aber wenn man mich zu Unrecht verdächtigte, etwas angestellt zu haben, konnte ich sehr zornig werden.

          Was hättest du lieber nicht erlebt?

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