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Im Gespräch: Jessica Chastain : „Ich habe als Leiche im Fernsehkrimi angefangen“

  • Aktualisiert am

Die amerikanische Schauspielerin Jessica Chastain, im Januar 2013 Bild: REUTERS

Zweimal für den Oscar nominiert und vielgelobte Auftritte in Filmen der unterschiedlichsten Genres: Die Schauspielerin Jessica Chastain erzählt von ihrem langen Weg an die Spitze.

          8 Min.

          Wie kamen Sie in einer nordkalifornischen Kleinstadt als Tochter einer Köchin und eines Feuerwehrmannes auf die Idee, Schauspielerin zu werden?

          Durch meine Oma. Einst hatte sie selbst künstlerische Ambitionen gehegt, die sie aber als junge Frau in den fünfziger Jahren wieder begraben musste. Sie spendierte mir Ballettstunden, und als ich sieben war, nahm sie mich mit zu einer Aufführung des Webber-Musicals „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“. Der Vorhang hob sich, auf der Bühne öffnete ein Mädchen meines Alters ein riesiges Buch und begann zu erzählen – und in diesem Moment wusste ich: Da gehöre ich auch hin. Das ist mein Beruf. Und ich verkündete zu Hause: „Ich werde Schauspielerin!“

          Was meinten Ihre Eltern dazu?

          Sie hielten das für eine Laune und dachten: „Das Kind wird schon wieder zur Vernunft kommen.“ Aber ich bin ein ziemlicher Dickkopf, und mein Entschluss war unumstößlich. Die Schule interessierte mich nicht; es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren; ich schwänzte häufig den Unterricht und zog mich in den Park zurück – nicht etwa, um mit Jungs rumzumachen, sondern vielmehr, um Shakespeare zu lesen. Niemand aus unserer Familie hatte je studiert, doch ich informierte mich, wo es die beste Ausbildung gab, und bewarb mich schließlich an der Juilliard School in New York.

          Und Sie wurden sogar angenommen. Was ist das Wichtigste, das Sie dort gelernt haben?

          Die Liebe zu allen Künsten. Sie müssen sich die Juilliard-Atmosphäre etwa so vorstellen: Sie essen in der Mensa, und Baryshnikov setzt sich an Ihren Tisch. Sie steigen in den Aufzug, und da steht Yo-Yo Ma. Vor meinem Umzug nach New York hatte ich noch nie einen ausländischen Film gesehen – und im Kino bei uns um die Ecke im Lincoln Center liefen Filme wie Hanekes „Die Klavierspielerin“, die mich völlig umhauten. Man studiert vier Jahre lang, und zwar ohne jedes Ego. Denn in deiner Klasse sind zwanzig Leute, du erarbeitest alle Stücke gemeinsam, und niemand wird bevorzugt.

          Aber jeder Lehrer hat doch sicher seine Lieblinge.

          Mag sein. Doch es gibt viele Lehrer, so dass sich keiner der Schüler wie ein Star fühlen kann. Du arbeitest tatsächlich in einem Ensemble aus lauter Gleichgesinnten: Menschen, die das Theater und das Kino lieben und leidenschaftlich darüber diskutieren. Leider musste ich später feststellen, dass das im Berufsleben nur äußerst selten der Fall ist. Am ehesten findet man diesen Geist noch am Theater. Aber als ich nach dem Studienabschluss zu meiner Familie nach Kalifornien zurückkehrte, um meinen Platz in der Filmbranche zu finden, gab es ein böses Erwachen für mich.

          Inwiefern?

          Das fing schon damit an, dass viele Leute in Hollywood überhaupt nicht wussten, was Juilliard ist. Sie fragten: „Haben Sie sonst nichts vorzuweisen?“ Als ich mich für einen Gastauftritt in der Fernsehserie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ bewarb, wurde ich nicht einmal zum Vorsprechen zugelassen. Jahrelang fühlte ich mich unsichtbar – und unwohl, weil ich auf entwürdigende Weise um Rollen kämpfte, die ich eigentlich gar nicht wollte. Für acht verschiedene Serien wurde ich immerhin zu Probeaufnahmen eingeladen, doch jedes Mal flog ich in der letzten Runde raus. Oft lernte ich über Nacht dreißig Seiten Dialog, die man mir zugeschickt hatte – aber dann zog der Besetzungschef schon bei meinem Anblick eine solche Fresse, dass ich wusste: Du kannst eigentlich gleich wieder heimgehen.

          Wieso das?

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