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„Homeland“-Leitmotiv : Brodys Odyssee

Die Rückkehr des „göttlichen Dulders“ Odysseus? Nicholas Brody wird durchgecheckt Bild: 20th Century Fox International Television

Am Sonntagabend läuft die amerikanische Erfolgsserie „Homeland“ in Sat.1 an. Jeder belauert hier jeden. Um den Rätselspaß der ersten Folgen zu steigern, stellen wir vier Leitmotive vor, auf die sie achten sollten.

          3 Min.

          „Homeland“ ist die Geschichte eines Kriegsheimkehrers, die in zwei Staffeln von insgesamt 24 Episoden einer großen List auf die Spur zu kommen versucht. Fragt man sich, an welches andere epische Großunternehmen einen diese Eckdaten erinnern, fällt einem vor allem Homers „Odyssee“ ein, die Irrfahrt des listigen Kriegers und Erfinders des Trojanischen Pferdes - das früheste Epos des Abendlandes, lustvoll verschlungen wie die besten neueren Fernsehserien, ebenfalls erzählt in 24 Kapiteln. Und hat man sich auf den Vergleich der beiden Werke erst einmal eingelassen, fällt es einem wie Schuppen von den Augen.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Odysseus, sagt Adorno, ist die erste Ausprägung des modernen Menschen, der sich nicht mehr mit sich selbst identisch fühlt, sondern aus Überlebenswillen zuweilen ein anderer zu sein vorgibt. Er ist listig, leidensfähig, vernarbt, erfindet Lügengeschichten, alles nur, um seine Frau Penelope in der ersehnten Heimat - „Homeland“, ein zentraler Begriff für Odysseus - wiederzufinden und sein Königreich gewaltsam von all jenen Treulosen zu befreien, die in seiner Abwesenheit nicht mehr an ihn glaubten, seinen Besitz dezimierten und seiner Frau den Hof machten.

          Was will er rächen?

          Gleiches trifft auf den Kriegsheimkehrer Sergeant Brody zu, die männliche Hauptfigur von „Homeland“. Die Spannung der ersten Staffel besteht geradezu in der Frage, ob er während seiner acht Jahre währenden Gefangenschaft im Irak (sieben Jahre lang war Odysseus bei Calypso) umgedreht wurde, ob er ein Schläfer ist, konditioniert, in seinem Heimatland Rache zu üben. Carrie Mathison vor allem vermutet das. Doch worauf könnte sich seine Rache richten? Zwar gibt es in der ersten Serienstaffel eine Gruppe von (einstigen) Freiern, und vor allem einer von ihnen, Brodys bester Freund aus früheren Tagen, zieht die Eifersucht des Sergeants auf sich (wie Jessica, Brodys Frau, stand auch Odysseus’ Gattin Penelope bei der Ankunft ihres Mannes kurz vor einer fast zwangsläufigen Heiratsentscheidung). Doch trotz dieser fein gesponnenen Parallelen scheint es in „Homeland“ in puncto Rache doch um mehr zu gehen. Und außerdem hatte Jessica tatsächlich ein Verhältnis mit einem der Freier - eine antike Form der Treuevorstellung wäre dem heutigen Fernsehzuschauer wohl auch nur schwer zu vermitteln gewesen.

          Wie eng die Anlehnung Brodys an Odysseus dennoch ist, lässt sich ermessen, wenn man die ersten beiden Buchstaben seines Nachnamens weglässt. Dann nämlich bleibt der Rumpf „Ody“ stehen, was den ersten drei Buchstaben von Odysseus entspricht. Und das kann kein Zufall sein. Zugegeben, dieser BrODY ist weit davon entfernt, ein König zu sein, dafür eröffnet sich ihm im Verlauf der Staffeln aber mehr und mehr eine andere Karriere mit Renommee.

          Sieht so eine moderne Pallas Athene aus? Claire Danes als Carrie Bilderstrecke

          Die Autoren der Serie haben in einem Interview den Begriff der Odyssee selbst einmal auf die Handlung von „Homeland“ angewendet. Und nimmt man diese Fährte wirklich ernst, könnte sie einem schon beim Betrachten der ersten Folge verräterische Informationen zuführen. Sie gäbe zum Beispiel einen Hinweis darauf, ob Brody ein Schläfer ist oder nicht. Denn in welchem Zustand erreicht Odysseus sein Heimatland Ithaka? Als Schlafender. Zugegeben, das kann man auch als Wortspielerei abtun. Ein anderer Bezug aber ist kaum von der Hand zu weisen: Welcher terroristischen Technik würde sich der Nachfahre des Erfinders des Trojanischen Pferdes wohl bei seinem Racheakt bedienen? Darüber sollte man als Zuschauer nachdenken, nur, um auf jede mögliche Wendung gefasst zu sein.

          Zwei weitere Fragen stellen die Ody-Parallele dann wirklich auf die Probe. Erstens: Wer oder was in „Homeland“ würde wohl den Göttern entsprechen, die in der „Odyssee“ die Geschicke der Menschen bestimmen. Worauf man wohl antworten müsste: Sowohl die Super-Terroristen als auch die CIA, die fast alles mit ihren Abhör- und Spähvorrichtungen mitbekommen, aber, wie in der griechischen Vorlage, eben nur fast, den Odysseus ist listig.

          Die zweite Frage ist noch kritischer. Welche Figur entspräche wohl Athene, der göttlichen Beschützerin des Odysseus? Auch wenn es nach den ersten Folgen nicht so aussieht, müsste man wohl oder übel Carrie Mathison mit in Betracht ziehen. Das klingt komplett unwahrscheinlich? Dann geben wir noch eine Schippe drauf: Was bleibt stehen, wenn man bei Carries Nachnamen die Anfangsbuchstaben weglässt? Dann erhalten wir vorneweg die ersten drei Buchstaben des Götternamens Athene. Aber das führt jetzt vielleicht doch zu weit - aus den Augen lassen sollte man diesen Aspekt aber nicht.

          Weiter zum dritten „Homeland“-Leitmotiv: „Das holländische Gemälde“

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