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Georg Büchners Zeichner : Als Porträtist war er eher unbeholfen

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Büchners Verlobte Wilhelmine Jäglé
Büchners Verlobte Wilhelmine Jäglé : Bild: Wohlfahrt, Rainer

Wie gut mag August Hoffmann Büchner in seinem Porträt getroffen haben? Aus den Erinnerungen seiner Freunde wissen wir, dass Büchner ein munterer Unterhalter sein konnte, witzig und erfindungsreich; Muston erlebte ihn sogar als recht ausgelassen. Andere beschrieben sein Verhalten als ablehnend, spröde und schroff, warfen ihm Spottsucht und Hochmut vor – eine große Bandbreite der Gefühle also, von der Hoffmanns Porträt nichts verrät. Tatsächlich war er zu großen Leidenschaften und Gemütsbewegungen imstande, insbesondere gegenüber der Sache, der er sich verschworen hatte. Ebenso wenig kokettiert Büchner auf dem Bild mit seinem geradezu vornehmen und aristokratischen, beinahe prinzlichen Aussehen, das sein Freund Wilhelm Schulz betonte. Ein Bewusstsein für vornehme Schicklichkeit ist ihm nicht leicht abzusprechen: Als Erstsemester in Straßburg kleidete er sich nach Meinung seines Bruders Wilhelm wie ein „sehr eleganter Herr“, „den Hut unter dem Arm, eine Krawatte bis über die Ohren, Sporen an den Stiefeln“, wegen der Kurzsichtigkeit mit einem Augenglas an der Weste; als Gießener Student war er sogar im Hochsommer mit Zylinderhut unterwegs. Die Sehnsucht nach Gleichheit verband sich bei ihm augenscheinlich mit einem ausgeprägten Sinn für Distinktion. Bei Hoffmann präsentiert er sich als bürgerlich bescheiden, ernsthaft und konzentriert; der nach innen gerichtete Blick lässt ihn zugleich als Melancholiker erscheinen.

Inszenierung als Herzensbrecher

Auf der Zeichnung trägt Büchner übrigens nicht jenen studentischen „Polen-Rock“, in dem er nach Erinnerung seines Bruders Wilhelm „stolz (...) durch die Strassen der Residenz“ zu schreiten pflegte und der auch im behördeninternen Steckbrief vom 4. August 1834 zusammen mit Hut und Stiefeln als „wahrscheinliche Kleidung“ des mutmaßlichen Hochverräters beschrieben wird, „eine Art Polonaise mit Schnüren auf Brust und Rücken, sog. [P]lattlitzen“. Diese der Pekesche nachempfundene taillierte Jacke galt nach der blutigen Niederschlagung der polnischen Erhebung gegen die russische Oberherrschaft (1831) als Signal politischer Solidarität. Für die Sitzung bei Hoffmann wählte Büchner zu Hemd und Weste ein Modell mit schlichterem Besatz und weichem Kragen.

Büchner im Operettenkostüm? Der Gießener Dachbodenfund
Büchner im Operettenkostüm? Der Gießener Dachbodenfund : Bild: Eilmes, Wolfgang

Seit dem 25. Mai 2013 wird nun noch ein weiteres Bild als Büchner-Porträt diskutiert. Es stammt aus dem Nachlass von August Hoffmann, ist von diesem signiert und auf 1833 datiert und zeigt einen versonnen dreinschauenden jungen Mann schätzungsweise Anfang zwanzig. Sein sorgfältig frisiertes, stark gelocktes Haar ist links streng gescheitelt, zwischen der Nase und dem zierlichen Mund sprießt ein schwaches Bärtchen. Über dem lässig geöffneten, an den Ärmeln gebauschten Hemd mit breitem Kragen trägt der Jüngling eine dunkle Weste; quer über der Brust verläuft ein schmaler, mit Metallplättchen oder Schmucksteinen besetzter Gurt. Sein linker Unterarm ruht auf einer Tischplatte; in der Hand hält er ein Notenheft, das als Klavierauszug der Cavatine des Zampa aus der komischen Oper „Zampa oder Die Marmorbraut“ von Ferdinand Hérold (1831) zu identifizieren ist. Bei der Kleidung könnte es sich also um ein Theater- oder Opernkostüm handeln.

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