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Georg Büchners Zeichner : Als Porträtist war er eher unbeholfen

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Lange Zeit sah es so aus, als könnten wir uns, abgesehen von den Berichten und Erinnerungen seiner Zeit- und Weggenossen, kein anderes Bild von Büchner machen. Doch Ende der 1960er Jahre entdeckte Heinz Fischer in einem französischen Familienarchiv den Nachlass von Büchners Straßburger Studienfreund Alexis Muston (1810-1888). Er hat Büchner im Oktober 1833 auf einer gemeinsamen Wanderung im Odenwälder „Felsenmeer“ flüchtig porträtiert: Eine winzige Ganzfigur zeigt Büchner sitzend auf einem großen Felsbrocken, darüber ist eine separate Porträtstudie eingefügt. Eine weitere Zeichnung ist als Ausschnitt eines Briefs oder Tagebuchs überliefert.

Sensationsfund aus den sechziger Jahren: Alexis Mustons Büchner-Skizzen

1979 kamen Mustons frisch und unmittelbar wirkende Spontanskizzen dem Büchnerforscher Thomas Michael Mayer gerade recht, um das von ihm entworfene neue Büchner-Bild eines libertären Frühkommunisten von sinnlicher Ausstrahlung zu unterstützen. Ausführlich widmete sich Mayer Büchners Frisur. Im Vergleich der Porträts von Hoffmann und Muston schien ihm letzterer das authentischere Konterfei zu bieten: „krause Locken, zuweilen annäherungsweise wohl auch in Zotteln abstehend“, „über den Ohren etwas wirr struppig“, während das Haar bei jenem allzu „wohlfrisiert“ anmute. Für Mayer handelte es sich bei dem Hoffmannschen Porträt eindeutig um einen Elternauftrag; zeige es den Sohn doch „idealisch domestiziert“.

Ein angeheirateter Onkel

Bei Recherchen zu den Darmstädter Festlichkeiten anlässlich der Vermählung von Erbgroßherzog Ludwig mit Prinzessin Mathilde von Bayern, von denen sich Büchner für den dritten Akt von „Leonce und Lena“ inspirieren ließ, stieß ich 1992 in der 1834 erschienenen „Chronik der Feierlichkeiten“ auf einen Künstler namens Hoffmann, der für die festliche Dekoration und Illumination ausgewählter Gebäude der Innenstadt am Abend des 10. Januar 1834 mitverantwortlich gewesen war. Nach Recherchen beim Stadt- und Staatsarchiv in Darmstadt, der Akademie der bildenden Künste München, dem Institut für Zeitgeschichte in Frankfurt am Main und dem Reiss-Museum in Mannheim glaubte ich, diesen Hoffmann als den Theatermaler August Hoffmann (Mannheim 1807 bis Frankfurt am Main 1883) identifizieren zu können. Der im Mai dieses Jahres aufgefundene künstlerische Restnachlass von August Hoffmann hat daraus Gewissheit werden lassen: eines der dort überlieferten Porträts, Hoffmanns spätere Frau Christiane Clotz darstellend, ist exakt in gleicher Weise wie das Büchner-Porträt mit „A. H.“ in lateinischen Buchstaben signiert.

A. H.: Detail aus Hoffmanns Porträt seiner Verlobten Christiane Clotz

August Hoffmann wuchs in Darmstadt auf, wo sein Vater Franz Hoffmann am Theater als Hofsänger und Hofschauspieler wirkte. Seine Mutter Carolina, geborene Marconi war in erster Ehe mit Wilhelm Meyer verheiratet. Ihre Tochter aus dieser Ehe, die 1796 geborene Magdalene Meyer, heiratete 1832 Büchners Patenonkel Georg Reuß, wodurch sich eine Verwandtschaftsbeziehung zwischen den Familien Hoffmann und Büchner ergab: Als Halbbruder dieser Magdalena Reuß war Hoffmann für Büchner ein angeheirateter Onkel.

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