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Fragen an zwei Generationen : Warum das alles ein Missverständnis sein musste

  • -Aktualisiert am

Zwei Generationen: Ruth Klüger und Louise von Wallmoden Bild: Anna Jockisch, Ahikam Seri

Der Wunsch, mit einem magischen Teppich wegzufliegen: Patentante und Patentochter erzählen aus ihrem Leben. Zwei Generationen antworten auf dieselben Fragen.

          Was hast du gesehen, wenn du als Kind aus dem Fenster geschaut hast?

          Louise von Wallmoden: Unseren Garten mit einem großen Kastanienbaum, einer Kinderschaukel und einem Sandkasten, der immer nass ist, weil wir dauernd vergessen, ihn zuzudecken.

          Was haben Sie gesehen, wenn Sie als Kind aus dem Fenster geschaut haben?

          Ruth Klüger: Meist unangenehme Szenen, viel politisches Geschrei und Umzüge. Ich war sechseinhalb, als die Deutschen im März 1938 in Wien einmarschierten. Auf der einen Straßenseite schrien die Leute „Heil Hitler“ und auf der anderen „Heil Österreich“.

          Wo war als Kind dein Lieblingsplatz?

          Louise von Wallmoden: Draußen im Garten oder im Park, wo ich rumtoben konnte. Ich war ein richtiges Draußen-Kind mit Dreck an Knien und Händen.

          Wo war als Kind Ihr Lieblingsplatz?

          Ruth Klüger: Merkwürdig wie das klingen mag, war es der jüdische Friedhof in Wien, denn das war der einzige „Spielplatz“, der jüdischen Kindern gestattet war. Ich war froh, dort mit anderen Kindern herumlaufen zu können.

          Was hast du als Kind am liebsten gemacht?

          Louise von Wallmoden: Mich verkleidet. Wir haben eine Faschingskiste mit alten Sachen von unseren Großeltern. Da ist ein orangenes Ballkleid drin mit gelben Blumen und einem Reifrock drunter, total zerrissen. Darin waren wir Prinzessin, Königin oder feine Dame. Es gibt sogar ein Pferdekostüm. Und ich habe viel gelesen, Astrid Lindgren, Cornelia Funke und so. Ich kann mich erinnern, dass ich ganze Nächte durchgelesen habe.

          Was haben Sie als Kind am liebsten gemacht?

          Ruth Klüger: Bücher gelesen, alles, was mir in die Hände fiel, besonders die Klassiker, die im Regal verstaubten.

          Was war als Kind dein größter Traum?

          Louise von Wallmoden: Ich wollte endlich erwachsen werden und Dinge alleine machen dürfen. Und ich habe davon geträumt, dass ich einen Brief von Hogwarts bekomme und in die Harry-Potter-Schule aufgenommen werde. In den Ferien habe ich wirklich darauf gewartet, dass eine Eule kommt oder der Halbriese Hagrid vor der Tür steht, um mich abzuholen. Wir waren alle im Harry-Potter-Fieber.

          Was war als Kind Ihr größter Traum?

          Ruth Klüger: Auswandern, am liebsten nach Palästina, aber auf jeden Fall weg von Wien und dem Elend der Judenverfolgung.

          Was hast du dir als Kind am meisten gewünscht?

          Louise von Wallmoden: Sehr lange Kaninchen, aber meine Eltern wollten nicht. Aber eines Tages, an Weihnachten, waren sie da. Meine Schwester und ich sind uns vor Glück in die Arme gefallen.

          Was haben Sie sich als Kind am meisten gewünscht?

          Ruth Klüger: Dringendst eine andere Sprache sprechen zu können, am liebsten Tschechisch wie mein Halbbruder. Deutsch war Feindessprache und blieb mein Leben lang eine Zerreißprobe für mich. Und natürlich Kriegsende und den Sieg der Alliierten.

          Worüber hast du dich am meisten gefreut?

          Louise von Wallmoden: In unserer Nähe gab es einen Tierpark mit Hängebauchschweinen, Affen und Wölfen, da sind wir oft hingegangen. Solche Familienausflüge habe ich geliebt. Und wir haben immer gerne Gesellschaftsspiele gespielt, Malefiz, Mensch ärgere dich nicht, Mühle und Karten. Die spielen wir auch heute noch.

          Worüber haben Sie sich als Kind am meisten gefreut?

          Ruth Klüger: Über neue Bücher und wenn ich in einen Buchladen mitgenommen wurde. Meinem Bruder habe ich die Karl-May- Bücher geklaut. Ich habe immer gelesen, außer in Auschwitz und Christianstadt, da gab es nichts zu lesen.

          Was hättest du als Kind gerne an dir geändert?

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