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Fragen an zwei Generationen : „Ich spritzte ihnen das Weihwasser ins Gesicht“

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Zwei Generationen: Hans Neuenfels und sein Enkel Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels Bild: Pein, Andreas

Hans Neuenfels und sein Enkel Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels erzählen von der Dohle Jakob und dem perfekten Wiener Schnitzel. Zwei Generationen antworten auf dieselben Fragen.

          8 Min.

          Hans Neuenfels, 72 Jahre, Regisseur, geboren 1941 in Krefeld, wuchs als Einzelkind auf und lernte früh seine spätere Ehefrau, die österreichische Schauspielerin Elisabeth Trissenaar, kennen, mit der er bis heute verheiratet ist. Ihr gemeinsamer Sohn Benedict Neuenfels ist preisgekrönter Kameramann. Großeltern, Sohn und Enkel leben alle im Westen Berlins. Neuenfels inszenierte an die hundert Schauspiele, davon sechzig mit seiner Frau Elisabeth Trissenaar. Er drehte Filme über Kleist, Musil, Genet und Strindberg. 1994 erhielt er die Kainz-Medaille der Stadt Wien. Seit 1974 inszenierte er auch Opern, die oft Skandale hervorriefen. 2005 und 2008 wurde er zum „Opernregisseur des Jahres“ gewählt. Von 1986 bis 1990 war er Intendant am Theater der Freien Volksbühne in West-Berlin. Er ist Mitglied der Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im Sommer 2011 erschien „Das Bastardbuch“, seine vielbeachtete Autobiographie, für die er 2012 den Niederrheinischen Literaturpreis erhielt.

          Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels, 19 Jahre, Abiturient, geboren 1994 in Berlin, wohnt abwechselnd bei seinem Vater, dem Kameramann Benedict Neuenfels, und seiner Mutter. Er hat gerade die Schule beendet. Die kommenden Monate möchte er viele Reisen und Praktika machen.

          Was haben Sie gesehen, wenn Sie als Kind aus dem Fenster geschaut haben?

          Hans Neuenfels: Platanen. Hochgewachsene Bäume mit ausladenden Ästen, die die Kriegsschäden an den Häusern gegenüber verdeckten. Ich wuchs bei meinen Eltern in einem Haus am Krefelder Stadtrand auf, nachdem wir von Thüringen, wo wir interniert waren, vor den Russen geflohen sind. Auf der Flucht, ich war etwa vier Jahre alt, gab es eine Explosion und es lag ein Kind auf der Straße, über das sich die Mutter warf. War das Kind tot? Die Frage quälte mich.

          Was siehst du, wenn du aus deinem Fenster schaust?

          Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels: Bei meinem Vater sehe ich den Hof, der ist langweilig und laut. Bei meiner Mutter ist es ruhiger, eine Sackgasse mit Bäumen, ganz hübsch. Jeden Monat wechsele ich die Wohnung, pendele zwischen Vater und Mutter. Früher bin ich jede Woche umgezogen, da ist man nirgends richtig zu Hause.

          Was haben Sie als Kind am liebsten gemacht?

          Hans Neuenfels: Schon als Kind fand ich die unverwandelte Wirklichkeit erschreckend öde. Natürlich konnte ich es noch nicht formulieren, doch ich spürte es. Deswegen las ich viel und dachte mir Geschichten aus, wobei ich durchaus meine Umgebung als Anstoß benutzte, jedoch nur, wenn ich sie in etwas versetzen konnte, wovon ich glaubte, ich hätte etwas Außergewöhnliches, Noch-nie-da-Gewesenes an ihr entdeckt. Das war beinah detektivische Arbeit.

          Was hast du als Kind am liebsten gemacht?

          Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels: Dort mit den Dorfkindern Fußball spielen oder mit meinem Opa Hans, den ich „Opel“ nenne. Zu meiner Oma sage ich übrigens „Sisyphus“, ich weiß auch nicht warum. Sie finden das beide o.k.

          Was war als Kind Ihr größter Traum?

          Hans Neuenfels: Eine Tätigkeit auszuüben, die mich immer ausfüllen und überraschen würde. Aber ich wollte das auch nie konkretisieren, wollte mir lieber selber einen Beruf erfinden. Mit neun Jahren schrieb ich erste Gedichte und Geschichten, die ich meinen Eltern vorlas. Ich weiß noch, dass mein Vater aus dem Zimmer gelaufen ist, weil ihm meine Geschichte zuwider war.

          Was ist dein größter Traum?

          Emil Jo Lines Pabst-Neuenfels: Einen Beruf zu finden, der mir Freiraum für eigene Gestaltung lässt. In der Schule habe ich bei Kunstprojekten gerne alles anders gemacht, als die anderen. Wenn mit Pinseln gemalt werden sollte, habe ich lieber mit Händen gemalt und so. Und ich möchte genug Geld verdienen, um viel reisen zu können.

          Was hat Sie als Kind wütend gemacht?

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