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Essay in Bildern : Sind Comics Kunst?

Bild: Nicolas Mahler

Viel ist darüber gestritten worden, ob der Comic Kunst sein kann. Bisher aber nicht mit den Waffen des Comics. Das hat der bekannte Zeichner Nicolas Mahler jetzt mit einer kurzen, provokativen Bilderfolge geändert.

          Seit in dieser Woche der „Graphic Canon“, eine Art Weltliteraturgeschichte in Comicform, auch auf Deutsch erschienen ist, kann die schon lange laufende und zweifellos endlose Auseinandersetzung darüber, ob Comics Kunst sind oder Literatur oder etwas ganz Eigenes, in eine neue Runde gehen. Der Reiz des Streits darüber hält sich in Grenzen, denn natürlich können Comics sowohl Kunst als auch Literatur als auch etwas Eigenes sein – sofern sie nur geglückt sind. Darüber zu urteilen ist im übrigen viel leichter als über ihren Platz in einem ohnehin imaginären ästhetischen Musterbuch.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Was indes helfen könnte, sich dieser Frage zumindest auf reizvolle Weise zu nähern, ist das Gespräch zwischen Vertretern der verschiedenen Disziplinen, und eine Institution, die sich wie kaum eine zweite in Deutschland als Forum dafür eignet, ist das Literaturhaus Stuttgart. Sein zum Jahresende scheidender Leiter Florian Höllerer und dessen Mitarbeiter Erwin Krottenthaler haben in den letzten Jahren konsequent Comics als Thema für ihre Institution erschlossen: mittels Ausstellungen, Buchvorstellungen und Diskussionen.

          Der zusätzliche Summand

          Am kommenden Freitag, dem 15. November, erlebt das Literaturhaus eine weitere Premiere in Sachen Comics. In der seit zwei Jahren laufenden Gesprächsreihe „Literatur und ihre Vermittler“ tritt der österreichische Zeichner Nicolas Mahler auf, erstmals also ein Vertreter des graphischen Erzählens. Er könnte beide Seiten übernehmen, denn als Comicerzähler ist er Literat, als Adapteur von Thomas Bernhard, Lewis Carroll, H.C. Artmann und Robert Musil, deren Romane er für Suhrkamp zu Comics gemacht hat (als jüngster kommt in wenigen Tagen „Der Mann ohne Eigenschaften heraus), aber auch Vermittler.

          Wobei Mahler in seinen eigenwilligen Comics die Vorlagen nie einfach bebildert, sondern durch seine Darstellung neu interpretiert. Keine Literaturadaption also, eher eine Literaturaddition – mit dem zusätzlichen Summanden Comic.

          Im Rahmen von „Literatur und ihre Vermittler“ trifft Mahler auf die in Bochum lehrende Literaturwissenschaftlerin Monika Schmitz-Emans, die sich schon seit Jahren intensiv mit Comics beschäftigt und 2009 eine Tagung über gezeichnete Literaturadaptionen in Freiburg durchführte, aus deren Beiträgen ein gehaltreicher Sammelband („Literatur-Comics“, Walter de Gruyter, Berlin 2012) entstanden ist. Das Gespräch verspricht also einige Spannung, und nunmehr ist auch klar, dass Mahler dabei als Vertreter der Literatur auftreten wird.

          Der strapazierende Zeichner

          Das ist insofern spektakulär, als dass er deshalb dazu verpflichtet war – so das Konzept der Reihe –, eigens einen literaturtheoretischen Essay zu verfassen, über den er und Schmitz-Emans dann diskutieren werden. Bislang haben das unter anderen die Schriftsteller Katja Lange-Müller, Georg Klein, Feridun Zaimoglu, Janne Teller, Yoko Tawada und Jaroslav Rudis (letzterer ist immerhin auch als Comicszenarist aktiv) getan, deren Beiträge ein gerade erschienenes Buch versammelt: „Literaturmachen“ (Voland & Quist, Leipzig 2013).

          Das Gespräch am 15. November ist das erste der nunmehr zweiten Staffel der Reihe, und dass es dabei direkt mit jemandem wie Mahler losgeht, der den Literaturbegriff im klassischen Sinne eher strapaziert, zeigt, dass im Literaturhaus Stuttgart nicht einfach weitergemacht werden soll wie bisher.

          Nicolas Mahler

          Nun war Mahler als Comickünstler stolz genug, sich nicht in einem schriftlichen Essay zu äußern, sondern einen zu zeichnen. Wir machen ihn hier mit freundlicher Erlaubnis des Literaturhauses vorab vollständig zugänglich: 24 Bilder umfasst er, und das Thema ist eben jenes umstrittene Verhältnis zwischen Kunst, Literatur und Comic. Dass Mahler mit der ihm eigenen Ironie an die Sache herangeht, ist klar. Zum Verständnis muss man nur so viel wissen, dass der schlaksige schwarzgewandete Herr mit der dicken Brille Nicolas Mahler selbst ist. Aber schauen Sie selbst… Man darf gespannt sein, wie Monika Schmitz-Emans darauf in Worten zu replizieren weiß.

          Und selbst, wer am 15. November das Gespräch nicht besuchen kann, wird im Stuttgarter Literaturhaus in den nächsten Monaten wieder einmal mit einem Comicthema verwöhnt. In Kooperation mit dem Literaturarchiv Marbach, das gerade seine große Kafka-Ausstellung eröffnet hat, widmet man sich in Stuttgart mit der noch bis zum 7. Februar 2014 laufenden Schau „K: KafKa in KomiKs“ den Comicadaptionen von Kafkas Werken. Damit wird für den Betrachter eine Lücke geschlossen, die der anfangs erwähnte „Graphic Canon“ lässt: Unbegreiflicherweise ist in dieser gezeichneten Weltliteraturgeschichte bislang kein einziger Text von Kafka als Bildergeschichte vertreten.

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