https://www.faz.net/-hnr-79thn

Togo : Falsche Freunde

Koffi Emile Odoubou, geboren 1993, studiert im 2. Jahr Germanistik an der Universität von Lomé in Togo. Bild: privat

Eines Tages, als die Sonne hoch am Himmel stand, kam ein europäisches Kind aus dem Berg Agou heraus. Das Kind erschien genau an der Stelle, an der Ugba, der Gorilla, und Agama, das Chamäleon, vorbeigingen.

          1 Min.

          Eines Tages, als die Sonne hoch am Himmel stand, kam ein europäisches Kind aus dem Berg Agou heraus. Das Kind erschien genau an der Stelle, an der Ugba, der Gorilla, und Agama, das Chamäleon, vorbeigingen. Als sie dem kleinen Europäer begegneten, waren sie sehr erstaunt. Schließlich akzeptierten sie ihn als ihren Freund und nannten ihn Yovo . Danach gingen sie zusammen spazieren.

          Sie gingen bis zu einem Feld, auf dem viele Kokospalmen standen, aus denen Wein abgezapft wurde.
          Plötzlich hielt Ugba an und wollte den Wein, der sich in Töpfen befand, trinken. Seine Freunde versuchten, ihn daran zu hindern, weil der Besitzer sie erwischen könnte. Aber da der Gorilla störrisch war, sagte er ihnen: „Seid nicht so ängstlich; wartet! Falls der Besitzer uns fängt, trage ich allein die Verantwortung. Ich schwöre bei meinen Ahnen.“
          So warteten Agama und Yovo und sahen dabei zu, wie ihr Freund sich betrank.

          Plötzlich, als das Kind aus Hameln auch den Wein probieren wollte, erschien ein zorniger Mann mit einer großen Keule in der Hand – der Besitzer der Palmen.
          Unerwartet spielte Ugba den Unschuldigen und sagte: „Ich habe nichts getrunken. Wir sollten alle ein paar Schritte gehen, damit Sie den Dieb entdecken, da er betrunken sein und torkeln wird.“

          Als das Chamäleon wie gewöhnlich schwankend vorwärts ging, wurde es hart geschlagen. Hätte das Kind nicht geweint und den Besitzer nicht um Gnade gebeten, wäre Agama getötet worden.
          Trotz Agamas Zorn auf seinen Freund Ugba setzten sie gemeinsam ihren Spaziergang fort.

          Am Ende des Tages stießen sie auf einen Bauernhof, zu dem eine riesige Kornkammer voller Mais gehörte. Die Bauern waren abwesend. Deshalb legte sich Ugba hin und schlief im Zimmer der Bauern. Agama und Yovo kochten etwas Mais für das Essen. Danach brannte Agama, ohne einen Grund zu nennen, die Kornkammer nieder. Als die Bauern zurückkehrten, lag schon alles in Asche. Sie waren sehr wütend auf Yovo und seine Freunde.

          Schnell verteidigte Agama Yovo und sich selbst: „Bitte. Schauen Sie mal! Wenn ich das getan hätte, wären meine Handflächen schwarz geworden. Schauen Sie auch die meiner Freunde an!“ Da Ugba schwarze Handflächen hatte, schlugen ihn die Bauern, bis er nicht mehr stehen konnte.

          Yovo aber war dieser Rachegeschichten müde und entschied sich, bei den Bauern zu bleiben, die ihn als ihr eigenes Kind aufnahmen. Die anderen, der Gorilla und das Chamäleon, gingen jeder seinen Weg.

          Weitere Themen

          Als Murnau die Moderne entdeckte

          Blaue Reiter-Künstler : Als Murnau die Moderne entdeckte

          Das Schloßmuseum Murnau verortet den nahezu unbekannten Georg Schrimpf in die Künstlerszene der Moderne. Die traf sich in Gabriele Münters „Russenhaus“, wie eine zweite Ausstellung dort zeigt.

          Topmeldungen

          Drogenkartell : Schlacht um „El Chapos“ Sohn

          Nach der Festnahme eines Kartellbosses spielen sich in der mexikanischen Stadt Culiacán Szenen wie im Krieg ab – und die Armee lässt den Verbrecher wieder frei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.