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Jordanien : Die sieben Brüder und Kappa, ihr treuer Freund

Sasha Habjouqa, geboren 1990, studiert im 1. Jahr Deutsch als Fremdsprache an der German Jordanian University in Madaba. Bild: privat

Als der Berg sich öffnete, war der Zauber gebrochen. Die Kinder sahen viele Wege. Sie hatten Angst und wussten nicht, was sie machen sollten. Die Kleinen fingen an zu laufen.

          3 Min.

          Als der Berg sich öffnete, war der Zauber gebrochen. Die Kinder sahen viele Wege. Sie hatten Angst und wussten nicht, was sie machen sollten. Die Kleinen fingen an zu laufen.

          Es gab unter ihnen auch sieben Brüder, die zusammenblieben. Diese Brüder gingen zusammen einen Weg entlang. Es war kalt und fast dunkel. Sie wünschten sich, dass ihr Hund dabei wäre. Der Hund Kappa war ihr treuer Freund. Der Weg war sehr lang, aber es gab keine andere Möglichkeit. Sie beschlossen, sich unter einen Baum zu setzen. Sie waren sehr müde und hatten einen Bärenhunger. Sie konnten nicht mehr laufen.
          Da sahen sie einen großen Apfelbaum, unter dem sie ein bisschen ruhen und Äpfel essen konnten.
          Es war schon dunkel. Sie saßen nebeneinander in einem Kreis. Plötzlich hörten sie ein Geräusch. Sie hatten richtig Angst und konnten nicht mehr atmen. Es gab niemanden in der Nähe. Das Geräusch war nicht laut, aber sehr nah. Ein kleines Tier kam zu ihnen. Das war Kappa! Sie waren sehr glücklich, dass Kappa sie fand. Sie wussten nicht, wie Kappa ihnen folgen konnte! Weil sie sehr müde waren, schliefen alle schnell ein, und Kappa bewachte sie.

          Der nächste Tag war sonnig, und sie hatten sich ein bisschen erholt.
          Der jüngste Bruder sagte mit Tränen in seinen Augen: „Ich will zurück nach Hause.“
          Ein anderer sagte: „Was machen wir jetzt?“
          Die zwei ältesten Brüder sahen einander in die Augen. Der Älteste sagte: „Habt keine Angst! Wir sind alle zusammen und das bleiben wir auch. Wir können jetzt nicht nach Hause gehen. Das ist ein ganz neuer Ort, bestimmt ist das eine andere Stadt. Wir gehen irgendwohin, bis wir Menschen finden, die uns helfen können.“

          Sie gingen und gingen – drei Tage lang und endlich fanden sie ein kleines Dorf. Die Leute dort sahen sehr nett und freundlich aus. Einer fragte sie, wer sie seien und wie sie hierher gekommen wären.
          Die Kleinen hatten Angst davor, dass niemand ihnen glauben würde, wenn sie ihre Geschichte erzählten. Der Älteste sagte: „Wir sind sieben Brüder. Unsere Eltern starben vor langer Zeit, und wir leben alle zusammen. Wir haben uns verlaufen und wissen nicht mehr, wo wir sind.“
          Die Leute sagten den Kindern, dass sie in diesem Dorf herzlich willkommen seien.
          Das Leben auf dem Land war ganz anders als das Leben in der Stadt. Auf dem Land wohnten die Menschen in kleinen Hütten und arbeiteten auf eigenen Feldern. Die Kinder wollten dort bleiben und haben sich mit den Menschen sehr gut verstanden.

          Die Kleinen waren bald keine Kinder mehr, und Kappa blieb die ganze Zeit bei ihnen. Alles schien sehr schön zu sein, und das Leben war ruhig, bis eines Tages ein großes Feuer im Dorf ausbrach und alle grünen Bäume und Pflanzen schwarz wurden. Es war katastrophal.
          Das Problem war, dass das Feuer die Schuld eines Bruders war, des jüngsten.
          Als die Leute es herausfanden, waren sie sehr wütend und wollten ihn umbringen. Die Brüder wollten ihn schützen und stritten mit den Menschen. Sie waren aber nur eine kleine Gruppe, nur sieben mit einem Hund gegen alle Leute im Dorf.
          Die Brüder wussten nicht, was sie machen sollten und liefen mit Kappa schnell weg, weil die Leute sehr sauer waren. Sie liefen und liefen, bis sie eine Höhle fanden. Sie gingen schnell hinein und versteckten sich in einer dunklen Ecke. Sie hatten Angst davor, dass die Leute sie finden würden.

          Nach ein paar Stunden schliefen sie ein, weil sie sehr müde waren. Kappa schlief an der Tür, um die Brüder zu bewachen.
          Am nächsten Morgen war alles anders. Der Älteste wollte etwas zu essen holen, denn alle hatten Hunger. Doch die zwei Jüngsten gingen zusammen mit Kappa los, um etwas zu essen zu holen. Sie waren aber sehr überrascht: Es gab viele komische Maschinen, die Menschen sahen ganz anders aus und konnten ihre Sprache nicht verstehen. Sie gingen zur Höhle zurück und sagten ihren Brüdern, was sie gesehen hatten. Das war nicht mehr ein Dorf, sondern eine große Stadt. Die Menschen trugen verschiedene Kleidung mit Farben. Es war wirklich komisch, dass alle anderen Menschen so anders aussahen. Die Stadt hatte neue Gebäude, die sie nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatten.

          Sie gingen jetzt alle zusammen mit Kappa in die Stadt. Es gab viele Leute auf der Straße. Sie guckten die Brüder geheimnisvoll an! Sie wussten aber nicht, warum. Sie fanden ein großes Haus, vor dem viele Leute standen. Sie fanden es sehr interessant, dass viele Leute zusammen in einem Haus waren. Sie wollten unbedingt wissen, warum sie dort waren. Sie gingen in dieses große weiße Haus. Alle Menschen standen in Reihen, ganz ordentlich. Ein Mann stand vorne, den Leuten gegenüber. Er sagte ihnen etwas, aber die Brüder konnten seine Sprache nicht verstehen. Sie gingen aus dem Haus und fanden Kappa. Er wartete auf sie.
          Unverhofft fing Kappa an zu sprechen. Er übersetzte, was der Mann sagte. Sie konnten ihn noch hören, weil seine Stimme sehr laut war! Kappa sagte, dass dieser Mann eine Geschichte von einer kleinen Gruppe von sieben Brüdern erzählte. Diese sieben Brüder schliefen mehrere hundert Jahre lang in einer Höhle, die in der Nähe lag. Diese Brüder kamen in diese Stadt, weil ihnen in der Vergangenheit etwas Seltsames passiert war.
          Plötzlich hörten sie die Stimme des Mannes in einer schönen Melodie. Sie konnten dann verstehen, was er sagte. Das war ihre Geschichte, die in einem heiligen Buch stand. Sie wussten nun, dass sie diese Gruppe waren, die hunderte von Jahren in der Höhle geschlafen hatte.

          Sie gingen zusammen fort. Sie wollten nichts mehr hören. Als sie auf der Straße waren, sahen sie einen Mann mit einem Musikinstrument. Sie konnten sich sehr gut daran erinnern. Dieses Instrument hatten sie irgendwo schon einmal gesehen! Der Mann spielte das Instrument und sie erkannten, dass sie, als sie Kinder waren, einem Musiker hinterhergelaufen waren. Sie waren sehr überrascht, dass sie die Kleinen von Hameln waren, die mehrere hundert Jahre lang in einer Höhle geschlafen hatten.

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