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Ecuador : Meine Freunde, die Sterne

Estefanía Gordillo, geboren 1989, studiert an der Pontificia Universidad Católica del Ecuador in Quito. Bild: privat

„Welche Richtung nehmen wir?“, fragten die besorgten Kinder. „Gehen wir nach Norden!“, sagte der Älteste. „Mein Vater hat immer gesagt, das wäre von allen Möglichkeiten die beste.“

          7 Min.

          Sie wanderten und wanderten durch unterirdische Gänge, bis sie in verschiedenen Richtungen Ausgänge sahen.
          „Welche Richtung nehmen wir?“, fragten die besorgten Kinder.
          „Gehen wir nach Norden!“, sagte der Älteste. „Mein Vater hat immer gesagt, das wäre von allen Möglichkeiten die beste.“
          Aber Tommy, der Kleinste, sah am Ende eines der Ausgänge ein seltsames Wesen, das er nicht kannte.
          „So etwas habe ich ja noch nie gesehen!“, dachte er, und ohne dass die Gruppe es merkte, rannte er in die Richtung dieses fremdartigen Tieres.
          Hinauf und hinauf durch einen Tunnel lief Tommy, bis er endlich durch ein Loch am Gipfel eines Berges kroch. Jetzt konnte er das ungewöhnliche Tier aus der Nähe sehen. Es war sehr groß, aber sein roter Kopf war klein. Es hatte schwarze und lange Flügel, und weiße Federn an seinem Hals. Als das Tier Tommy erblickte, stieß es einen lauten Schrei aus. Tommy wollte zurückweichen, aber er stieß mit seinem Schuh versehentlich einen großen Stein um, stürzte, und rollte den großen Berg hinunter.




          Die Quitu-Cara, das Volk, das am Fuße des Berges wohnte, liefen sofort aus ihren Häusern, weil der Condor, das seltsame Wesen, sonst nie einen Laut von sich gab. Sie näherten sich dem Ort, von dem der Schrei des Vogels gekommen war und sahen ein merkwürdiges Objekt, das vom Berg herunter fiel.
          „Was ist das?“, fragten die Quitu-Cara, als Tommy bei ihnen ankam.
          Tommy konnte ihre Sprache nicht verstehen, aber er versuchte dennoch, sich zu erklären. „Ich kroch durch dieses Loch, weil ich ein wunderbares Tier sehen wollte“, und als Tommy mit seinem Finger auf den Gipfel des Berges zeigte, entlud sich ein unerwarteter Platzregen. Der starke Regen wusch die Erde, mit der Tommy wegen des Fallens über und über bedeckt war, ab, und offenbarte die Farben seines Haares, seiner Augen und seiner Haut.
          „Unglaublich!“, staunten die Quitu-Cara, weil sie noch nie in ihrem Leben einen solchen Menschen gesehen hatten.
          Niemand wagte, etwas zu tun, aber Mamaqhawa, die Frau eines Kazikes  des Volkes, sagte, während sie Tommys fremdartiges Aussehen bewunderte: „Weiß wie der Schnee, der auf dem Chimborazo und dem Tungurahua liegt; goldene Haare wie die Sonnenstrahlen, die so nur auf den höchsten Vulkan  in unserem Land scheinen; grüne Augen wie die Smaragde, die in dem Fluss nah dem Berg liegen, und er kam aus der Spitze dieses Berges!“
          „Er ist der Sohn der Vulkane Chimborazo und Tungurahua!“, staunten die Bewohner, und sie bestanden darauf, dass ihr König den neuen Gott kennen lernen sollte.
          Der Kazike Aki und seine Frau Mamaqhawa reichten Tommy die Hände, und sie gingen zu ihrem König, um ihm alles zu erklären.





          „Mächtiger Shyri  “, sagte Aki, „dies ist das Kind des Gottes Chimborazo und der Göttin Tungurahua.“
          „Unmöglich!“, rief der König. „Die Sonne und der Mond hätten ihn ankommen sehen.“

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