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Brasilien : Nachrichten aus Amazonien

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Raquel Garcia D’Avila Menezes, geboren 1990, studiert im 3. Jahr Deutsch als Fremdsprache und Portugiesisch an der Universität Rio de Janeiro in Brasilien. Bild: privat

Viele Jahre nach dem Verschwinden der Kinder von Hameln saß Pedro ruhig zu Hause und sah eine merkwürdige Nachricht im brasilianischen Fernsehen. Eine Sendung zeigte einen Volksstamm irgendwo in Amazonien.

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          Viele Jahre nach dem Verschwinden der Kinder von Hameln saß Pedro ruhig zu Hause und sah eine merkwürdige Nachricht im brasilianischen Fernsehen. Eine Sendung zeigte einen Volksstamm irgendwo in Amazonien, wo Pedros Eltern geboren waren. Er konnte es kaum glauben, aber einer der Jungen sah genauso aus wie er. Und viele der kleinen Ureinwohner dort sprachen einen Dialekt, der wie Deutsch klang … Derselbe Dialekt, den er zu Hause sprach! Wie war das möglich? Pedro kam auf die Idee, eine kleine Recherche darüber zu machen.

          Am Anfang war es ein bisschen schwer, Informationen zu finden. Es gab nicht so viele Seiten im Internet, die von Amazonien und dem Volksstamm mit dem interessanten Dialekt berichteten. Aber weil er so neugierig war, konnte und wollte er einfach nicht aufgeben. Nach ein paar Stunden stieß er im Netz zufällig auf ein Diskussionsforum. Dort sprach er mit einem Mann, der einen Stadtplan von dem genauen Ort des Volksstamms in Amazonien besaß und als Anhang für Pedro hinzufügte. Alles, was er sah, war Pedro unheimlich vertraut … warum? Er konnte seine Eltern nicht mehr danach fragen, denn sie waren lange tot. Also meldete er sich kurzerhand krank und fuhr zum Flughafen.

          Schon am nächsten Tag saß Pedro im Flugzeug. Ihm war völlig klar: Wenn irgendjemand auf der Arbeit jemals von diesem Abenteuer Wind bekam, würde er sofort arbeitslos. Aber das war ihm im Moment egal, er wollte einfach nur verstehen, warum alles in dem Fernsehbericht ihm so unglaublich vertraut war. Die Reise in den Norden Brasiliens dauerte eine Ewigkeit, aber schließlich kam er doch noch dort an: In Amazonien; in Canutama. Sogar die Brasilianer kannten diese Stadt nicht! Er nahm ein Taxi, das eigentlich gar kein Taxi war, sondern eine Art Taxi-Fahrrad, und fuhr in ein entlegenes Hotel.

          Die Einwohner Canutamas waren sehr freundlich und auch sehr verschieden von den Deutschen, das fiel ihm sofort auf. Sie hatten dunkle Haut, glattes schwarzes Haar und trugen Kleidung, die aus Wolle war. Nach einem längeren Gespräch mit den Einheimischen fand Pedro schließlich den Weg zu dem Volksstamm, den er im Fernsehen gesehen hatte. Es war noch einmal eine lange Reise, aber dazu war er nur allzu bereit.

          Er musste mit einem Boot fahren. Der Steuermann war ein kleiner und sympathischer Typ, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte. Sie konnten sich nicht unterhalten, da er weder Portugiesisch noch Deutsch sprach. Dennoch redete der Mann lustig darauf los, als ob Pedro alles verstehen könnte. Der Himmel war überraschend blau und dunkel …; es war schon spät. Pedro war erstaunt und begeistert von dem Naturschauspiel am Amazonas, er hörte überall Vögel singen. So erstaunt war er, dass er gar nicht merkte, dass der Steuermann verschwunden war.

          Pedro war zutiefst verwirrt. Wo war der Mann? Er merkte, dass er allein mitten im Nirgendwo war. „Um Gottes willen, was soll ich jetzt machen?“, dachte er. Da sah er im Wasser einen Delfin. Einen rosa Delfin, der lachte. Ein lachender rosa Delfin … war er vielleicht schon verrückt?
          „Beruhige dich, alter Freund“ sagte der Delfin, „Ich bin tatsächlich ein Boto am Tag und ein Mann in der Nacht. Mach dir keine Sorgen, ich will dir helfen, den Weg zu finden“. Als Mann trug der Boto einen weißen Anzug und sah sehr charmant aus. Pedro dachte, dass er träumte.
          Für viele Stunden fuhren die beiden über den Fluss zum Klang der Pfeife des Botos … bis Pedro einen Gesang hörte. Eine Meerjungfrau stand im Wasser während sie das schönste Lied der Welt sang.
          „Was für ein Traum ist das?“ dachte Pedro.
          Die Meerjungfrau las seine Gedanken sofort. „Das ist doch kein Traum, mein Lieber. Ich kenne das Dorf, das du suchst. Die Kinder werden sich freuen, wenn sie dich sehen“, behauptete die Meerjungfrau. Sie hieß Iara, die Herrin der Wasser, und ihre Stimme war so schön wie ihr Äußeres. „Der Weg ist nicht mehr weit von hier, vertraue mir.“

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