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Busreise zur Baustelle : Erleben Sie jetzt schon den BER!

  • -Aktualisiert am

Das Gras müsste auch mal gemäht werden

Auf einem der Friedhöfe wurden „auf neun Ebenen gut erhaltene beerdigte Menschen gefunden, die jetzt als Wanderausstellung durch die Umgebung touren“, sagt die Reiseführerin. An alles war gedacht, nur leider habe der Architekt „weniger auf Funktionalität denn auf Schönheit geachtet“. Er war es, der das Flachdach des Terminals aus ästhetischen Gründen von Abgasrohren freihalten wollte, weshalb der Rauch nicht nach oben abziehen darf (wohin er im Brandfall ohnehin unterwegs gewesen wäre), sondern in den Keller gesaugt werden muss, um ihn von da zur Seite wegzudrücken, was nicht funktioniert, weil die 20000 Belüftungsklappen doch nicht wie in einem Instrument zusammenspielen. Im Grunde ist man an der Optik, nicht an der Technik gescheitert. Die Männer nicken verständnisvoll.

Makelloser Beton: Ein Flugfeld zum Anfassen

Dann steigen wir alle in den Bus und fahren auf neuen Straßen und neuen Brücken am neuen Terminal vorbei. Hier die Parkhäuser, da das Hotel, die Zimmer komplett eingerichtet, dort die Büros, durch die Fenster sind schon die Schreibtische zu sehen, hier die Springbrunnen, da der U-Bahnhof. „Alles ist fertig“, sagt die Reiseführerin immer wieder, aber nichts wird benutzt. Wenn nur erst die Bauzäune entfernt sind, wie von Herrn Mehdorn angeordnet, und auch Fußgänger bis nach vorn zum Terminal laufen können, wird der Eindruck von Fertigkeit und Leere perfekt sein. Schon jetzt werden sowohl Klimaanlage als auch Rolltreppen regelmäßig angefahren, weil sie sonst einrosten, genauso wie jeden Tag mehrmals menschenleere Züge den Bahnhof anfahren, damit Zugluft entsteht und dem Schimmel vorgebeugt wird. Das erinnert mich an die Geschichte von Raymond Carver, in der ein Mann beim Friseur sitzt und begreift, dass seine Haare, auch in dem Moment, da sie geschnitten werden, weiter wachsen. Natürlich sollte der BER drei überlastete und veraltete Flughäfen ersetzen und fast 30 Millionen Passagiere im Jahr transportieren; aber letztlich ging es, wie bei jedem Flughafen, nur darum, dass man hier starten und landen kann. Die einfachsten Funktionen scheinen uns in unserer komplexer werdenden Welt einen immer größeren Aufwand abzuverlangen. Das Gras neben der Auffahrt müsste übrigens auch mal gemäht werden.

Der Bus biegt nun hinter eine Schranke ein und hält inmitten von makellosem Beton. Auf jeder Tour ist ein Ausstieg auf dem Gelände vorgesehen, in diesem Monat ist das die Parkposition D12 auf dem Vorfeld. „So leicht kommen Sie nicht wieder her“, sagt die Reiseführerin und weist auf die Auslässe für die Unterflurbetankungsanlage hin, die auch nicht funktioniert. Die Männer packen ihre Kameras aus und bauen sich vor dem Terminal auf, das am Ende der riesigen Fläche querliegt. Ein schöner, klarer Bau, der weniger uneröffnet als verlassen wirkt. Sogar die Lichter an den Brücken blinken noch.

Der BER: ein Gespensterflughafen für zwei Milliarden Euro. Eine echte Berliner Sehenswürdigkeit. Einmal angenommen, er wird nie eröffnet, vergessen werden, und, wie die Städte der Maya, erst Jahrhunderte später wiedergefunden - was wird man wohl glauben, welche Katastrophe sich hier abgespielt hat?

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