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Beutekunst in Russland : Kurzer Streit ums Gold von Troja

  • -Aktualisiert am

Doch noch Freunde fürs Leben? Angela Merkel und Wladimir Putin fanden in Sankt Petersburg zuletzt zueinander Bild: AP

Ein Eklat schien die Hoffnungen auf eine Verständigung zwischen Russland und Deutschland im Beutekunststreit zu zerstören. Wie haben die Russen die Wirren um den Eröffnungsabend der Bronzezeit-Ausstellung aufgenommen?

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          Zu den Bürgern von Sankt Petersburg war der Skandal, mit dem das deutsch-russische Kulturjahr nun zu Ende zu gehen drohte, am Freitagmittag gar nicht erst richtig durchgedrungen. Julia Demidenko, Kunsthistorikerin und stellvertretende Leiterin des Museums für Petersburger Stadtgeschichte, kam gestern ganz begeistert von der Vorbesichtigung der großen Bronzezeit-Ausstellung in der Eremitage zurück, die am Freitagabend von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Putin, ihrem Gastgeber beim russisch-deutschen Wirtschaftsgipfeltreffen, gemeinsam eröffnet werden sollte.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Es sei eine großartige Schau, schwärmt Frau Demidenko. Eine so reiche Präsentation europäischer Kulturschätze aus einem Territorium, das von Norddeutschland bis Südrussland reicht, vermittele tatsächlich einen Eindruck vom grenzenlosen Europa.

          Priorität: Die deutschen Schätze müssen zurück in die Heimat

          Dass die deutsche Kanzlerin ihre Teilnahme an der Zeremonie zwischenzeitlich abgesagt hatte, wurde Frau Demidenko nur als Gerücht mitgeteilt. Eine Kollegin habe ihr erzählt, dass Frau Merkel die Ausstellung als solche für politisch falsch halte. Denn viele wichtige Objekte darin, darunter solche aus dem berühmten „Schatz des Priamos“, den Heinrich Schliemann 1873 in Troja ausgegraben hat, sind sogenannte Beutekunst, also nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem besiegten Deutschland in die Sowjetunion überführt worden.

          Die deutsche Führung vertrete deshalb die Position, die Kulturschätze sollten vor allem zurückgegeben werden, zitiert die elegante Expertin ihre Bekannte, alles andere sei sekundär. Dass die Kanzlerin zunächst nicht hatte auftreten wollen, weil man ihr keine Redeerlaubnis gegeben und ihr somit unmöglich gemacht hatte, an den deutschen Rechtsstandpunkt zu erinnern, wonach die nach dem Zweiten Weltkrieg verschleppten Objekte zurückgeführt werden müssten, war Julia Demidenko neu. Schade, dass nun wohl die Beutekunstverhandlungen nicht fortgesetzt würden, sagte die Forscherin. Es sei doch wichtig, genau zu wissen, was wo und in welchem Zustand liege.

          Verweigerung der Schätze als Strafe

          Für die meisten Russen sind die „kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter“, wie man offiziell lieber sagt, eher ein Symbol ihrer eigenen leidvollen Geschichte als ein juristisches Problem. Die Eremitage-Kuratorin Julia Kantor wiederholte erst kürzlich wieder die Klage, ihr Land habe, durch die Schuld der Nationalsozialisten, im Krieg viel mehr Kunstschätze verloren als die Deutschen, die ihrerseits nicht wirklich eifrig nach aus Russland verschleppten Kostbarkeiten fahndeten und nur wenig zurückgegeben hätten.

          Dass die vorhandene Beutekunst, zumal heute, da der Sieg über Hitlerdeutschland für Russland sein einzig unzweifelhaftes Verdienst im zwanzigsten Jahrhundert darstellt, vielleicht ein verlässlicherer und vorzeigbarer Wert ist als die eine oder andere zerstörte Kirche oder geraubte Ikone aus der russischen Provinz, ließ Frau Kantor unerwähnt. Dafür konterte sie das Argument, dass es sich bei den Kunsttrophäen um deutsches Kulturgut handele, auf altbewährte Weise: Die Deutschen hätten sich, indem sie ihr Schicksal mit Hitler verbanden, von der Kultur losgesagt und seien dafür gerechterweise bestraft worden.

          Von der Bronzezeit-Ausstellung in der Eremitage und besonders der symbolträchtigen Eröffnung durch das russische Staatsoberhaupt und die deutsche Regierungschefin versprechen sich viele Experten einen Durchbruch bei den stockenden Gesprächen über das weitere Schicksal der Kunstgegenstände. Es geht immerhin um die wichtigsten Bestände des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte und dabei auch um zentrale Zeugnisse der deutschen Kunstgeschichte.

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