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Berliner Schulen : Unsere Kinder ersticken im Schmutz

  • -Aktualisiert am

Die unerträglichen hygienischen Zustände an Berliner Schulen Bild: Lüdecke, Matthias

In Berlin leiden viele Schulen unter völlig untragbaren hygienischen Zuständen. Die Bürokratie kennt das Problem, verschleppt es aber. Bericht einer betroffenen Mutter.

          Wer in Berlin ein Kind zur Schule schickt, dem wird es nie langweilig werden. Abseits von medialen Aufregern wie Rütli-Schule und Pisa-Ergebnissen schlagen sich Eltern hier mit einer Mischung aus Unterfinanzierung und Bürokratie herum, die groteske Züge annimmt - dreckige Züge. Hier lernen Kinder noch fürs Leben: Konfrontiert mit Fadenwürmern auf den Toiletten, bleiben die Nematoda kein abstrakter Stamm im Biologiebuch; und die Eltern lernen, wie sie als Hobby-Juristen und Freizeit-Aufklärer im Behördendschungel überleben.

          Das Problem gibt es schon viele Jahre. Manche glauben, es sei mit der Einführung des bis heute gültigen Vergabeverfahrens für die Reinigungsfirmen losgegangen - vor fünfzehn Jahren. Vor diesem Verfahren hat man den Schulen Geld gegeben, und sie haben sich ihre Putzleute selbst angestellt, eine Zeit, der manche Schulleitungen nachtrauern. Wirklich neu ist, dass Eltern es geschafft haben, den Tellerrand der eigenen Dreckzone zu überschreiten und eine Allianz mit anderen Dreckzonen zu bilden. Das Schmutz-Thema wird nun zur Freizeitbeschäftigung von Menschen, die tagsüber arbeiten, nach der Arbeit die Kinder zum Ballett oder zum Gitarrenunterricht bringen und abends eigentlich erschöpft ins Bett fallen wollen.

          Versuche sich der Verantwortung zu entziehen

          Stattdessen trifft man sich abends regelmäßig und berät über mögliche Hilfen. Diesen Treffen gingen viele gescheiterte Versuche voraus, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die zuständig sind: Reinigungsfirmen, Bezirksamt und Schulsenat. Jede Ebene hat eine eigene Ausreden-Klaviatur erfunden. Die Putzfirma beklagt sich über zu wenig Budget. Das Bezirksamt hat einen ausgefeilten Trimm-dich-Pfad für Eltern und Schulleiter entwickelt („Dafür sind wir hier nicht zuständig. Da können wir nichts machen. Bitte wenden Sie sich an XY.“).

          Und von dort geht es wie bei einer Schnitzeljagd weiter zur nächsten Station, bis man ohne Resultat wieder am Anfang steht. Der Senat verweist auf die Zuständigkeit der Bezirksämter. Die Schulämter verweisen auf die Budgetdeckelung durch den Senat. Nach jahrelangem Stillstand, in dem viele das Gefühl hatten, mit einer Wand aus Unzuständigkeit zu reden, nun also der Schulterschluss mit den anderen Betroffenen. Von denen hatte man nur zufällig gehört; die Behörden erzählten allen, es handelte sich um „Einzelfälle“.

          Die alten Ausreden gelten nicht mehr

          Im vergangenen Herbst gründete sich eine Elterninitiative, und plötzlich zogen die alten Ausreden nicht mehr. Es kam zu einem Treffen mit dem Schulamt am 4. November. Die Eltern erinnern sich an eine für sie enttäuschende Zusammenkunft. Schulstadtrat Beckers habe zwar betont, man werde sich um eine qualitätsorientierte Ausschreibung bemühen. Jedoch nur für fünf bis sechs Schulen, alles andere sei zu teuer. Und man könne mit Ergebnissen vielleicht bis Ende 2014 rechnen.

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