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Zum 100. Jahrestag : Die Muttertagsmaschinerie

Eine feministische Erfindung: Der Muttertag Bild: picture-alliance / dpa

An diesem Sonntag ist Muttertag. So alt wie der Tag selbst ist der Streit über seine Bedeutung und die Konsumschlacht um ihn herum. Fest steht: Die Idee stammt nicht von der Schnittblumenlobby oder aus völkischen Kreisen.

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          Weil der liebe Gott nicht überall gleichzeitig sein kann, schuf er die Mutter. Wie sie liebt eben niemand sonst auf Erden. Der erste Schrei, der erste Blickkontakt, schon ist es geschehen ums Mutterherz; der Beginn einer nicht enden wollenden Liebe. Nicht aus ganz freien Stücken freilich kommt es zu dem coup de foudre. Denn ist die Tortur der Geburt erst überstanden, durchfluten Oxytocine den Mutterkörper.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Mit diesem hinterhältigsten aller körpereigenen Opiate übernimmt das Kind das Kommando. Was auch immer andere über das neugeborene Knittergesicht sagen mögen - auf die Mutter wirkt sein süßer Geruch berauschend, betörend sein glucksendes Lachen. Mutterliebe macht blind, das ist erwiesen: Die Gehirnregionen, die das kritische Urteilsvermögen steuern, werden beim mütterlichen Anblick des geliebten Kinds deaktiviert.

          Kognitive Aussetzer und tragikomische Momente

          Oft genug indessen scheinen diese kognitiven Aussetzer ein Leben lang anzudauern. Die tragikomischen Momente, die daraus hervorgehen, hat uns in seinen böse-pointierten Szenen immer wieder Loriot vor Augen geführt. Nur durch die biologische List können die Kinder-Kriegerinnen wohl die Zumutungen ihrer neuen Biographien überhaupt ertragen: dass sie jahrelang nachts nicht mehr durchschlafen können, stundenlang die Lieder von Rolf Zuckowski anhören müssen oder das Gekreische vom Pumuckl; dass sie stundenlange Elternabende erdulden müssen, hundert Mal am Tag die Spülmaschine ein- und wieder ausräumen und sich mit kirgisischen Au-pair-Mädchen herumschlagen müssen; dass sie in Reihenhaus-Vorstädte umziehen und alte Freundschaften drangeben. Natürlich finden sie dort neue Freundinnen, die zufällig alle Kinder im selben Alter haben. Sie lassen Anrufbeantworter von Dreijährigen besprechen, sitzen in Mütter-Cliquen im Sandkasten und beteuern stets, wie zufrieden sie dabei sind. „Der Muttertrieb ist gefährlicher als die Atombombe“, bemerkte Loriot dazu.

          Gilt als Erfinderin des Muttertags: Anna Jarvis
          Gilt als Erfinderin des Muttertags: Anna Jarvis : Bild: AP

          Die Nachbeben dieser explosionsartigen Primärerfahrung sind morgen aufs Neue zu verspüren; denn morgen ist wieder Muttertag. Seit Wochen wird in den Kindergärten fieberhaft gewerkelt und gebastelt an pinkfarbenen Riesenherzen oder tönernen Briefbeschwerern. Für die größeren Kinder steht die Geschenkindustrie parat, die stets im Mai ein gigantisches Sortiment an Schokolade, Eau de Cologne und Küchengeräten aufbietet, die Produkte in Glitzerpapier hüllt und nonchalant dem Mutti-Motto unterschiebt. Den größten Umsatz erzielt freilich jedes Jahr die Blumengilde: Blumen und Muttertag, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel.

          Und weil das so ist, sind es alle Jahre wieder die Floristen, die vor allem von den Muttertags-Kritikern, die so unverwüstlich sind wie der Tag selbst, als Übeltäter gegeißelt werden: Der Festtag, mäkeln sie, sei ein hohles Ritual, lästige Pflichtübung, schnöder Kommerz, von dem die Mütter am allerwenigsten hätten. Lauscht man dieser Tage den Gesprächen im Supermarkt und auf dem Spielplatz, so scheint sich pünktlich zum zweiten Maisonntag die Nation zu teilen wie einst das Rote Meer: Die einen tun mit Hingabe, was der Tag von ihnen verlangt, die anderen verweigern sich nicht weniger pathetisch demselben Appell. Dass in letzter Sekunde viele Standhafte doch schwach werden, belegen schon die Zahlen, die noch nach jedem Muttertag die Blumenverkäufer aufjubeln lassen. Wohl wegen dieser Spätentschlossenen mobilisierte die Blumenlobby zuletzt alle Kräfte, um zu erreichen, dass nun sogar am heiligen Pfingstsonntag, auf den nach einigem kalendarischen Hin und Her der Muttertag dieses Jahr fällt, Blumenläden öffnen dürfen.

          Geschäftliche Auswüchse

          Die Blumenhändler waren es ja tatsächlich auch, die es als Erste verstanden haben, auf den Muttertagszug aufzuspringen. Schon in den zwanziger Jahren gaben sie hierzulande den Slogan aus, der seither wie eine Fanfare zum Tag ertönt: „Lasst Blumen sprechen!“ Aber sie haben keineswegs den Tag an sich erfunden, und auch die Nationalsozialisten waren es nicht, wie so oft behauptet wird - die haben ihn vielmehr für ihre Zwecke pervertiert. Der Muttertag ist, was heute kaum einer mehr weiß, ursprünglich die Erfindung einer Feministin aus West Virginia: Anna Jarvis hat vor genau hundert Jahren in ihrem Heimatort Grafton den ersten Muttertag veranstaltet, woran dort ein Denkmal erinnert. Ihre Idee fußte auf den politischen Zielen der damaligen Frauenbewegung, die allerdings rasch vergessen wurden. Andere verstanden es dann geschickter als die Suffragette Jarvis, die so simple wie durchschlagende Idee auf ihre eigenen Anliegen umzumünzen - ob wirtschaftlich oder völkisch-national.

          Die geschäftlichen Auswüchse um den Muttertag, an dem heute die Amerikaner so teure Geschenke machen wie sonst nur an Weihnachten, hat seine Erfinderin, die 1864 in eine der angesehensten Familien Virginias hineingeboren wurde, noch zu Lebzeiten bekämpft. Schließlich wollte Anna Jarvis den Tag, der sie einst berühmt machen sollte, sogar wieder abschaffen; vergebens, wie man weiß.

          Begonnen hat alles mit dem Einsatz der unverheirateten und kinderlosen Lehrerin, die im Hause ihrer Eltern lebt, für die Rechte der Frauen, die ihrer Ansicht nach unterdrückt werden, etwa, weil sie nicht wählen dürfen. Unterstützt wird Anna Jarvis von ihrer Mutter Ann, die ebenfalls politisch aktiv ist und im Jahr 1858 die Vereinigung „Mother's Work Days“ gründet, um gegen hohe Kindersterblichkeit und für bessere sanitäre Anlagen zu kämpfen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs mobilisiert sie Geschlechtsgenossinnen und kümmert sich mit ihnen um die Verwundeten auf beiden Seiten sowie um die Annäherung der verfeindeten Lager.

          Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte

          Als Ann Jarvis am 9. Mai 1905 stirbt, kommt ihrer Tochter Anna der folgenreiche Gedanke, einmal im Jahr nicht nur an das Werk der eigenen, sondern aller Mütter zu erinnern. Was ihr vorschwebt, ist nicht die Würdigung eines Mutterbilds von edler Einfalt, stiller Größe und nimmermüder Opferbereitschaft. Der Tochter eines Methodistenpfarrers ist es um die soziale und politische Rolle von Frauen in der Gesellschaft zu tun. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts bietet sich dafür die Mutter als gesellschaftlich legitime Identifikationsfigur an.

          Anna Jarvis bittet den Pfarrer ihrer Gemeinde, am Todestag ihrer Mutter über die Bedeutung von Müttern in der Gesellschaft zu predigen. Das ist der Beginn der beispiellosen Erfolgsgeschichte jener Botschaft, die Anna Jarvis so formuliert: „Schafft den Ehrentag der Mutter - setzt diesen Frauen ein unvergängliches Denkmal.“ Drei Jahre später, in denen Jarvis unermüdlich in Briefen an Kirchenmänner und Politiker sowie in Zeitungsartikeln für ihre Idee wirbt, findet der erste offizielle Muttertag in der St. Andrew's Methodist Episcopal Church statt: am zweiten Maisonntag des Jahres 1908, dem dritten Todestag von Ann Jarvis. Nach der Predigt von Harry C. Howard verteilt Anna Jarvis fünfhundert Nelken, die Lieblingsblumen ihrer Mutter: Mit roten Nelken will sie lebende Mütter ehren, mit weißen soll der verstorbenen Mütter gedacht werden. Die Nelke ist dem Muttertag geblieben: Auch am morgigen Sonntag wird sie in dem Städtchen Grafton, dem Geburtsort des Muttertags, während der großen Zeremonie in der klassizistischen Kirche aus rotem Backstein wieder verteilt werden.

          Waterloo, 1806: Napoleon hatte wohl keine Zeit...

          Nicht, dass Anna wirklich die Erste gewesen wäre, die glaubte, dass Mütter es verdient haben, wenigstens einmal im Jahr gewürdigt zu werden: Schon die alten Römer und Griechen widmeten den Müttern ihrer Götter Festivitäten. Und England hatte im siebzehnten Jahrhundert seinen „Mothering Day“, einen Tag im Jahr, an dem Menschen in ihre Mutterkirche strömten. Auch Napoleon schlug im Jahr 1806 die Einführung eines Muttertags vor, fand dann aber vor Waterloo wohl keine Zeit, sein Vorhaben umzusetzen; danach scheint er es vergessen zu haben. Am Ende ist es eben eine Amerikanerin, die den Muttertag aus der Taufe hebt; ihre gute Absicht erweist sich als so massenkompatibel, über alle Landes- und Sprachgrenzen hinweg, dass sie den Rest der Welt erobert. 1914 erklärt Präsident Woodrow Wilson den Muttertag zum amerikanischen Feiertag: „Die Flagge wehte nie aus einem schöneren und heiligeren Anlass als für diese zärtliche Armee: die Mütter Amerikas“, verkündet er verzückt.

          Nicht minder euphorisch reagiert die Geschäftswelt, die eine Chance wittert, mit dem neuen Feiertag über die Spätfrühlingsflaute zu kommen. In Deutschland ist es ein gewisser Rudolf Knauer, der 1922, als er aus Amerika von der Idee erfährt, begeistert mit Vortragsreisen durchs Land zieht und für eine solche Feier zu Ehren „der stillen Heldinnen unseres Volkes“ wirbt. Knauer aber handelt nicht als treusorgender Ehemann und Sohn, sondern als Beauftragter des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber, dessen Vorsitzender er 1923 wird - in jenem Jahr also, in dem die Inflation in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht.

          Die Wirtschaft ist ruiniert, die Geldentwertung erreicht ihren Höhepunkt; ein Kilo Kartoffeln kostet achtzig Milliarden Mark. Kein gutes Jahr, um Blumen zu verkaufen. Knauer wendet für seine Blumenoffensive geschickt eine PR-Strategie an, die man heute social marketing nennen würde: In der Verbandszeitung fordert er die Blumenhändler auf, „irgendeine gemeinnützige Gesellschaft“ als „neutrale Stelle“ zu finden, um den Muttertag aus Amerika zu importieren: „Ein zu starkes Hervortreten der Blumengeschäftsinhaber in Deutschland wäre einer baldigen Einführung nicht zum Vorteil“, warnt der Blumenlobbyist.

          Scheinbar neutrale Anzeigen in Tageszeitungen

          Die „neutrale Stelle“ ist im Jahr 1925 gefunden: Die „Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung“ - ein Dachverband konservativ bis völkisch orientierter Vereine, in dem sich Alkoholgegner ebenso organisieren wie der Reichsbund der Kinderreichen, die kirchlichen Frauenverbände und Sittlichkeitsvereine „zur Bekämpfung von Schmutz und Schund“ - nimmt das Ansinnen Rudolf Knauers nur zu gern auf. Denn dieses Umfeld sieht die Mutterschaft als wahre Berufung der Frau und geißelt weibliche Berufstätigkeit, genauso wie die immer populärer werdende Emanzipationsbewegung.

          In Tageszeitungen erscheinen plötzlich scheinbar neutrale Anzeigen wie „Ehret die Mutter“, an Straßenbahnen und Litfaßsäulen werden Plakate geklebt, und für die Lokalpresse dichtet der Verband sogar Lyrisches zum kostenfreien Abdruck: „Gedenke heute deiner Mutter Güte, bring ihr eine frische Blüte.“ Ebenfalls im Jahr 1908 hatte der Berliner Florist Max Hübner den genialen Einfall für „Fleurop“: Eine Firma, die nicht mehr die Blumen selbst verschickt, sondern lediglich die Aufträge. Das kommt mit dem neuen Feiertag erst richtig in Schwung, da es nun auch möglich ist und öffentlich dazu aufgefordert wird, die Mütter in der Ferne mit Blumen zu versorgen.

          Das Produkt „Blume“ soll diskret, aber nicht zu diskret verpackt sein. Denn schon drängt die Konkurrenz auf den Markt: Pralinen-, Parfüm- und Kleiderhersteller wollen ebenfalls mit dem Muttertag ihre Umsätze mehren. Verschreckt mahnt deshalb der Blumenverband seine Mitglieder, frühzeitig mit der Werbung zu beginnen; denn nur so könne sich „im Volke die Meinung festwurzeln, dass Muttertag und Blumengabe ein einheitlicher Begriff seien“.

          Die größte Sorge der Verbandsstrategen

          Davon zeugen auch die zehn Gebote, die zum Muttertag aufgestellt werden. So lautet das zweite Gebot ganz im Sinne der Floristen: „Stelle frühmorgens Blumen ans Lager.“ Und das vierte: „Gehe zum Friedhof, wenn dort deine Mutter liegt, und schmücke das Grab mit den Blüten des Frühlings“. Dank der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten: Die Floristen verkaufen ihre Gewächse, der Verband seine antiemanzipatorischen Ideen.

          Die größte Sorge der Verbandsstrategen ist es mithin, dass die Deutschen aussterben. Die Geburtenrate hatte sich zwischen 1900 und 1925 mehr als halbiert: weil sich Arbeiterfrauen vor allem durch die miserablen Lebensbedingungen zu Abtreibungen gezwungen sehen und sich zugleich sexuelle Aufklärung und Verhütung durchsetzen. Und weil die Frauen der Weimarer Republik selbstbewusster werden. Die Eigenständigkeit, die sie sich erkämpft haben, während ihre Männer an der Front des Ersten Weltkriegs waren, wollen sie so einfach nicht wieder hergeben; sie gehen wählen, tragen Bubikopf und verdienen als Sekretärin oder Bankangestellte ihr eigenes Geld: „Seelische und geistige Entmütterung“, geißelt 1929 der „Völkische Beobachter“. Die Zusammenarbeit von Blumengeschäften und Bevölkerungspolitikern geht so unauffällig wie effektiv vonstatten, dass der Muttertag beginnt, sich als Tradition im öffentlichen Bewusstsein festzusetzen. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergreifen, ist der Muttertag längst fest installiert. Hitler macht ihn umgehend zu seiner Sache, was dann im NS-Mutterkult gipfelt.

          Kein Wunder, dass der Muttertag mit seinem Mutterkreuz-Image nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft wird. Doch schon Anfang der fünfziger Jahre wird der Brauch wiederbelebt, allerdings nur in der Bundesrepublik; die DDR, wo er als westlich-reaktionär verschrien ist, ersetzt ihn durch den „Internationalen Frauentag“ am 8. März. Aber auch im Westen kann der Tag im Festkalender den Ruch der politischen Vereinnahmung nie ganz ablegen; bis heute wird jedes Jahr aufs Neue von irgendjemandem seine Abschaffung gefordert. Wieder andere, besonders gern Politiker, finden im Muttertag einen willkommenen Anlass zu staatstragenden Sonntagsreden, Soziologen und Psychologen die Ursache für tiefgründende Betrachtungen und das Müttergenesungswerk den Grund für durchaus sinnvolle wohltätige Sammlungen.

          Weg vom Kitsch, hin zur Realität

          Und die Mütter? Dichter und Maler haben sie ja immer schon gepriesen und idealisiert, diese, wie Heine zärtlich schrieb, „süße, langgesuchte Liebe“. Trotz alledem aber ist und bleibt Mutterschaft ein höchst kompliziertes Unterfangen, nicht nur eine Erfüllung voll Stolz und großen Gefühlen, das Erlebnis eines Wunders, sondern genauso überfrachtet von Erwartungen, bestimmt von Glücksdruck und inneren wie äußeren Zwängen, geplagt von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen. Und wir sind umgeben von widersprüchlichen Bildern - von der fürsorglichen Mutter mit dem Fruchtzwerg in der Hand bis hin zur Hexe aus dem Märchen und der kindermordenden Medea. Gerade in der Werbung tauchen Muttis bis heute oftmals verängstigt und unselbständig auf. Aber mindestens ebenso wirkmächtig wie die Figur der schwachen Mutter ist die der Beherrscherin. Es ist wohl kein Zufall, dass sich eine der berühmtesten Fernsehserien der vergangenen Jahre, die „Sopranos“, um das dunkle Zentrum einer lieblosen Mutter dreht - von den Retalin-schluckenden „Desperate Housewives“ ganz zu schweigen.

          Aber gerade weil es diese weiblichen Ambivalenzen, diese widersprüchlichen Mütterbilder gibt, kann der Muttertag heute doch mehr sein als bloß ein hohles Ritual: über das Schenken hinaus eine Ausdrucksform, ebendiese widersprüchlichen Bilder zu versöhnen - weg vom Kitsch, hin zur Realität. Und sogar die alten Grabenkämpfe über die verschiedenen Formen von Mutterschaft, die heute möglich sind, sind fast schon ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ja, es scheint heute tatsächlich sogar möglich zu sein, in einem Zug ironisch und leidenschaftlich zugleich über Mutterschaft zu sprechen. Zu dieser neuen Gelassenheit passt es dann, sich - ungeachtet aller Kritik und jeglicher Selbstzweifel - am Muttertag einfach beschenken zu lassen.

          „I wanted it to be a day of sentiment, not profit“

          Der feministische Ursprung des Muttertags, wie er Anna Jarvis einst vorschwebte, ist uns freilich entglitten. Und während in Deutschland 1923 der erste Muttertag gefeiert wurde, steckte man im selben Jahr im fernen Amerika seine Erfinderin ins Gefängnis, weil sie wieder einmal öffentlich dagegen protestiert hatte, dass ihre Idee in bare Münze umgeschlagen wurde. „I wanted it to be a day of sentiment, not profit“, zürnte Anna Jarvis, die einen Gedenk- nicht einen Geschenktag gewollt hatte und gegen die Blumenindustrie zahllose Prozesse führte.

          Ihr Versuch, das ideelle Ereignis vor der Kommerzialisierung zu bewahren, blieb freilich erfolglos. Am Ende verlor Anna Jarvis in dem aussichtslosen Feldzug ihr gesamtes Vermögen und starb 1948 in einem Altenheim, arm und vergessen. Sie hat nie erfahren, dass die Kosten für ihren Aufenthalt dort ebenjene übernahmen, die sie die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens erbittert bekämpft hatte, und die ihr doch so viel zu verdanken haben: die Blumenhändler.

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