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Zukunft der Museen : Holt die Bilder ans Licht!

  • -Aktualisiert am

In der Alten Nationalgalerie Bild: Julia Zimmermann

Auch in der Welt der Museen ist nichts mehr, wie es war: Die Globalisierung verändert das Ausstellen, der finanzielle Druck steigt. Gleichzeitig wachsen die Ansprüche der Besucher. Wie die Zukunft der Museen aussieht.

          12 Min.

          Deutschland kann einfach nicht genug bekommen von Museen: Siebentausend Häuser zählt das Land, und ein Ende des Museumsbaubooms, der seinen Anfang in den achtziger Jahren nahm, ist nicht in Sicht. 42 Prozent aller deutschen Museen widmen sich der Heimat- und Volkskunde, 10,4 Prozent sind Kunstmuseen. Jedes Jahr eröffnen neue Häuser, schon bestehende werden modernisiert, etablierte Institutionen erhalten einen Erweiterungsbau. Die Anzahl der Museen für Gegenwartskunst hat sich im Vergleich zum Jahr 1990 verdoppelt. Doch brauchen wir tatsächlich jedes dieser Häuser?

          Über Jahre hinweg lockten die Kunstmuseen Politiker und Besucher mit Neuem und Internationalem. Das zählte mehr als das Beständige und Bekannte. Sogar kleine Häuser bemühten sich um internationale Leihgaben, machten sich dabei gegenseitig Konkurrenz, kopierten einen Kanon, statt das eigene Profil zu schärfen. Doch dann kam 2008 die Finanzkrise, und plötzlich war alles anders. Erst verringerte sich die Aufmerksamkeit der Sponsoren aus der Wirtschaft, dann ging die finanzielle Förderung durch die Kommunen zurück. Und nun stehen viele Kunstmuseum ohne Profil da. Doch statt inhaltlich daran zu arbeiten, wie ihre Schätze für künftige Generationen bestmöglich bewahrt und präsentiert werden können, sind sie vor allem mit der Akquise von Sponsoren beschäftigt.

          Die Finanzkrise sei eine gute Ausrede, um die Mittel herunterzufahren, lautet die Antwort, wenn man in Museen für zeitgenössische Kunst nach den Folgen der wirtschaftlichen Erschütterung der jüngsten Zeit fragt. Das Jahr 2011, so hört man auch, werde für die deutsche Museumslandschaft ein Wendepunkt, die Spreu sich vom Weizen trennen. Schon im vergangenen Jahr, als das Altonaer Museum in Hamburg geschlossen werden sollte, regte sich massiver Bürgerprotest. Inzwischen steht fest, dass das kleine Spezialmuseum erhalten bleibt. Wie aber werden sich Museen in einer Gesellschaft, die Unbehagen bei jeder Festlegung verspürt, die permanent in Bewegung ist - und das nicht nur in der Welt der Kunst -, als Institutionen in Deutschland künftig positionieren?

          Alte Nationalgalerie

          Der Typ des medial überreizten Museumsgängers

          Entscheidend dabei werde die Nähe zum Publikum sein, sagt Chris Dercon, der langjährige Chef des Münchner Hauses der Kunst, der seit April die Tate Modern in London leitet. Im Jahr 2009 zählte sein neues Museum 4,8 Millionen Besucher und wurde durch einen spektakulären Anbau von Herzog & de Meuron vergrößert. Die Museen in Deutschland müssten endlich bereit sein, sich und ihre Kategorien in Frage zu stellen, sagt Dercon. Er fordert neue Konzepte, um den Besuchern das Gezeigte zu erschließen. Bloß zu erfüllen, was das Publikum will, sei Populismus. Dercon verlangt eine Neudefinition von Öffentlichkeit. „Wir sollten nicht nur über Kunst diskutieren. Die Gesellschaft leidet. Sie fühlt sich nicht mehr repräsentiert durch die Politik, nicht mehr durch die Medien, sie ist auf der Suche. Irgendwo will sie eine Form von Souveränität erleben und gleichzeitig dürfen wir uns nicht scheuen, Geschichten zu erzählen, die zu ihrer subjektiven, poetischen Wahrheit stehen. Das ist unsere Aufgabe.“

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