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Ullens Center in Peking : Die Kunst besetzt Maos Munitionsfabrik

Rund 140 Werke von dreißig Künstlern sind im Ullens Center derzeit ausgestellt auf viertausend Quadratmeter Fläche. Im August 1989 erklärte der Künstler Gu Dexin: „Except for money and big studios, Chinese artists have everything they need.“ So lautet die Schrift an der Wand des ersten Raums, in dem sich die Chronologie der chinesischen Gegenwartskunst von 1976 bis 1990 an den Wänden entlang entfaltet. Das ist ein langer Marsch durch eine uns ganz fremde Geschichte, deren Initialzündung die vorübergehende Öffnung Chinas nach dem Westen hin in den achtziger Jahren darstellt. Gus Worte sind aber auch die Schrift an der Wand, eine Warnung oder Mahnung an den momentanen Standort der chinesischen Künstler, die vielleicht seinsvergessen ihre Ursprünge hinter sich gelassen haben - für Geld und große Ateliers.

Ein Experiment ohne Beispiel

Das Unternehmen von Guy und Myriam Ullens ist tatsächlich ein aufregender Versuch, ein Experiment bisher ohne Beispiel. Ihnen ist das Bravourstück gelungen, gemeinsam mit der chinesischen Regierung einen Weg gefunden zu haben, ihr grundsätzlich nichtkommerzielles Unternehmen im völlig auf ökonomische Konzepte fixierten China der Gegenwart zu installieren. Zudem widmet sich das UCCA keineswegs nur der chinesischen Kunst, sondern auch anderen internationalen Strömungen der Gegenwart. So könnte es zu einem Erkenntnisprozess kommen, der die jungen chinesischen Künstler, vor allem aber auch eine breitere interessierte Öffentlichkeit Chinas, mit ihren künstlerischen Wurzeln allererst vertraut macht, die 1989 brachial, zugleich mit der Niederschlagung der Revolte, gekappt wurden. Ein winziger Hinweis auf diese kluge Heranführung könnte es da schon sein, dass in der Chronologie zur Eröffnungsschau immerhin zum Jahr 1989 vermerkt steht: „4 June: Martial law forces begin to clear out Tian'anmen Square“ - nicht unterschlagen ist diese gewaltsame Zäsur in Chinas Politik; kaum kann das der gegenwärtigen Regierung entgangen sein.

Es könnte also zu einer sanften Durchdringung des Fremden mit dem fort und fort Fremden kommen oder womöglich auch einmal zur Überwältigung durch die Kunst, wie sie geschehen mag, wenn dann im November dieses Jahres in der monumentalen Halle die deutsche Künstlerin Rebecca Horn eine One-Woman-Show einrichten wird. Ihre poetischen, schreibenden und spielenden Maschinen brauchen vielleicht gar keine Übersetzungsarbeit. Doch was vorerst Guy Ullens, der belgische Baron, da zusammengetragen hat an chinesischer Kunstproduktion der achtziger Jahre und an den Ort seiner Entstehung zurückgebracht, das taugt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für einen Hype am internationalen Kunstmarkt, das ist die Leistung eines Sammlers und Mäzens, die zu bewundern ist. Es ist tatsächlich ein Stück Kultur, das beinahe verlorengegangen wäre - nicht nur für China, sondern für alle.

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