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Ullens Center in Peking : Die Kunst besetzt Maos Munitionsfabrik

Aber, so fügt er hinzu, die Turners seien in der Haltung doch sehr delikat gewesen. Um adäquate Lichtverhältnisse für sie zu schaffen, hätte er eigentlich auch eigens bauen müssen. Guy Ullens ist ganu offensichtlich nicht der Mann, der die Kunst in Schränke sperrt. Was sich zur Eröffnung also als „Geburt der chinesischen Gegenwartskunst“ präsentiert, dauerte im Kern von 1985 bis 1989, als im Februar in Peking die Ausstellung „China / Avantgarde“ stattfand. Die Schau wurde von den Behörden geschlossen, auch wegen des sogenannten „shooting incident“, den die Künstlerin Xiao Lu provozierte, indem sie auf ihre Spiegel-Installation „Dialogue“ mit einer Pistole schoss; die Zerstörung war Teil der Arbeit. Der rekonstruierte „Dialogue“ ist jetzt im UCCA zu sehen, als Leihgabe der „Taikang Life“ - einer der größten Lebensversicherungsgesellschaften Chinas.

Ein entleerter Fortsatz

Auch der UCCA-Direktor Fei Dawei war damals bei „China / Avantgarde“ dabei. Und in seinem interessanten Katalogbeitrag polemisiert er jetzt offen gegen die aktuelle chinesische Kunst, wie sie der Markt gierig aufsaugt; sie mutet ihm gewissermaßen verkommen an, ein entleerter Fortsatz jener frühen Jahre - worüber vielleicht noch trefflich zu streiten sein wird. Endlich liegt es nicht ganz fern, dass durch „'85 New Wave“ auch der eine oder andere noch unbekannte Künstler ins Licht des Markts gerät.

Fei Dawei war allerdings konsequent in seiner Wahl, abstinent kommerziellem Kitzel gegenüber. Kein Einziger der inzwischen berühmten, vielzähnig lachenden Männer von Yue Minjun, Jahrgang 1962 - die der Kunstmarkt zurzeit (noch), je nach ihren Dimensionen, mit mindestens sechsstelligen Summen honoriert - fand in die Halle. Immerhin können sie als Urbilder jenes „Zynischen Realismus“ in China gelten, mit dem Yue auf die blutigen Ereignisse im Land reagierte, die in Peking am 4. Juni 1989, ausgehend vom Platz des Himmlischen Friedens, ihren Höhepunkt fanden. Aufnahme in die Schau wurde dagegen Geng Jianyi, geboren 1962, gewährt, der schon 1987 mit seinen zu hysterischen Masken erstarrten, lachenden Männergesichtern auf „The Second Situation“ die Grinse-Riege seines Kollegen Yue Minjun präfigurierte.

Übergroße silberne Männer

Der ist indessen sehr gegenwärtig in Peking selbst, wo vor dem - staatlich tolerierten, aber nicht finanziell geförderten - „Today Art Museum“ einer privaten Investorengruppe eine ganze Schwadron übergroßer silberner Männer sich vor Lachen kaum halten kann: fremde Brüder aus dem Osten der „Großen Geister“ von Thomas Schütte. Auch im District 798 selbst, in der Xin-Dong-Cheng-Galerie ist eine große Multiple-Skulptur von Yue im Angebot, mit einer Preisangabe von 500.000 Dollar. Daneben steht eine riesige steife Mao-Jacke - kopflos, jedoch mit applaudierenden Händen - von Sui Suijianguo. Sie hat der vorbeugenden staatlichen Überwachung wohl standgehalten: Wer will schon gegen ein bronzenes Kleidungsstück einschreiten?

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