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Ullens Center in Peking : Die Kunst besetzt Maos Munitionsfabrik

Das Ullens Center verfügt im Herzen von „798“ über eine Fläche von achttausend Quadratmetern, die keineswegs bloß als Ausstellungsraum dienen. Zu ebener Erde gibt es neben den großen Schauräumen und kleineren Einheiten eine Cafeteria, einen Shop und ein Auditorium: Denn seine eigentliche Bestimmung sieht das UCCA im „Center of Excellence“ mit einer Bibliothek und einem Archiv, mit Vorträgen, Symposien und Schulungsprogrammen etwa für Kuratoren. Auf seine neue Nutzung hat der französische Architekt Jean Michel Wilmotte den Fabrikbau perfekt zugeschnitten; er hat ein Mezannin eingezogen, ohne dabei die Charakteristika der Industriearchitektur zu ruinieren.

Ein paar privilegierte Jahre

Die dies alles auf die Beine gestellt haben, sind Guy Ullens und seine Frau Myriam. Der zweiundsiebzig Jahre alte belgische Unternehmer hat, inspiriert durch die Erzählungen seines Vaters, in den achtziger Jahren Geschäfte in China gemacht und sich dabei unter die damals jungen Künstler begeben, die sich gerade aus ihrer Arbeit für Propaganda und Partei herausschälten und auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen waren: Sie wurden freie Künstler, ein paar privilegierte Jahre lang in einem freieren politischen Klima.

Ullens kaufte ihre Arbeiten, wo er konnte; heute umfasst seine Kollektion, die von klassischer chinesischer Kunst bis in die Gegenwart reicht, rund dreizehnhundert Werke. Damit hat er eine ähnliche Geschichte wie Uli Sigg, der frühere schweizerische Botschafter in China, der dieselbe Leidenschaft für sich entdeckte, lange bevor die chinesische Gegenwartskunst in den Fokus der Kunstwelt rückte. Siggs phänomenale Sammlung war im Herbst 2006 in der Hamburger Kunsthalle zu besichtigen. In der Eröffnungsschau des UCCA hängen wichtige Leihgaben auch von ihm. Denn keineswegs wird die Schau von den Ullens nur mit eigenen Beständen bespielt, sondern es überwiegen die Stücke aus anderem Besitz, oftmals dem der Künstler selbst: Hier hat Fei Dawei, der chinesische Kritiker und Kurator, der nun Direktor des UCCA ist, seine Verbindungen spielen lassen, die in jene Jahre des Aufbruchs zurückreichen.

Stiftung in der Schweiz

Im Jahr 2002 gründeten die Ullens eine Stiftung in der Schweiz, die der Verbreitung chinesischer Gegenwartskunst gewidmet ist und auch hinter dem Ullens Center steht: Eine „chinesische Institution für die chinesische Öffentlichkeit“ habe er schaffen wollen, sagt Ullens, die sich auch der Produktionsseite widmen will mit Auftragsarbeiten. Das Kapital dahinter? Dass er sein Geld mit candy gemacht hat, mit Süßigkeiten also, sagt Ullens - und dass die Familie nun aber Eigentümerin von „Weight Watchers“ sei - eine Karriere, nicht ohne höheren Witz in unserer Wohlstandsgesellschaft. Allerdings musste er schon etwas mehr tun für seinen hehren Plan: Ullens verkaufte 2007 in einer Londoner Auktion seine einmalige Sammlung mit vierzehn Aquarellen von William Turner, was ihm mehr als zwanzig Millionen Dollar einbrachte.

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