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Organisierte Kriminalität : Wer ist der Lügner in dieser Geschichte?

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Auch der Maler Karl Schmitt-Rottluff wurde vielfach gefälscht: Hier das - originale - Gemälde „Akte im Freien (Drei badende Frauen)” von 1913 Bild: IMPRESSIONIST AND MODERN ART EVENING SALE

Das Geschäft mit gefälschten Gemälden boomt. Jüngst hat die angebliche Sammlung Jägers das Vertrauen in den Kunsthandel erschüttert. Alltag für die Polizei? Eine für Kunstraub und -fälschung zuständige Kommissarin spricht über ihre Arbeit.

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          Meisterwerke, die geraubt wurden. Neue alte Meisterwerke, die als verschollen galten und auf einmal wieder auftauchen. Bislang unbekannte Bilder eines bekannten Künstlers, die sein Lebenswerk vervollständigen und den Markt auffrischen. Wenn solche Schlagzeilen den Kunstmarkt bewegen, dann hat eine Frau in Berlin, Abteilung vier fünf vier, wieder viel Arbeit.

          Bärbel Groth-Schweizer ist eine freundliche Frau von Ende fünfzig. Sie hat einen kräftigen Händedruck, aber ein weiches Lächeln, trägt einen strengen Hosenanzug, aber lilafarbene Ballerinas. Sie mag ihre Arbeit und sagt dann gleich, dass es hier um ganz normale Polizeiarbeit gehe. Bärbel Groth-Schweizer leitet die Abteilung vier fünf vier des Landeskriminalamts Berlin, ein Kommissariat des Dezernats für organisierte Kriminalität und Bandendelikte. Von Kollegen werden Bärbel Groth-Schweizer und ihre acht Mitarbeiter die „Kunstkommissare“ genannt. Ihr selbst klingt dieser Name zu glamourös.

          Die Sammlung, die es gar nicht gab

          Was normale Polizeiarbeit in ihrer Abteilung bedeutet, kann man auf einem weißen Brett an der Wand des Besprechungsbüros betrachten. Dort hängen Farbfotos von Kunstwerken, nach denen hier aktuell gefahndet wird. Ein feuerrotes gebranntes Bild mit lebhaften gelben Flecken zum Beispiel, „Angekommen“ heißt es. Oder der Kopf des Schriftstellers Alfred Döblin, der in Bronze gegossen auf einem öffentlichen Platz stand und über Nacht verschwand. Oder eine weiße Sitzlandschaft aus Gipskarton, mit Kunststoff beschichtet. „Gestohlen wird alles, was zu Geld zu machen ist“, sagt Bärbel Groth-Schweizer. Ein halbes, überdimensionales Sofa aus Plastik, was fängt jemand damit an?

          Fahndungserfolg: Im Dezember 2010 stellte die spanische Polizei 34 gestohlene Meisterwerke sicher
          Fahndungserfolg: Im Dezember 2010 stellte die spanische Polizei 34 gestohlene Meisterwerke sicher : Bild: dpa

          In den letzten Monaten haben sich Meldungen über geraubte, wiedergefundene und gefälschte Kunstwerke gehäuft. Falsche Van Goghs aus Paris in Amsterdam und ein echter Caravaggio, der vor zwei Jahren aus einem Kunstmuseum in Odessa verschwand und im vergangenen Sommer in Berlin sichergestellt wurde. Ein gefälschtes Gemälde von Felix Nussbaum, das Kunstbetrüger aus Berlin dem Osnabrücker Nussbaum-Haus verkauft haben. Schließlich der Skandal um die Sammlung Werner Jägers, die es gar nicht gab, mit Bildern unter anderem von Heinrich Campendonk und Max Ernst, die sie nicht selbst gemalt haben, sondern ein Fälscher, der Kunststile so virtuos beherrscht wie große Pianisten die Musik unterschiedlicher Komponisten.

          Wenn das Wort „Provenienz“ fällt, man nicht an Lavendelfelder denken

          Die Kommissarin sitzt mit dem Rücken zum Fenster in ihrem kleinen hellen Besprechungsraum, hinter ihr wachsen blasse Zimmerpflanzen. Ihr akkurater hellblonder Bob leuchtet im Gegenlicht. „Wir sind zwar speziell, aber wir sind nichts Besonderes“, sagt sie. Aber es braucht wohl spezielle Kommissare für spezielle Fälle, und die gibt es derzeit nur an den Landeskriminalämtern von Stuttgart, München und Berlin.

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