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Neues Unterhaltsrecht : Gattin adé, scheiden tut weh

Das neue Unterhaltsrecht wird das Leben von Millionen Menschen verändern. Waren es früher die Männer, die sich vor überzogenen Ansprüchen schützen wollten, werden sich künftig Frauen absichern müssen - vor allem, wenn sie sich ganz um die Kinder kümmern wollen.

          9 Min.

          Das Kino hat uns daran gewöhnt, dass Scheidungen lustig sind. Ob nun vor mittlerweile zwei Generationen ein Ehemann in Gedanken Mordvarianten auf Italienisch durchspielt oder sich in unseren Tagen verklagt, was sich liebt, und ein Scheidungsanwalt den „(un)möglichen Härtefall“ als persönliche Herausforderung begreift - was in Erinnerung bleibt, sind die lächelnden Gesichter von Marcello Mastroianni, Pierce Brosnan und George Clooney sowie die Erkenntnis, dass am Ende die Liebe siegt. Selbst dann noch, wenn auf halbem Weg eine heiß-kalte Catherine Zeta-Jones, über ein Glas Bordeaux Château Margaux des Jahrgangs vierundfünfzig gebeugt, ganz prosaisch erklärt, dass Scheidung Geld bedeute und Geld wiederum Unabhängigkeit, bevor sie ungleich poetischer ausführt, was sie mit dem Hinterteil ihres Ehemanns plane. Das alles lässt man sich im weichen Kinosessel nur allzu gern gefallen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Die Wirklichkeit ist weniger gut gepolstert, zumal bei uns: Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Was keineswegs bedeutet, dass die Menschen nicht länger dem Zauber trauen, der noch allem Anfang innewohnt. Ja, es scheint geradezu, dass die Sehnsucht nach der ewigen Liebe umso größer ist, je mehr Paare um uns herum auseinandergehen - die Utopie, das zu meistern, woran die vielen scheitern. Vier von fünf Deutschen heiraten mindestens einmal in ihrem Leben. Und die Feiern können nicht üppig genug sein. Doch dann ereilt mehr als vierhunderttausend Menschen in Deutschland jedes Jahr das dramatische Finale: Es kracht, es hagelt Vorwürfe, und den letzten und allerletzten Versöhnungsversuchen folgt doch nur wieder Streit. Irgendwann bestellt einer den Möbelwagen.

          Mitleid für Seehofer

          Fast zwanzig Prozent derer, die ebendas durchlitten haben, hält die Erfahrung nicht davon ab, es ein weiteres Mal zu probieren: Bei jedem sechsten Ehepaar stand einer der Beteiligten mindestens einmal vor dem Scheidungsrichter. Als Manko begreift das niemand mehr - diese Zeiten sind vorbei. Selbst ein Politiker wie Horst Seehofer, dem die Öffentlichkeit dabei zusehen durfte, wie er zwischen seiner Familie in Bayern und seiner schwangeren Freundin in Berlin lavierte, hat eher Mitleid erregt als Empörung.

          Familienrichterin in Frankfurt: „Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin - das ist vorbei”, sagt Miriam Kummer-Sicks
          Familienrichterin in Frankfurt: „Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin - das ist vorbei”, sagt Miriam Kummer-Sicks : Bild: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt

          Auf diese neuen Sitten im Geschlechterverhältnis reagiert nun verstärkt die Politik. Sie ordnet die Spielregeln für das Zusammenleben von Ehepartnern neu. Ein fundamentaler Schritt ist die Reform des Unterhaltsrechts. Sie wurde nach langwierigen Verhandlungen zum Jahreswechsel beschlossen, ohne größere Anteilnahme der Öffentlichkeit. Ein Überraschungscoup, der selbst Insider überraschte; denn bei dem neuen Gesetz handelt es sich um einen Paradigmenwechsel: Die Regierung hat die traditionelle Rolle der Ehefrau und Mutter über Nacht abgeschafft. Die Spielregeln haben sich gravierend gewandelt, was das Leben von Millionen Menschen verändern wird.

          Kinder und Männer als Gewinner

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