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Neue Architektur : Der Zauberlehrling ist nun der Meister

  • -Aktualisiert am

Architektur hat immer etwas mit Gesellschaft zu tun: Ole Scheeren Bild: Helmut Fricke

Der deutsche Architekt Ole Scheeren ist berühmt geworden als Partner von Rem Koolhaas. Jetzt aber baut er auf eigene Rechnung - vor allem in Asien, und mit gesellschaftlichspolitischem Anspruch.

          Man geht ihm unweigerlich auf den Leim, diesem Ole Scheeren. Das beginnt schon, ehe er ein Wort gesagt hat. Zum Beispiel in der DekaBank, die den Architekten für einen Vortrag gewonnen und uns ein Gespräch vermittelt hat, das kurz vor seinem Rückflug nach Peking stattfinden soll. Warten also in der kalten Foyereleganz. Durch Panoramascheiben sieht man Frankfurts bankenreichste und attraktionsärmste City-Achse, die Mainzer Landstraße. Kaum zu glauben, dass hier über den Internationalen Hochhauspreis entschieden wird, den DekaBank und Stadt Frankfurt gemeinsam vergeben.

          Was Scheeren, der wegen seiner Wolkenkratzer in Peking, Singapur und Bangkok „Herr der Türme“ heißt, wohl zum „Trianon“ sagt, dem Dreiecksturm der Bank, den seit 1993 eine auf die Spitze gestellte dreiseitige Pyramide krönt? Vorläufig noch gar nichts, denn er scheint sich zu verspäten. Die Drehtür hat schon Dutzende Menschen in Nadelstreifen und Edelknitterleinen mit Kroko- oder Manufactum-Aktenköfferchen befördert, manchmal auch junge Kostüm-Frauen, von denen nie zu sagen ist, ob sie in Aufsichtsräten oder Vorzimmern sitzen. Dann bugsiert eine schlanke schwarzgekleidete Gestalt zwei Rollkoffer durch den Eingang. Ein schmales Florenz-Renaissance-Gesicht, blass, Dreitagebart, dunkle, in die Stirn fallende Strähnen, die Kleidung so dezent saloppe Eleganz, dass nicht zu entscheiden ist, ob sie aus einer Londoner Boutique oder einem Tchibo-Shop stammt.

          Frankfurt - nicht substanziell vom Hochhaus geprägt

          Ein Jungbörsianer vor dem Ausstieg? Ein unbekannter Schauspieler? Ein Prada-Model, dem ein Visagist für eine extravagante Mainhattan-Fotostrecke noch Bänker-Härte aufmalen wird? Der suchende Blick macht klar: Das dürfte Ole Scheeren sein, die, wie es gestern Abend hieß, jüngere, aber ebenso ernsthafte Ausgabe des Stararchitekten Rem Koolhaas, der ihm 1999 die Prada-Filialen in New York und Los Angeles anvertraute, das Los Angeles County Museum of Art, das Leeum Cultural Center in Seoul und dann alle Teile Asiens, in denen O.M.A., Koolhaas' Großbüro, tätig war.

          Er nennt es „architektonische Pixel”: Ole Scheerens Entwurf für den MahaNakhon Tower in Bangkok (2009)

          Zehn Minuten später zählt nicht mehr der Schein, sondern das Wort: Scheeren, konzentriert, aufmerksam zuhörend und präzise formulierend (sein Deutsch hat nichts zu tun mit den vorgestanzten Formeln von Global Players und noch weniger mit dem Denglish-Kauderwelsch sich international gebärdender deutscher Architekten), versucht, Frankfurts Skyline - auf die Trianon-Frage haben wir höflichkeitshalber verzichtet - gerecht zu werden. Der „David unter den Metropolen“ habe „vielleicht ein paar Hochhäuser mehr als andere europäische Städte, weckt aber nicht das Gefühl, substanziell vom Hochhaus geprägt zu sein“.

          In China ist die Atmosphäre offener geworden, sagt der Architekt

          In Asien dagegen, fährt Scheeren fort, würden Hochhäuser „nicht als ein Fremdkörper verstanden, sondern als sicht- und greifbare Realität der Modernisierung, Symbol des Fortschritts und gestiegener Lebensqualität. In Europa war es ja lange Zeit so, dass man in Hochhäusern nicht gern gewohnt hat, dass man sie dem gescheiterten Modernismus zugesprochen hat. In Asien befinden sich in ihnen die exklusivsten und teuersten Wohnungen.“

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