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Judith Hermann und Fritzi Haberlandt : Gehen Sie zur Deutschstunde ins Kino, meine Damen?

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Burkhard Neie

Die Schriftstellerin Judith Hermann gilt als Stimme ihrer Generation. Jetzt sind fünf ihrer Erzählungen verfilmt worden: In „Nichts als Gespenster“ spielt Fritzi Haberlandt eine wichtige Rolle. Andreas Kilb hat die beiden getroffen.

          Die Schriftstellerin Judith Hermann gilt als Stimme ihrer Generation. Jetzt sind fünf ihrer Erzählungen verfilmt worden: In „Nichts als Gespenster“ spielt Fritzi Haberlandt eine wichtige Rolle. Andreas Kilb hat die beiden getroffen.

          Frau Hermann, Ihre Bücher gelten als unverfilmbar. Waren Sie überrascht, als „Nichts als Gespenster“ verfilmt wurde?

          Judith Hermann: Ich empfand die Geschichten nie als unverfilmbar. Das Filmische ist Teil meines Schreibens. Manchmal versuche ich, einer Figur wie mit der Kamera hinterherzugehen und minutiös zu schildern, was sie tut. Dass Martin Gypkens, der Regisseur, auch so empfunden hat, hat mich gefreut.

          Fritzi Haberlandt: Ich habe vor Jahren mal gehört, dass Sommerhaus, später verfilmt werden solle, und sofort gedacht, da würde ich gerne mitspielen. Stattdessen kam Nichts als Gespenster. Aus dem anderen Projekt ist irgendwie nichts geworden.

          Judith Hermann: Das war ein ähnliches Vorhaben, ein Film, in dem mehrere Geschichten miteinander verknüpft werden sollten. Es ist aber dann nicht dazu gekommen.

          Gibt es eine Art Angst vor der Verfilmung? Viele Filme beschädigen die Bücher, die sie auf die Leinwand bringen.

          Judith Hermann: Es gibt einen Moment, in dem man sich entscheiden muss, ob man die Filmrechte grundsätzlich verkaufen möchte - falls jemand Interesse an ihnen hat. Man macht die Augen zu und denkt: Dann ist es weg. Das Buch ist weg, die Geschichten gehören jemand anderem. Natürlich kann das schiefgehen. Kann aber auch gutgehen.

          Haben Sie am Produktionsprozess teilgenommen?

          Judith Hermann: Ich bekam das Drehbuch, ich habe jede Fassung gelesen. Und ich fand es von Anfang an gut. Martin hat seine eigenen Bilder für den Text, aber diese Bilder sind mir nicht fremd. Ich musste keine Angst haben um die Geschichten. Trotzdem war ich, als ich den Film zum ersten Mal sah, fürchterlich aufgeregt.

          Waren Sie befremdet, weil Sie sich die Figuren anders vorgestellt hatten?

          Judith Hermann: Nein, ich wusste, welche Figur mit welchem Schauspieler besetzt ist. Und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Fritzi Haberlandt die Marion spielen würde - eine Figur, die in der Geschichte keinen Namen hatte und jetzt ganz selbstverständlich eine Marion ist.

          Im Film wirkt die Marion-Figur hilfloser als in der Erzählung. Sie geht mit großen Augen durch Venedig und staunt, als wäre sie noch nie dort gewesen, was ziemlich ungewöhnlich ist für eine junge Frau dieser Generation.

          Fritzi Haberlandt: Ich war auch noch nie in Venedig. Außerdem passt es zur Figur der Marion, dass sie sich nicht blenden lässt von der schönen Kulisse, dass sie sich verloren fühlt und sich vor den Tauben ekelt. Ich selbst war begeistert von Venedig. Ich fand's toll da.

          Der fremde Mann, der Marion auf der Rialtobrücke seine Hand in die Hose schiebt, ist eine Art Nachtphantasie. Im Buch spielt die Szene in der Abenddämmerung, im Film am helllichten Tag. Verändert das etwas an der Figur?

          Fritzi Haberlandt: Ich hatte am Anfang auch einige Mühe mit dem Auftritt dieses Italieners. Als wir es gespielt haben, fand ich den Mann erst mal nur zudringlich und blöd. Richtig begriffen habe ich es erst, als ich den Film gesehen habe: dass das nicht nur doof oder eklig ist, sondern auch etwas Reizvolles hat. Beim Spielen wollte ich es nicht so richtig zulassen, irgendwie war mir das peinlich. Als ich es auf der Leinwand sah, war mir klar, dass sich die zwei auch gegen Marions Eltern verbünden.

          Judith Hermann: Mir war das beim Schreiben auch peinlich. Mir war auch diese Stelle im Film peinlich. Ich hatte geradezu Angst davor ...

          ... die Szene im Restaurant, in der der Italiener sich selbst befriedigt...

          Judith Hermann: ... aber dann fand ich sie komischerweise viel weniger schlimm, die Angst vor der Stelle war viel größer als die Stelle selbst.

          Dabei wirkt die Szene deutlicher und drastischer als im Buch.

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