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Interview : Haben Sie George gesehen, Herr von Weizsäcker?

  • -Aktualisiert am

Kirchenretter: Richard von Weizsäcker Bild: F.A.Z.-Burkhard Neie

Was nicht in seinen Memoiren steht: Ein Gespräch mit Richard von Weizsäcker über seine Berliner Kindheit, die literarischen Idole seiner Jugend und die Rettung eines architektonischen Juwels - der Heilandskirche in Sacrow. Von Frank Schirrmacher.

          Sie stand auf DDR-Gebiet und war dem Verfall preisgegeben: In einer einmaligen Rettungsaktion glückte einer West-Berliner Allianz die Rettung des architektonischen Juwels der Heilandskirche in Sacrow. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker erinnert sich daran - und an die Wurzeln seiner geistigen Entwicklung, die ihn unter anderem in das Wohnzimmer von Stefan George führte. Wir unterhalten uns im Schlosspark von Sacrow an der Heilandskirche.

          Anfang der achtziger Jahre waren Sie Regierender Bürgermeister von Berlin. Niemand konnte den Mauerfall vorausahnen. Dennoch haben Sie die Idee mit vorangetrieben, die im Niemandsland stehende Heilandskirche zu retten. Was verband Sie mit Sacrow?

          Die Sacrower Kirche steht an einem landschaftlich derartig exponierten Platz, dass niemand aus West-Berlin an der Havel vorbeigehen konnte, ohne voller Staunen und Sehnsucht hinüberzublicken. Die Heilandskirche stand da ungenutzt, allmählich verfallend. Wir wussten nicht, wie das Gemeindeleben in Sacrow selbst aussah, es lag im Sperrgebiet. Zugleich ging es uns in der exponierten Lage Berlins darum, dem normalen Empfinden der Menschen in dieser geteilten Stadt gewisse Brücken zu bauen.

          Architektonisches Juwel: die Heilandskirche von Sacrow

          Ohne Ihren Einsatz und das Engagement des „Tagesspiegel“-Herausgebers Franz Karl Maier gäbe es die Kirche heute nicht mehr.

          Als Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche hatte ich fast bei jeder Sitzung mit der Frage zu tun, in welchem Umfang wir Mittel für den Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR überweisen können. Natürlich haben wir uns gefragt, was wohl damit geschehen würde? Ein großer Teil floss immer wieder in die Aufrechterhaltung der Standfestigkeit des Berliner Doms ein, weil die SED damals aus zutreffenden statischen Überlegungen heraus sagte: Berlin-Mitte ist auf Sand gebaut, wenn der Dom absackt, dann steigt der Palast der Republik hoch. Ihr müsst etwas für den Dom tun. Wir aber wollten primär etwas für die Gemeindehäuser tun und ich für die Heilandskirche. Herr Maier hat erklärt, wenn Berlin die gleiche Summe aufbringt, gibt er fünfhunderttausend Mark dafür. Wir mussten also das Geld im Haushalt mobilisieren, was nicht leicht war.

          Man konnte die Kirche damals nicht betreten. Wie ist es Ihnen gelungen, den Berlinern die Rettungsmaßnahme schmackhaft zu machen?

          Ich will nicht behaupten, dass das auf Anhieb überall laut begrüßt wurde. Und es kam eben auch hinzu, dass in der Gemeinde Sacrow der Hauptgedanke ganz vernünftigerweise der Gemeindearbeit galt. Ein Gemeindehaus hat die Menschen mehr interessiert als das Prachtstück von Friedrich Wilhelm IV. und Ludwig Persius. Trotzdem war die Maßnahme von einer nicht geringen symbolischen Bedeutung.

          Rettung in letzter Minute: Zwei Jahre später wäre die Kirche eingestürzt. Darum ist das Symbol so bedeutend, weil es aus dem Nichtwissen heraus aufgebaut wurde.

          Das stimmt schon. Wir mussten ja das Geld auf einem staatlichen Weg überweisen und dann der Gemeinde zukommen lassen. Solche Transaktionen wurden in der DDR durch den Vertreter des Bundes der Evangelischen Kirchen abgewickelt, nämlich durch Manfred Stolpe. Stolpe hatte natürlich Freude an dieser Transaktion, musste sie sich aber genehmigen lassen oder sie durchschleusen. Die evangelisch überwiesenen Beträge durchliefen einen staatlichen Kanal. Stolpe hatte in Zusammenarbeit mit meinem Senatschef die Entgegennahme der Gelder und ihre Weiterleitung zu ermöglichen, aber natürlich auf Grund von entsprechenden politischen Signalen.

          Wann waren Sie zum ersten Mal in der Heilandskirche?

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