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Im Gespräch: Synchronsprecher Axel Malzacher : Sind Sie die Stimme aus dem Dunkel?

  • Aktualisiert am

Axel Malzacher Bild: privat

Axel Malzacher betritt die „Paris Bar“ in Berlin, und niemand schaut auf. Er ist ein eher unauffälliger Typ. Das ändert sich schlagartig, als der Synchronschauspieler anfängt zu reden: Plötzlich sind wir im Kino, sehen Brad Pitt oder Josh Brolin vor uns. Denn seine Stimme ist Hollywood.

          Axel Malzacher betritt die „Paris Bar“ in Berlin, und niemand schaut auf. Er ist ein eher unauffälliger Typ. Das ändert sich schlagartig, als der Synchronschauspieler anfängt zu reden: Plötzlich sind wir im Kino, sehen Brad Pitt oder Josh Brolin vor uns. Denn seine Stimme ist Hollywood.

          Herr Malzacher, je weniger Sie in Ihrem Job auffallen, desto besser machen Sie ihn. Sie zählen zu den Arriviertesten Ihres Metiers, dennoch leben Sie in der Anonymität, werden von Cineasten angefeindet. Missfällt Ihnen das?

          Heute habe ich damit kein Problem mehr. Früher war das anders. Da hat mir die mangelnde Aufmerksamkeit zu schaffen gemacht. Doch das deutsche Fernsehen ist so schlecht geworden, da gibt es für Schauspieler nur noch wenige gute Rollen, die man auch nicht unbedingt bekommt. Die Synchronisation ist zwar nur eine Nische, aber eine sehr komfortable. Ich habe das Glück, mit hochkarätigen Produkten Hollywoods zu arbeiten. Hier muss ich nicht mein Gesicht verkaufen. Deshalb ist das Dunkle, das uns im Synchronstudio ja tatsächlich umgibt, auch ein Vorteil, ein Schutz.

          Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen in dieser Abgeschiedenheit?

          Es ist stets aufs Neue eine Herausforderung, die Synchronschauspieler dazu zu bringen, sich in eine Situation hineinzufinden, die sie bei Dreharbeiten nicht erlebt haben. Beim neuen Film von Ridley Scott zum Beispiel, „Body of lies“, arbeitete ich mit Mehdi Nebbou zusammen, der sich auch in der deutschen Fassung sprach. Als Nebbou mit Scott seine Szene drehte, stand er in der Wüste, es war vierzig Grad heiß, die Luft flirrte, und Leonardo Di Caprio sprang auch irgendwo herum. Ein Jahr später kommt Nebbou nun zu uns ins Studio nach München, er hat vielleicht gerade zu Mittag gegessen und soll die Emotion von damals, als er schrie: „I don't want to die!“, wieder hervorbringen. Beim Synchron hat man nicht nur das Problem, dass dir nicht der ganze Körper, sondern nur die Stimme zum Spielen zur Verfügung steht, es fehlt zudem das Ambiente, das dich stimuliert und der Partner, da man fast immer alles allein aufnimmt. Auf der Fifth Avenue oder in der Wüste spicht man aber anders als im Tonstudio. Die Kunst des Sprechers besteht darin, sich in die Welt da draußen zu versetzen. Er hat nur diesen kleinen Bildschirm vor sich und muss sich vorstellen, dass gerade eine Herde Kamele an ihm vorbeizieht.

          Ist die Synchronisation nicht ein Anachronismus in Zeiten, da fast jeder Englisch spricht?

          Das finde ich nicht. Zum einen ist es in Deutschland Tradition. Die Leute sind damit aufgewachsen, anders als etwa in der Schweiz. Außerdem glaube ich, dass viele gar nicht so gut Englisch sprechen, um wirklich alle Gags zum Beispiel einer amerikanischen Sitcom zu verstehen. Vor allem aber hat man ja heute die Wahl: Niemand ist mehr gezwungen, sich die deutsche Übersetzung anzusehen. In allen Städten gibt es Kinos, die Originalfassungen zeigen, auf DVDs kann man Sprache und Untertitel wählen. Ich bin froh über jeden Synchron-Fehler, den die Sprachpuristen aufspüren, aber mir geht der grundsätzliche Supçon auf die Nerven. Mit den Untertiteln geht ja auch ein Teil der visuellen Erfahrung im Kino verloren, aber darüber regt sich niemand auf.

          Wie läuft die Synchronarbeit technisch ab?

          Heute hat man den Luxus diverser Tonspuren: Musik, Hintergründe und Effekte sowie eine seperate Dialogspur. So hören wir während der Aufnahme auch schon die Geräusche. Klopft jemand zum Beispiel beim Sprechen auf den Tisch, können wir darauf reagieren. Als ich unlängst den Clint-Eastwood-Film „Changeling“ fertiggestellt habe, bekamen wir den Film nur mit der Dialogspur zur Ansicht. Das war ein seltsames Erlebnis. Wir sahen den Film ohne Geräusch, ohne Musik, nur mit Bildern und Dialog.

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