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Im Gespräch: Senta Berger : Wem würden Sie in den Tod folgen, Frau Berger?

  • -Aktualisiert am

Wartet noch darauf, geduldiger und weiser zu werden: Senta Berger Bild: Burkhard Neie/xix

Sie formuliert eloquent und macht einen unprätentiösen, gescheiten, humorvollen und integren Eindruck. Senta Berger wirkt souverän. Aber das täuscht. Sagt sie.

          Sie drehte schon mit Heinz Rühmann und wurde in Hollywood hofiert. Zuletzt spielte sie an der Seite von Bruno Ganz. Wir treffen Senta Berger beim Filmfestival von San Sebastián.

          Ihre Mutter hatte insgeheim gehofft, Sie würden Architektin werden. Was ist denn aus Ihrer zeichnerischen Begabung geworden?

          Gar nichts, leider. Ich war so ein Wunderkind und habe dann in der Pubertät die Lust an vielen Dingen verloren. Zeichnen, Klavierspielen, Ballett - all das ist damals auf der Strecke geblieben. Für eine gewisse Zeit war ich ein sehr wilder, schwieriger Teenager. Ich habe drei verschiedene Gymnasien besucht, und jedes Mal musste meine arme Mutter für mich die Kastanien aus dem Feuer holen.

          Senta Berger in einer Szene ihres jüngsten Film „Satte Farben vor Schwarz”

          Mit sechzehn wurden Sie am Max-Reinhardt-Seminar angenommen, ein Jahr später flogen Sie aus der berühmten Schauspielschule wieder raus: Sie hatten ohne Erlaubnis eine Rolle in dem Yul-Brynner-Film „The Journey“ angenommen, der damals in Wien gedreht wurde. Wissen Sie noch, wofür Sie Ihre Filmgage von dreitausend Schilling ausgegeben haben?

          Das weiß ich noch ganz genau. Denn das Abschlussfest dieser großen amerikanischen Produktion war überwältigend: Sie haben ein Donaudampfschiff gemietet, mit Kapelle und Champagner und unglaublichen Dingen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Und um für dieses Fest gerüstet zu sein, habe ich mir in einem richtig guten Laden einen weißen Faltenrock und einen dunkelblauen Blazer gekauft, weil ich dachte, so würden sich Matrosinnen anziehen. Meine Mutter fand das natürlich verrückt und meinte, man solle das Geld lieber auf ein Sparbuch tragen, anstatt es - wie sie sagte - für Fetzen auszugeben.

          Kurz nach Ihrem neunzehnten Geburtstag drehten Sie mit Heinz Rühmann, und er riet Ihnen, sich an die Einsamkeit im Schauspielberuf zu gewöhnen. Damals haben Sie nicht verstanden, was er meinte. Und heute?

          Heute verstehe ich ihn sehr gut. Gerade vor der Kamera ist man ganz auf sich gestellt und kann nicht alles teilen. Man muss lernen, diese Einsamkeit auszuhalten. In den Momenten, bevor die Kamera läuft, brauchst du besonders gute Nerven: Du bist längst so weit, jetzt müsste es für dich eigentlich losgehen, aber dann werden doch noch ein paar Kabel verlegt, das Licht wird neu eingerichtet, jemand zupft noch an dir herum . . . Da musst du eine große Disziplin aufbringen, und das geht nur, wenn du ganz bei dir selbst bleibst.

          Was bedeutet das für Sie?

          Dass ich festhalte an dem, was ich mir ausgedacht habe. Ich reagiere immer sehr intuitiv auf ein Drehbuch und kann mir das ganz gut als Bild für mich ausmalen. Aber das verändert sich unter Umständen am Drehort - durch meine Tagesverfassung, die ich ja nicht abstreifen kann, oder durch einen Wetterumschwung, wenn es plötzlich regnet oder Wind aufkommt: Das alles hat großen Einfluss darauf, wie du reagierst, dich bewegst, dich hältst. Trotzdem muss die Grundstimmung unbedingt erhalten bleiben. Darum rufe ich mir das allererste Bild, das sich bei mir eingestellt hat, immer wieder ins Gedächtnis zurück.

          Meinen Sie, dass Sie Ihr schauspielerisches Handwerk im Laufe der Zeit verfeinert haben?

          Mag sein. Aber je sicherer man in seinen Mitteln wird, desto größer werden auch die Zweifel, ob man sie abrufen kann. Diese Unsicherheit ist bei mir wahrscheinlich besonders stark ausgeprägt, weil ich so viel von mir erwarte. Einerseits ist das gar nicht so schlecht, weil man ja in diesem unwägbaren Metier letztlich sein eigener Maßstab bleibt, den man immer wieder überprüfen sollte. Andererseits wünsche ich mir oft ein bisschen mehr Souveränität. Wenn ich mir zum Beispiel die Verleihung des Nestroy-Theaterpreises in Wien anschaue, dann denke ich: Die fühlen sich sicher. Die empfinden sich alle als Teil einer großen Theaterfamilie. Ich bin aus dieser Familie ausgebrochen - und seitdem sehr einzelgängerisch unterwegs.

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