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Im Gespräch: Schauspieler Sir Ian McKellen : Geht Ihnen Gandalf auf die Nerven, Sir Ian?

  • -Aktualisiert am

„Ich bin ein großer Gandalf-Fan” - der Schauspieler Ian McKellen freut sich bereits auf seine Rolle in „Der kleine Hobbit” Bild:

Er ist ruhig, eloquent - und ein Meister der Verwandlung: der Schauspieler Ian McKellen. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht er über seine Homosexualität und verrät, was er den toten Tolkien gerne einmal fragen würde.

          Wir treffen Sir Ian McKellen beim Filmfestival von San Sebastián. Ruhig und eloquent beantwortet er unsere Fragen - mit der sonoren Stimme des Shakespeare-Mimen und den verschmitzt funkelnden blauen Augen des Gandalf-Darstellers.

          Sir Ian, wissen Sie eigentlich noch, wodurch Ihre Schauspiellust geweckt wurde?

          Ja, und zwar durch meine fünf Jahre ältere Schwester. Sie hat die ganze Familie mit ihrer Theaterbegeisterung angesteckt. In der Industriestadt in Lancashire, in der ich aufgewachsen bin, gab es drei Theater, die wir regelmäßig besuchten. Und jedes Mal fragte ich mich fasziniert: Wie um Himmels willen machen die das? Nachdem mein Vater einen der Theaterdirektoren kannte, durfte ich mich öfters im Backstage-Bereich aufhalten. Als ich dort hautnah miterlebte, wie die Akteure sich Abend für Abend in vollkommen andere Menschen verwandelten, da war es um mich geschehen.

          McKellen als Estragon in Samuel Becketts „Warten auf Godot” unter der Regie von Sean Mathias, 2009

          Aber zunächst haben Sie in Cambridge Anglistik studiert und wollten Journalist werden. Wann haben Sie beschlossen, die Schauspielerei zu Ihrem Beruf zu machen?

          An diesen Moment erinnere ich mich sehr genau. Ich spielte in Cambridge in einer studentischen Amateur-Truppe, und nach einer Shakespeare-Aufführung bekam ich eine extrem gute Kritik in einer überregionalen Zeitung. Daraufhin sagte ein Freund zu mir: „Ich schätze, jetzt brauchst du einen Agenten.“ Ich fragte: „Wieso?“ Und er meinte: „Na, nun wirst du ja wohl als Schauspieler arbeiten.“ Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, mein Talent könnte möglicherweise für eine Profi-Karriere reichen. Plötzlich ergab sich eine Perspektive, über die ich aus einem ganz bestimmten Grund sehr glücklich war.

          Aus welchem Grund denn?

          Ich hatte gehört, viele professionelle Darsteller seien schwul. Die Schauspielerei erschien mir also als Chance, Gleichgesinnte zu treffen. Sie müssen bedenken: Damals war die gleichgeschlechtliche Liebe in Großbritannien noch mit Gefängnisstrafe bedroht. Homosexualität wurde völlig totgeschwiegen. Schwule Lehrer, Politiker oder Feuerwehrleute - so etwas war völlig undenkbar. Als junger Mann hatte ich das Gefühl, ich wäre der einzige schwule Brite. Darum war ich heilfroh, als ich innerhalb der Schauspielerzunft tatsächlich Menschen fand, die meine Neigung teilten.

          Sie haben Ihre Neigung 1988 öffentlich bekannt. Hatten Sie damals Angst, dass das Ihrer Karriere schaden könnte? Ihr Kollege Rupert Everett ist beispielsweise davon überzeugt, dass er nur deshalb nicht als James Bond engagiert wurde, weil er sich 1997 als schwul geoutet hatte.

          Nun, dann wollen wir den Ärmsten mal in seinem Glauben lassen. Ich jedenfalls weiß nur von einem einzigen Job, den ich wegen meines Bekenntnisses verloren habe: In der Harold-Pinter-Verfilmung „Betrug“ sollte ich eine der beiden Hauptrollen spielen, die schließlich von Ben Kingsley und Jeremy Irons verkörpert wurden. Als Produzent Sam Spiegel während eines Meetings eine sexistische Bemerkung über Ehefrauen machte und ich entgegnete, ich sei glücklicherweise schwul, da wurde ich sehr schnell zur Tür hinauskomplimentiert. Das war mir aber egal. Ich weiß noch, dass mein Agent mir damals massiv davon abgeraten hatte, mich zu outen. Viele Freunde hielten es für einen mutigen Schritt. Ich hingegen fand es schlichtweg unausweichlich. Ich dränge niemanden, dasselbe zu tun. Aber die Alternative ist ekelhaft: Lügen, Angst, Heimlichtuerei. Jeder bekennende Schwule, den ich je getroffen habe, hat mir bestätigt, dass sein Coming-Out die beste Entscheidung seines Lebens war.

          Ihr Outing geschah im Zuge des Protestes gegen ein von der Thatcher-Regierung erlassenes Gesetz, das Homosexuelle diskriminierte. Hat es Sie amüsiert, dass ausgerechnet Margaret Thatcher später dafür sorgte, dass Sie - als erster offen schwuler Schauspieler überhaupt - zum Ritter geschlagen wurden?

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