https://www.faz.net/-gqz-whge

Im Gespräch: Roger Cicero : Ruft Sie Ihre Mutter noch häufig an, Herr Cicero?

Sein Hut, meint er, steht ihm gut: Roger Cicero Bild: dpa

Ohne Hut geht Roger Cicero nicht mehr vor die Tür. Warum Markenzeichen für ihn so wichtig sind, er mit seinem Macho-Image gut leben kann und es sich auf Deutsch am besten swingen lässt, verrät der Sänger beim Gespräch in Berlin.

          6 Min.

          Ohne Hut geht Roger Cicero nicht mehr vor die Tür. Warum Markenzeichen für ihn so wichtig sind, er mit seinem Macho-Image gut leben kann und es sich auf Deutsch am besten swingen lässt, verrät der Sänger beim Gespräch in Berlin.

          Denken Sie noch oft an Ihren enttäuschenden neunzehnten Platz beim Grand Prix?

          An Helsinki habe ich eigentlich fast ausschließlich gute Erinnerungen - bis auf die Punktevergabe natürlich. Was mich vor allem sehr erleichtert hat, war, dass sich der schlechte Platz überhaupt nicht negativ ausgewirkt hat, ganz im Gegenteil: Ich wurde nach meiner Rückkehr in Deutschland wahnsinnig herzlich empfangen, und die Häme, mit der ich gerechnet hatte, blieb auch weitgehend aus. In den vergangenen Monaten habe ich Dutzende Konzerte gegeben, und die Begeisterung der Leute hat überhaupt nicht abgenommen. Es ist eher mehr geworden.

          Mal mit anderer Kopfbedeckung

          Warum hat Swing-Musik bei den jüngeren Hörern eigentlich so einen Aufschwung erlebt? Noch in den neunziger Jahren wollte niemand etwas davon wissen.

          Ganz weg war die Swing-Musik nie. Es gab immer wieder ein kleines Aufbäumen, zum Beispiel mit den Alben von Robbie Williams oder Paul Anka. Seit einigen Jahren gibt es in den Großstädten eine ziemlich aktive Swing-Szene. Die jungen Leute tanzen zu Swing-Musik und legen großen Wert auf die richtigen Klamotten. Mich wird man da aber nicht antreffen. Ich bin nicht unbedingt der große Tänzer - auch wenn wir für mein letztes Album mit der Big Band ein Salsa-Stück aufgenommen haben, einen Samba und sogar einen schönen Jazz-Walzer.

          Wieso haben Sie damals eigentlich angefangen, auf Deutsch zu singen?

          Ich bin ja Jazz- und Soulsänger. Als dann die Idee aufkam, ein Big-Band-Album aufzunehmen, stellte sich sehr schnell die Frage: Was kann man Neues machen, wie kann man sich ein bisschen abheben? Und da lag die Sprache nah. Es hat mich sehr gewundert, dass das keiner vor uns gemacht hat! Durch die Konzerte habe ich in der Zwischenzeit die deutsche Sprache noch viel mehr lieben gelernt. Es war für mich erst eine sehr große Umstellung vom Englischen zum Deutschen, und ich habe jetzt auf der Bühne zu dieser Natürlichkeit zurückgefunden, die ich mir erst mal erarbeiten musste am Anfang.

          Sie sind immer noch der Einzige.

          Ja, es gab bislang keine Nachahmer. Das wundert mich allerdings auch. Wahrscheinlich ist es einfach nicht so leicht, die Idee zu übernehmen und auf Deutsch zu singen. Bei Annett Louisan hat es ja auch keiner nachgemacht.

          Sie wurden sogar einmal als „die männliche Annett Louisan“ bezeichnet.

          Das ist aber schon lange her! (Lacht.) Frank Ramond, der für mich und Annett Louisan textet und komponiert, hat eben eine sehr eigene Handschrift. Deswegen ist der Vergleich einigermaßen legitim - aber musikalisch könnten wir nicht weiter auseinanderliegen.

          Würden Sie Ihre Texte nicht gerne selbst schreiben?

          Ich habe eigentlich eine viel größere Affinität, eine viel größere Lust zu komponieren. Das als Sänger zu sagen, ist schon ein bisschen lustig - aber Texten hat mich nie wirklich interessiert.

          Sie würden aber auch nicht alles singen, was man Ihnen hinlegt.

          Nein, wir besprechen das natürlich und wählen gemeinsam die Themen aus. Ich weiß dann schon, bevor Frank es ausformuliert, was auf mich zukommt. Und wenn eine Formulierung dabei ist, die mir nicht liegt, dann ändern wir das.

          Auf Ihrem letzten Album „Beziehungsweise“ gibt es ein Lied, in dem Ihre Mutter morgens anruft und Ihren Hut kritisiert. Kam das wirklich vor?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.