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Im Gespräch: Jessica Lange : Lieben Sie den Wahnsinn, Mrs. Lange?

  • -Aktualisiert am

Wie kam sie auf King Kongs Pranke? Wie war es, mit Jack Nicholson „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ zu drehen? Und warum hat sie nach „Tootsie“ keine Komödien mehr gedreht? Ein Interview mit Schauspielerin Jessica Lange.

          6 Min.

          Wir treffen Jessica Lange beim Filmfestival von Taormina. Im Gespräch verströmt sie Wärme und wirkt wie eine besonnene Lady. Doch auf ihrem linken Handrücken ist ein keltischer Knoten eintätowiert - und das ist nicht die einzige Überraschung.

          Stimmt es, dass Sie in Ihrer Kindheit mehr als ein Dutzend Mal umgezogen sind?

          Ja. Mein Vater war ein sehr ruheloser Mensch. Er hat viele verschiedene Berufe ausprobiert und nie einen Ort gefunden, von dem er dachte: „Hier gehöre ich hin.“ So bin ich in unzähligen kleinen Städtchen in Minnesota aufgewachsen - was mich dazu gebracht hat, vorwiegend in meiner Phantasiewelt zu leben. Wenn ich einen Film im Fernsehen gesehen hatte, spielte ich oft ganze Szenen nach und übernahm dabei alle Rollen selbst. Als ich zehn Jahre alt war, hat mich „Vom Winde verweht“ so begeistert, dass ich sogar Briefe von Rhett Butler an mich verfasste.

          Sie haben als junge Frau auch viele verschiedene Dinge ausprobiert und sind etwa mit einem spanischen Fotografen in einem alten Wohnmobil kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gereist. Hat Ihr Vater Ihnen seine Rastlosigkeit vererbt?

          Ich glaube ja. Schon als Teenager hatte ich einen unstillbaren Freiheitsdrang. Zum Glück traf ich immer wieder Menschen, die mich auf interessante Reisen mitnahmen. Mit Hilfe eines Stipendiums begann ich ein Kunststudium, doch schon im zweiten Semester lernte ich eine Gruppe von Filmemachern kennen, die mich fragten, ob ich mit ihnen nach Europa gehen wollte, um Dokumentationen zu drehen. Ich sagte sofort ja. Später studierte ich Modern Dance in New York und wurde Teil der Underground-Theaterszene in Soho. Ich habe einfach jede Gelegenheit beim Schopf gepackt. Noch heute fühle ich diese Abenteuerlust in mir. Ich hoffe, dass ich sie nie verliere.

          Sie haben sogar jahrelang in Paris die Kunst der Pantomime erlernt - bei Étienne Decroux, dem Lehrer von Marcel Marceau. Wie kamen Sie darauf?

          Durch einen befreundeten Tänzer, der ebenfalls bei ihm studiert hatte. Decroux war mir aus dem Film „Die Kinder des Olymp“ ein Begriff. Als ich erfuhr, dass er noch unterrichtete, entschloss ich mich sofort, nach Paris zu ziehen. Wegen des Vietnam-Krieges wollte ich sowieso raus aus Amerika. Decroux war nicht nur ein brillanter Künstler, sondern auch ein ebenso brillanter Lehrer. Und ich hatte fest vor, den Rest meines Lebens in der Pariser Bohème zu verbringen.

          Aber Sie sind trotzdem wieder weitergezogen.

          Ja, weil ich nach zwei Jahren erkannte, dass es in Paris keine Arbeit für mich gab. Zudem hatte ich dort auch mit dem Theaterspielen begonnen - und sofort Blut geleckt. Ich beschloss, die Schauspielerei von der Pike auf zu lernen. Darum ging ich zurück nach New York. Und dort kam schon nach der ersten Unterrichtsstunde etwas in mir zur Ruhe: Endlich hatte ich die Leidenschaft gefunden, der ich mich fortan hingeben wollte.

          Pantomime und Tanz scheinen indes bis heute präsent in Ihrer Arbeit - vor allem in den präzisen Details mancher Bewegungen.

          Ja, ich bin sicher, dass ich unbewusst noch immer auf manche erlernte Technik zurückgreife. Je gründlicher man sich mit seinem Körper beschäftigt, desto mehr Nahrung hat man für die schauspielerische Arbeit. Bei Étienne Decroux haben wir zum Beispiel tagelang nur an einer bestimmten Bewegung der Augen oder des Kopfes oder der rechten Hand gefeilt - und das hart Erarbeitete anschließend zum Leben erweckt. Denn Decroux hat uns stets daran erinnert, dass wir keine kühlen Körperkünstler sein dürfen, sondern Geschichten erzählen müssen.

          Da dürfte Sie Ihre erste Kinorolle ziemlich unterfordert haben: In der „King Kong“-Neuverfilmung von 1976 spielten Sie das Opfer des Riesenaffen. Wie kamen Sie dazu?

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