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Im Gespräch: Fanny Ardant : Haben Männer Angst vor Ihnen, Madame?

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Sie haben mit berühmten Regisseuren gearbeitet. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Von Roman Polanski. Er hat mir zum Beispiel klargemacht, dass die Schauspielerei letztlich eine sehr pragmatische Angelegenheit ist. Man muss nicht monatelang die Gewohnheiten der Hausmädchen studiert haben, um ein Hausmädchen spielen zu können. Wer die Rolle eines Killers übernimmt, kommt ja auch nicht auf die Idee, erst mal eine Zeitlang als Killer zu arbeiten. Genauso wenig muss ich jemanden lieben, um zu spielen, dass ich in ihn verliebt bin. Was ich – abgesehen von solchen praktischen Tipps – an Regisseuren am meisten schätze, ist Enthusiasmus. Am Set erwarte ich von einem Filmemacher, dass er voller Energie steckt und mit Leidenschaft bei der Sache ist. Ob er ein Debütant oder ein alter Hase ist und ob ich im Nachhinein das Resultat gelungen finde oder nicht, ist mir prinzipiell schnurz.

Kürzlich haben Sie selbst Ihr Regiedebüt präsentiert: das archaische Rachedrama „Asche und Blut“, zu dem Sie auch das Drehbuch verfasst haben. Wie kam es dazu?

Schon als Kind war ich fasziniert von griechischen Tragödien. Ein Buch über albanische Bestrafungsriten und Ehrenkodizes hat mich schließlich zu meinem Vergeltungsdrama inspiriert. Und als ich bei einem Theaterengagement vor einigen Jahren jeden Nachmittag frei hatte, fing ich an, die Geschichte niederzuschreiben. Ich habe das fertige Drehbuch einer Filmförderungskommission vorgelegt – und tatsächlich Fördermittel bekommen. Trotzdem wollte lange Zeit niemand den Film produzieren. Ständig bekam ich zu hören: „Warum schreiben Sie nicht ein nettes Drehbuch über Ihre eigenen Erfahrungen als Schauspielerin?“ Ganz einfach: Weil mich das furchtbar anöden würde! Ich finde es viel interessanter, unbekanntes Terrain zu erforschen.

Es ist ein sehr düsterer Film geworden. Sind Sie eine Pessimistin?

Ja, bereits seit meiner Geburt, glaube ich. Mein Weltbild ist ziemlich finster. Dennoch bin ich ein sehr energiegeladener Mensch. Sozusagen eine aktive Pessimistin!

Sie haben drei Töchter von drei verschiedenen Männern, waren aber nie verheiratet. Würden Sie Ihr Leben gern gegen eine traditionelle Familie tauschen?

Nein. Ich denke, für so ein Nest bin ich einfach nicht geschaffen. Das fängt schon damit an, dass mir herkömmliche Moralvorstellungen fremd sind. Ich war noch nie eifersüchtig. Ich verabscheue Heuchelei. Und während die meisten Leute Untreue für eine Sünde halten, die reihenweise Ehen zerstört, fand ich schon immer, dass ein Seitensprung auch eine Art Vitaminspritze für eine Beziehung sein kann. Im Prinzip habe ich nichts gegen die Ehe. Ich liebe es, glücklichen Paaren im Restaurant zuzusehen – ich bestaune sie wie ein Kunstwerk. Meine Eltern waren auch so ein Paar.

Was haben Ihre Eltern denn zu Ihrem Lebenswandel gesagt?

Nun ja, sie hätten sich natürlich gewünscht, ich wäre einen anderen Weg gegangen. Dabei habe ich mich nie bewusst gegen sie aufgelehnt, mich mit ihnen verkracht oder gar den Kontakt abgebrochen. Ich passte bloß nicht in die althergebrachten Schubladen und fühlte mich stark genug, meine Kinder alleine großzuziehen. Ich wollte mich im Leben nie vereinnahmen lassen – weder von einer politischen Partei noch von beruflichen oder sozialen Verpflichtungen. Ich wollte frei sein.

Meinen Sie, dass ein Freigeist wie Sie manchen Männern Angst macht?

Vielleicht, wer weiß? Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass viele Männer sich vor unabhängigen Frauen fürchten. Warum das so sein mag, habe ich nie begriffen. Denn die Freiheit ist doch keine Waffe – im Gegenteil: Ein wahrhaft freier Mensch kennt keine Vorurteile und ist offen für alles. Ich bewundere solche Leute sehr. Denn ich weiß, dass man sich seine Freiheit stets teuer erkaufen muss.

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