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Im Gespräch: Emmanuelle Béart : Wann sind Sie reif für Komödien, Madame Béart?

  • -Aktualisiert am

Blaugrüne Augen und Schmollmund: Emmanuelle Béart Bild: F.A.Z.-Burkhard Neie

Emmanuelle Béart ist eines der bekanntesten Gesichter des französischen Kinos. Sie hat mit allen großen Regisseuren ihres Landes gedreht. Ein Interview über Angebote aus Hollywood, Selbstzweifel, sensible Männer, Prostituierte und Nacktheit vor der Kamera.

          Herausfordernd blickende blaugrüne Augen, struppige blonde Mähne, Sommersprossen und Schmollmund: Emmanuelle Béart tritt uns beim Filmfestival von Deauville entgegen wie eine fleischgewordene Phantasie. Sie spricht leise, wirkt aber sehr bodenständig, aufgeschlossen und ein wenig verschmitzt - vor allem, wenn sie einen Anruf aus Hollywood simuliert.

          Claude Chabrol, der mit Ihnen „Die Hölle“ gedreht hat, sagte über Sie: „Emmanuelle hat den Körper einer Hure und das Gesicht einer Jungfrau.“ Finden Sie das auch?

          Nein. Ich würde das Gegenteil behaupten.

          Blaugrüne Augen und Schmollmund: Emmanuelle Béart Bilderstrecke

          Sie haben selbst oft Prostituierte gespielt, engagieren sich in einem Verein für die Rechte der Huren und haben eine TV-Dokumentation über Kinderprostitution gedreht. Fühlen Sie sich diesen Frauen nahe?

          Ja. Wir Schauspieler haben zwar nicht annähernd ein so hartes Leben wie sie, aber es gibt doch erstaunliche Parallelen: Auch wir bedienen die Phantasien von anderen Menschen, auch wir ändern unsere Identitäten und verkaufen in gewisser Weise unsere Körper. Was wir tun, ist ebenso eine Form der Prostitution.

          Im Lauf Ihrer Karriere haben Sie sehr häufig nackt vor der Kamera agiert - am spektakulärsten in Jacques Rivettes „Die schöne Querulantin“, wo Sie fast drei Stunden lang hüllenlos zu sehen sind. Fallen Ihnen solche Szenen leicht?

          Das kommt darauf an. Es gibt wunderbar intime Szenen, in denen Nacktheit gleichbedeutend ist mit menschlicher Wärme - da empfinde ich beim Drehen überhaupt keine Scham. Andererseits gibt es Szenen, in denen ich zwar bekleidet bin, mich aber entsetzlich nackt und ausgesetzt fühle: als würde die Kamera mir ins Innerste blicken. Bei der „Querulantin“ war es ähnlich - hier lag die Schwierigkeit nicht darin, meinen Hintern zu entblößen, sondern meine Seele.

          Glauben Sie, dass Ihr Aussehen für Ihre Karriere eher von Vorteil oder von Nachteil war?

          Keine Ahnung. Ich verbringe mein Leben nicht vor dem Spiegel. Und ich denke, auch für Regisseure wie Sautet oder Téchiné war mein Äußeres nicht entscheidend. Natürlich spiele ich in manchen Filmen mit meiner Sexualität, aber ebenso habe ich immer wieder versucht, mein Sexsymbol-Image zu zerstören - etwa in „Wilde Kinder“, wo ich ein Drogenwrack verkörpere.

          Bette Davis hat mal gesagt, dass Schauspieler im Grunde ständig vor sich selbst davonlaufen. Was meinen Sie?

          Es ist komplexer. Einerseits kenne ich den Wunsch, mir Masken überzustülpen und vor mir selbst zu fliehen, andererseits aber auch den starken Drang, möglichst viel über mich herauszufinden. Für mich hat die Schauspielerei immer etwas Schizophrenes.

          In welcher Ihrer Filmfiguren haben Sie sich denn am ehesten gefunden?

          In jeder Figur erkenne ich Teile von mir. Nelly zum Beispiel in „Nelly & Monsieur Arnaud“ ist ebenso scheu und introvertiert wie ich - jemand, der eher zuhört als redet und lieber beobachtet als beobachtet zu werden. Und Marie in „Die Geschichte von Marie und Julien“ ist mir fast schon erschreckend ähnlich in ihrer Art zu lachen, zu weinen oder sich zu bewegen.

          Gibt es eine Rolle, mit der Sie sich besonders gut identifizieren konnten?

          Ich identifiziere mich nicht mit meinen Charakteren. Ich möchte einfach nur Geschichten erzählen. Das war schon immer meine einzige Motivation. Dieses Ziel hätte ich genauso gut als Autorin oder Fotografin verwirklichen können. Eigentlich seltsam, dass ich diesen Beruf gewählt habe, denn ich bin nicht mit dem Kino aufgewachsen, sondern mit Mutter Natur. Als Kind kannte ich überhaupt keine Filmstars. Wir hatten nicht einmal einen Fernseher. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass mir das Leben stets wichtiger war als das Kino - und dass ich die Glitzerwelt des Films nie mit der Realität verwechselt habe. Mir gefällt die Vorstellung, dass ich jederzeit meinen Job aufgeben und mich wieder aufs Land zurückziehen kann.

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