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Im Gespräch: Emmanuelle Béart : Wann sind Sie reif für Komödien, Madame Béart?

  • -Aktualisiert am

Ach, das hat er wahrscheinlich nur wegen des Filmtitels so übertrieben dargestellt. In Wirklichkeit war er so klug, mit jeder Einzelnen von uns vieren separat zu drehen. So gab er uns allen das Gefühl: „Seine Augen sind nur auf mich gerichtet. Ich bin der Star dieses Films. Die anderen existieren gar nicht!“ (lacht)

Gibt es nicht trotzdem Konkurrenzkämpfe, wenn vier französische Filmdiven aufeinandertreffen - oder sogar acht wie in „8 Frauen“? François Ozon meinte, er hätte dabei acht Löwinnen in der Arena aufeinandergehetzt.

Konkurrenzdenken gibt es überall, wo Leute ihre Ziele zu ehrgeizig verfolgen. Es scheint mir aber unter Männern weiter verbreitet zu sein als unter Frauen. Ich versichere Ihnen, dass wir uns bei „8 Frauen“ nicht gegenseitig fressen wollten. Zwischen uns herrschte eine große Solidarität. Es schweißt einen auch zusammen, wenn man sieht, dass selbst die ältesten Hasen mit demselben Lampenfieber kämpfen wie die Neulinge.

Jetzt werden Sie mir gleich noch erzählen, Sie wären seither alle dick befreundet.

Nein. Tatsächlich fühle ich mich in meinem Beruf oft einsam, denn wenn man denselben Job macht, heißt das ja nicht automatisch, dass man auch die gleichen Interessen hat. Eine Zeitlang kommt man sich vor wie in einer Familie, und nach jedem Dreh verspricht man sich gegenseitig, dass man sich wieder treffen wird - aber das passiert so gut wie nie. Man geht doch wieder völlig getrennte Wege.

Wie sind Sie denn in einen Blockbuster wie „Mission: Impossible“ hineingeraten?

Ich hatte vier Filme in Folge gedreht und brauchte eigentlich dringend eine Pause. Doch dann rief mein Agent an und sagte: „Tom Cruise und Brian de Palma sind in Paris. Sie wollen ein paar Schauspieler treffen, unter anderem dich. Wenn du da nicht hingehst, arbeite ich nie wieder für dich.“ Ich ging mit einer Leckt-mich-doch-Einstellung zu der Verabredung, weil ich überhaupt keinen Bock auf den Film hatte. Aber nach meinem Gespräch mit Brian de Palma schien es mir, es wäre eine Schande, diese Gelegenheit sausen zu lassen. Ich dachte, im besten Fall würde der Film mir weitere Türen öffnen.

Und wie waren Ihre Erfahrungen beim Dreh?

Es kam mir vor wie ein riesiges, bizarres Spiel. Ich fand es sehr befreiend, dass ich nur so ein winziges Rad im Getriebe war und dass mich am Set praktisch niemand kannte. Das ist völlig okay - solange mich wenigstens in Frankreich noch ein paar Leute kennen! (lacht)

Hat Ihnen der Film denn nun Türen geöffnet?

Ich habe einige Angebote aus Hollywood bekommen, aber das war alles Schrott. Mir war es egal, denn Amerika reizt mich eigentlich gar nicht. Moment mal, entschuldigen Sie, einen Augenblick . . . (Sie kramt in ihrer Handtasche, fischt ihr Handy heraus und tut so, als würde sie einen Anruf entgegennehmen:) Hallo? Oh, hello! (Flüsternd, mit verschwörerischem Blick:) Es ist Brian de Palma. (Laut:) No, I don't want to do another one. No, I told you already. Really, no! Bye! (Grinsend:) Entschuldigen Sie bitte. Das war Brian de Palma. Er verfolgt mich!

Sie scheinen mir ohnehin häufig auf der Flucht zu sein: Lange Zeit sind Sie etwa alle drei Jahre umgezogen, sogar innerhalb von Paris. Sind Sie eine rastlose Seele?

Mag sein. Ich habe stets zur Miete gewohnt, besitze so gut wie nichts und fühle mich auch in Paris immer wie auf der Durchreise. Zwei Koffer, ein Flugticket, und los geht's: zu Dreharbeiten oder in den Urlaub. Diese Rastlosigkeit kommt sicher auch von meinen vielen verschiedenen Vorfahren - Griechen, Italiener, Russen, Spanier, Malteken, Orientalen, Kroaten . . . Leben, das heißt für mich: abreisen, aufbrechen zu neuen Ufern!

Emmanuelle Béart wird am 14. August 1965 im südfranzösischen Dorf Gassin als ältestes von fünf Kindern des Chansonniers Guy Béart geboren und wächst auf dem elterlichen Hof in der Provence auf.

Als Au-pair-Mädchen in Montreal wird sie von Regisseur Robert Altman zur Schauspielerei ermutigt. Bereits 1987 gewinnt sie als Schäferin in der freizügigen Marcel-Pagnol-Verfilmung „Manons Rache“ den französischen Filmpreis. 1991 sorgt sie als geheimnisvolles Aktmodell in Jacques Rivettes Meisterwerk „Die schöne Querulantin“ international für Furore. Daraufhin dreht sie mit Regisseuren wie Claude Sautet („Ein Herz im Winter“), André Téchiné („Ich küsse nicht“), Claude Chabrol („Die Hölle“) und François Ozon („8 Frauen“).

Zehn Jahre lang engagiert sie sich als Unicef-Botschafterin. Wiederholt setzt sie sich auch für illegale Einwanderer ein, wird bei der Besetzung einer Kirche verhaftet und verliert dadurch ihren Werbevertrag mit Dior.

Sie hat eine fünfzehnjährige Tochter aus der Ehe mit ihrem Schauspielerkollegen Daniel Auteuil sowie einen elfjährigen Sohn von dem Musiker David Moreau.

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