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Im Gespräch: Colin Firth : Haben Sie an die Queen gedacht, Mister Firth?

  • Aktualisiert am

Bild: Burkhard Neie / xix

Wir treffen Colin Firth gleich zwei Mal: beim Filmfestival von Taormina und beim Londoner Filmfest. Beide Male wirkt der Schauspieler ausgesprochen charismatisch - nicht zuletzt dank seiner tiefgründigen Augen: Sie blicken zugleich melancholisch und hellwach.

          Ihr Schauspielerkollege Ben Barnes hat Sie bei den Dreharbeiten zu „A Single Man“ besucht - und hinterher kolportiert, Sie hätten bei seiner Ankunft gerade eine Szene auf der Toilette gedreht. Während die Kamera auf Ihr Gesicht gerichtet war, sollen Sie heimlich an Ihrem Handy herumgefummelt und ihm eine SMS mit den Worten „Ich mach' Pipi“ gesendet haben. Ist das wahr?

          Ja. Asche auf mein Haupt!

          Es scheint, als würden Sie weder sich selbst noch Ihren Beruf allzu ernst nehmen.

          Stimmt. Leute, die nicht über sich selbst lachen können, sind mir zutiefst suspekt. Und in meinem Job geht es schließlich nicht darum, die Welt zu retten - darum sollte man ihn mit einer gewissen Leichtigkeit ausüben. Ein guter Darsteller muss sich die Fähigkeit bewahren, wie ein Kind zu spielen und vollständig in eine andere Realität einzutauchen.

          Waren Sie selbst in Ihrer Jugend einer von den wilden Kerlen?

          Nein. In meiner Schule war ich umgeben von Jungs, die klauten, Sachen zerstörten, Leute verprügelten und auch sonst auf denkbar grelle Weise gegen die Erwachsenen rebellierten. Doch ich war nicht der Typ dafür. Mein Widerstand war leise und unauffällig. Ich lernte heimlich Gitarre, weil das Instrument an unserer Schule verboten war. Ich las die Bücher, die wir nicht lesen durften. Als sie mich zum Friseur schickten, ließ ich mir die Haare erst recht wachsen. Nicht sehr sexy, diese Art von Rebellion, ich weiß. Aber so war ich nun mal.

          Sie haben gleich mit Ihrem Kino-Debüt in „Another Country“ Furore gemacht. Dabei herrschte angeblich Krieg zwischen Ihnen und Ihrem Co-Star Rupert Everett.

          Ach, alles halb so wild. Kein Mensch hätte je davon erfahren, wenn Rupert nicht immer wieder genüsslich die dramatische Geschichte unserer Feindschaft ausgebreitet hätte. Wissen Sie, Rupert war damals zu niemandem besonders nett. Ich war beileibe kein Spezialfall. Danach haben wir tatsächlich achtzehn Jahre lang nicht mehr miteinander gesprochen - bis wir uns am Set von „Ernst sein ist alles“ wieder trafen. Ich werde nie vergessen, wie er den Raum betrat: Als er mich sah, hellte sich sein Gesicht plötzlich auf. Er sagte: „Komm, wir waren Kinder damals. Schwamm drüber.“ Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

          Jahrelang schienen Sie vorwiegend auf die Darstellung von netten, steifen, leicht vertrottelten Weicheiern abonniert zu sein.

          Ja, den größten Teil meiner Laufbahn habe ich leider mit Rollen verbracht, die ich mir nicht unbedingt gewünscht hätte. Während meiner Schauspielausbildung war ich überzeugt, ich würde eines Tages Punks, Zuhälter und Killer spielen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass man mich in die Mittelschicht-Schublade stecken würde. Heute bin ich erfreulicherweise alt genug, um die Figuren zu verkörpern, die mich am meisten reizen: Männer mit einer gewissen Vergangenheit. Aber nach wie vor habe ich praktisch keinen Einfluss auf meine Rollenangebote. Es ist wie in einem Glücksspiel: Als Schauspieler kannst du bloß die Karten aufdecken, die man dir zuteilt.

          Gab es in Ihrer Karriere je Momente, in denen Sie dachten, jetzt wäre alles aus?

          Ja, ungefähr acht Mal pro Tag am Set von „Mamma Mia!“. Immer, wenn ich tanzen oder singen musste, war ich sicher: Das ist das Ende! Stellan Skarsgård und Pierce Brosnan ging es genauso. Das Perverse daran war, dass wir diese Dreharbeiten extrem genossen haben. Wir fühlten uns wie aufgekratzte Frauen bei einem feuchtfröhlichen Weiberabend. Nur hinterher kam jedes Mal der Kater - wir sahen uns an und dachten: Was zum Teufel haben wir da getan? Aber was dich nicht umbringt, macht dich härter. Wenn du „Mamma Mia!“ überlebst, kannst du alles überleben!

          Sie haben immer wieder zwischen Theater und Film gewechselt. Was fällt Ihnen leichter?

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