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Im Gespräch: Annette Bening : Warum sind Ihre Oscars aus Schokolade?

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Annette Bening, wie Burkhard Neie sie sieht Bild: Burkhard Neie

Demnächst ist sie in „The Kids are all right“ als Lesbe zu sehen, die mit dem biologischen Vater ihrer Kinder konfrontiert wird: Die Schauspielerin Annette Bening über ihre Rollen, die Familie und ein Geheimnis ihres Ehemanns Warren Beatty.

          Ein burschikoser Kurzhaarschnitt, ein herzliches Lächeln hinter Brillengläsern: So begrüßt uns Annette Bening beim Filmfestival von Deauville. Der Hollywood-Star spricht leise, aber mit Nachdruck und wirkt dabei sehr souverän, höflich und eloquent.

          Sie stammen aus dem Mittleren Westen, aus einer erzkonservativen Familie, in der niemand ins Kino oder ins Theater ging. Waren Ihre Eltern begeistert, als Sie verkündeten, dass Sie Schauspielerin werden wollten?

          Nein. Mein Vater, ein eingefleischter Republikaner, ist ein klassischer Autokrat, der stets glaubte, dass er seine Entscheidungen gegenüber der Familie nicht rechtfertigen müsste. Trotzdem waren meine Eltern immer unglaublich tolerant und liebevoll: Sie haben meinen Berufswunsch nie in Frage gestellt, sondern mich in jeglicher Hinsicht unterstützt. Schon zu Schulzeiten haben sie sich geduldig jede noch so öde Laienaufführung angesehen, in dern ich mitgespielt habe. Und noch heute reisen sie zu all meinen Theaterpremieren, auch wenn es ihnen gesundheitlich schlechtgeht.

          Stimmt es, dass Sie nach dem Schulabschluss ein Jahr lang als Köchin auf einem Schiff gearbeitet haben, um Ihr Studium zu finanzieren?

          Na ja, das klingt mir ein bisschen zu hochtrabend. Das Schiff war eher ein höchst unglamouröses Boot. Es gehörte einer Tauchschule, in der ich selbst ein paar Jahre zuvor Sporttauchen gelernt hatte. Und als Köchin war ich ziemlich schlecht: Ich konnte bloß Rühreier und ähnliche Dinge fabrizieren.

          Sie haben drei ältere Geschwister und inzwischen selbst vier Kinder. Welche Rolle spielt die Familie in Ihrem Leben?

          Die Hauptrolle. Bereits als junges Mädchen habe ich Kinder geliebt. Ich war Babysitterin für alle Familien in unserer Nachbarschaft. Und ich habe schon sehr früh entschieden, dass meine eigene Familie für mich stets die höchste Priorität hat. Wegen meiner Kinder habe ich zahlreiche Filmangebote abgelehnt. Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen wollte ich auch nie eine Nanny, sondern meine Kinder selbst großziehen und möglichst immer für sie da sein.

          Sind Sie eine strenge Mutter?

          Ja, ich kann schon ziemlich streng sein. Nicht so wie mein Vater, ich rede intensiv mit meinen Kindern. Aber ich bin überzeugt, dass ein junger Mensch Regeln und eine gewisse Führung braucht. Was bei der antiautoritären Erziehung herauskommt, sehe ich an manchen Freunden. Anfangs bieten sie ihren Knirpsen immer brav eine Wahlmöglichkeit: "Schätzchen, möchtest du lieber dies oder das?" Ein paar Jahre später sind sie so genervt, dass sie ihre Sprösslinge bloß noch anherrschen: "Verdammt, tu gefälligst, was ich dir sage!"

          Sie drehen nur noch wenige Filme. Was muss passieren, damit Sie aktiv werden?

          In fände es sehr ungesund, permanent zu drehen. Wenn du stattdessen mit alltäglichen Familiensorgen konfrontiert bist, bleibst du demütig und bescheiden und hast viel mehr Lebenserfahrung zu bieten als jemand, der sich bloß an irgendwelchen Filmsets in einer Seifenblase aufhält. Damit ich aktiv werde, muss ich mich in ein Drehbuch und in eine Rolle verlieben. Ich denke, es ist kein Zufall, dass ich mich oft von Familiendramen angezogen fühle. Schon seit der Antike drehen sich fast alle großen Geschichten um das Thema Liebe und Familie. Meine beiden jüngsten Filme, "The Kids Are All Right" und "Mütter und Töchter", handeln davon, was es heutzutage bedeutet, Mutter zu sein: in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft voller Scheidungen, Adoptionen und künstlichen Befruchtungen, in der die Familien mehr und mehr zu seltsamen und wundervollen Mosaiken werden.

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