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Im Gespräch: Andreas Deja : Was reizt Sie an Disneys Tigern, Herr Deja?

Andreas Deja, wie Burkhard Neie ihn sieht Bild: Burkhard Neie/xix

Im Hamburger Hyatt Hotel sitzt die Hauptfigur aus „Küss den Frosch“ – ein Mensch im Plüschkostüm. Doch was ist das gegen das Rollenspiel, das wenig später der Disney-Animator Andreas Deja veranstaltet? Er lebt seine Figuren im Gespräch aus.

          Im Hamburger Hyatt Hotel sitzt die Hauptfigur aus „Küss den Frosch“ - ein Mensch im Plüschkostüm. Doch was ist das gegen das Rollenspiel, das wenig später der Disney-Animator Andreas Deja veranstaltet? Er lebt seine Figuren während des Gesprächs aus. Wir sprachen mit ihm über die Probezeit bei Disney, Muskelprotze, Bösewichter, Extra-Speckfalten für mehr Beweglichkeit und die „Nine Old Men“ der Trickfilmkunst.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Als ich das erste Mal von Ihnen hörte, verdankte ich das einem Sonderheft der Kinozeitschrift „Cinema“ über Walt Disney. Anlass war der Kinostart von „Cap und Capper“, das muss also 1981 gewesen sein.

          Ach je, ist das schon lange her.

          Adreas Deja bei der deutschen Premiere von „Küss den Frosch”

          Sie galten damals als Sensation: der erste Deutsche, der nach Hollywood gegangen und als Trickfilmzeichner bei Disney engagiert worden war. Wie kamen Sie als Mittzwanzigjähriger auf den Gedanken, das zu versuchen?

          Ich wollte es einfach. Das „Dschungelbuch“ war als Kind mein erster Disneyfilm, und der hat mir den Kopf verdreht, aber auf eine ernsthafte Weise: Da war etwas, was mich traf. Ich habe dann einen Brief mit Fragen an Disney aufgesetzt, und ein Jahr später kaum auch Antwort. Das Wichtigste, was sie mir damals schrieben, war der Ratschlag, dass ich, wenn ich mich wirklich für die Arbeit interessieren sollte, wie sie dort gemacht wurde, bitte keine kopierten Figuren aus Disneyfilmen als Proben einreichen sollte. Das machten alle. Also keine Micky Maus, keinen Pluto, das könnten sie mir später noch beibringen. Ich sollte erst einmal Künstler werden, also eine ordentliche Ausbildung machen, mit Aktzeichnen und allem, was dazugehört. Und ihnen dann zeigen, wie ich die Welt sehe. An diesen Rat habe ich mich gehalten.

          Sie haben sich also als Jugendlicher auf eine jahrelange Ausbildung festgelegt, ohne zu wissen, ob Sie später Ihren Traumjob überhaupt bekommen würden?

          Ja, und das bedeutete vier Jahre Ausbildung zum Künstler. Und vorher schon Tiere beobachten und zeichnen, nicht nur ein paar Mal, sondern regelmäßig und richtig lange. Das war im Duisburger Zoo, der lag am nächsten zu uns. Dann habe ich Graphik an der Folkwangschule in Essen studiert, mich aber zwischendurch noch einmal an Disney gewandt, weil dort ein neues Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen worden war, das von Eric Larson geleitet wurde, einem jener berühmten Veteranen im Disney-Animationsgeschäft, die man die „Nine Old Men“ nennt, weil sie an allen großen Klassikern mitgearbeitet hatten. Er schrieb mir zurück, Disney suche zurzeit keine neuen Leute, aber immer hervorragende Leute, und da dachte ich mir: Gut, dann musst du eben hervorragend werden.

          Und so haben Sie dann auch Ihr Studium abgeschlossen?

          Das war gar nicht mehr so wichtig, denn ich hatte doch den Mut, ein paar Zeichnungen an Eric Larson zu schicken, und er schrieb mir zurück: „I think you got what it takes.“ Und das auch noch auf Dschungelbuch-Briefpapier! Er riet mir aber, das letzte Jahr an der Folkwangschule noch zu absolvieren. Im Juni 1981 wurde ich dort fertig, im August war ich schon bei Disney.

          War das nicht doch noch ein Risiko?

          Na ja, die Probezeit betrug damals sechs Wochen. Dann musste man mit ein paar Zeichnungen für Eric Larson eine Figur animieren – sie nicht nur auf dem Papier bewegen, sondern mit ihr auch irgendwelche Emotionen zeigen. Ich hatte dafür eine kleine Hexe entworfen, die Schwierigkeiten mit ihrem Besen hat, und das hat Larson gefallen.

          Was war Ihr Debüt auf der Leinwand?

          Ich wurde für ein Jahr mit einem anderen jungen Zeichner zusammengesteckt, und wir arbeiteten an Entwürfen für den Trickfilm „Taran und der Zauberkessel“, der schließlich 1985 in die Kinos kam. Ich galt als der von uns beiden, der den Disneystil schon gut draufhatte, während der andere frisch von der kalifornischen Kunsthochschule CalArts kam und als skurril verschrien war. Zusammen sollten wir etwas Neues schaffen. Dieser Kerl war Tim Burton, und so habe ich mein erstes Jahr lang neben einem der berühmtesten Filmregisseure von heute gearbeitet.

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