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Historische Panoramen von Rom : Macht mir ein Bild von dieser Stadt

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Das älteste der vier Panoramen von Rom, die nun in den Besitz der Casa di Goethe gelangt sind: Noël-François Bertrand zeichnete 1810 den Blick von Trinità dei Monti zum Quirinal Bild: Casa di Goethe

Rom ist der bestdokumentierte Ort der Welt. Von besonderer Schönheit sind die Panoramen der Stadt, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts entstanden. Drei davon sind seit neuestem Eigentum der Casa di Goethe.

          Es scheint zu stimmen: Die Stadt Rom ist ewig. Zumindest in den letzten zweihundert Jahren hat sich wenig getan. Während anderswo zwei Weltkriege Städte zerstörten und dann neue aus den Ruinen erstanden, kann der Betrachter von Rom-Panoramen aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts fast jedes Gebäude auch heute noch im Stadtbild finden, vielleicht um ein Stockwerk erhöht und um einen Dachgarten erweitert. Da es sich dabei meist um Gebäude aus Renaissance und Barock handelt, sieht der Betrachter trotz solch kleiner Neuerungen auf gut fünfhundert Jahre bewahrtes Rom zurück.

          Der Brite Samuel Bellin schuf 1832 eine Rundumschau dieser am besten dokumentierten Stadt der Welt. Dafür saß er in dem zwischen der Via Gregoriana und der Via Sistina gelegenen Palazzo Zuccari, in dem heute das deutsche kunsthistorische Institut der „Bibliotheca Hertziana“ residiert. Der Maler und Kunsttheoretiker Federico Zuccari (1542 bis 1609), ein zu seiner Zeit erfolgreicher Neupatrizier, der die Accademia di San Luca gründete, hatte den Palast 1591 am damaligen Stadtrand zu bauen begonnen. Zuvor hatte es dort schon ein gut hundert Jahre altes Kloster mit Blick auf die Stadt gegeben. Die nebenstehende Kirche Santa Trinità dei Monti war zu Zuccaris Zeiten dagegen ein Neubau, im Auftrag Ludwigs XII. von Frankreich 1503 begonnen und 1587 fertiggestellt.

          Der Obelisk davor, eine Kopie desjenigen vom Platz vor dem Parlament, der Piazza Montecitorio, fehlte noch. Er wurde erst 1789 seitlich versetzt vor die Kirche gestellt. Er hatte wohl zu Beginn seiner Zeit in Rom nicht weit entfernt zwischen Quirinal und Pincio gestanden, wird er doch den Gärten des reichen Politikers und Historikers Sallust (86 bis 35 vor Christus) zugerechnet, der den Panoramablick auf die Urbs Roma, vor allem auf die seinerzeit wachsende Bebauung auf dem Marsfeld (Campo Marzio), genauso genossen hatte wie sein Nachbar, der Feldherr und Feinschmecker Lucullus.

          Die Vedute Eugène-Louis Lequesne von 1846 mit dem Blick auf die Gärten und Trinità dei Monti

          Der Obelisk allerdings orientiert sich, das zeigt Bellins Ansicht genau, nicht am Portal der Kirche oder an der Spanischen Treppe darunter. Er schielt am Betrachter im Palazzo Zuccari vorbei und schaut zum Obelisken vor Santa Maria Maggiore, die Via Sistina entlang, die Papst Sixtus V. (1585 bis 1590) als Verbindung vom Pincio zur Pilgerkirche bauen ließ. Die dreizehn Obelisken der Stadt wurden von den Päpsten so aufgestellt, dass man sich an ihnen durch die Stadt zu den Pilgerplätzen orientieren konnte. Die heidnischen Stelen symbolisierten nun kirchliche Macht.

          Ein Rom der Päpste

          So sah auch Bellin sein Rom. Zwar dominiert nicht Sankt Peter den Blick auf seiner Ansicht - die wichtigste Kirche der Katholiken wird zum Teil von der Engelsburg verdeckt -, aber Bellins Rom ist noch ganz die Stadt der Päpste. Die Veränderungen folgten erst knapp fünfzig Jahre später. 1871 schlugen die Truppen des italienischen Königs Viktor Emanuel II. eine Bresche durch die Porta Pia und besetzten Rom. Die Regierung zog aus Florenz in die neue Hauptstadt. Sie brauchte Platz, und so begannen Requirierungen und Neubauten. Erstmals seit Jahrhunderten gab es spürbare bauliche Veränderungen.

          Dennoch kam nicht viel dazu, was man heute in Bellins Blick auf das Zentrum der Stadt vermissen könnte: das Standbild für den König am Ende des Corso, das Denkmal für Garibaldi auf dem Gianicolo auf der anderen Tiberseite sowie der Justizpalast neben der Engelsburg. Der Monte Mario ist heute bebaut. Sonst aber müsste Bellin auf dem Panorama nicht viel verändern, nicht einmal im Hinblick auf den Umbau Roms unter Mussolini.

          Der Blick nach Süden

          Bellins große Bleistiftzeichnung aus fünf zusammengefügten Blättern zeigt Rom von der Kirche Santa Trinità über den Quirinal hinweg bis zur Villa Malta, dem Feriensitz des bayerischen Königs. Der britische Künstler zeichnete seine Blätter aus wechselnden Blickwinkeln von einer Terrasse oder höhergelegenen Fenstern des Zuccari-Palastes aus und benutzte dabei wohl eine Camera obscura, um die Architektur präzise über einen Sehwinkel von 180 Grad festzuhalten. Die Architektur- und Kunsthistorikerin Elisabeth Kieven, eine der Direktorinnen der Hertziana, nennt dieses Verfahren „einen ersten Film“ der Stadt. Die ältesten Fotos von Rom, die ihr Institut besitzt, zeigen Rom auch nichts anders.

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