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Gespräch mit einem Polar-Abenteurer : Schmilzt die Arktis, Herr Fuchs?

  • -Aktualisiert am

„Die Ereignisse in Grönland überschlagen sich”: Arved Fuchs Bild: dpa

Seit zwanzig Jahren durchkreuzt Arved Fuchs die Arktis auf den schwierigsten Routen. Doch was passiert, wenn das Eis am Nordpol verschwindet? in der F.A.Z. spricht der Arktisexperte über den Klimawandel, den Mythos „Norden“ und Reinhold Messner.

          Kein Deutscher kennt die Polarregionen so gut wie Arved Fuchs. Seit zwanzig Jahren durchkreuzt der Abenteurer die schwierigsten Routen der Arktis, und erst vor kurzem ist er von einer Expedition zurückgekehrt. Doch was passiert, wenn der Nordpol verschwindet? Unser Gespräch wird von brausenden Eisstürmen unterlegt - Begleitmusik für einen der Vorträge, die Fuchs über die Faszination des Nordens hält.

          Herr Fuchs, Sie sind soeben von einer Grönland-Expedition zurückgekehrt. Wie fühlt es sich an, einem Eisberg zu begegnen?

          Ein Eisberg ist ein Kunstwerk, kein Eisberg gleicht dem anderen. Wenn sich die Sonnenstrahlen in ihm brechen, verändern sich selbst die Konturen und Farben jedes einzelnen dieser Kolosse unentwegt - besonders im Sommer, wenn die Sonne auch nachts nicht untergeht. Ein Eisberg ist ein Juwel.

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          Wann begegneten Sie diesem Juwel zum ersten Mal?

          Das war 1979, als ich an die Westküste Grönlands fuhr und nach Ilulissat kam. Dort stößt ein Gletscher ungeheure Mengen gewaltiger Eisberge ins Meer, und ich sah sie: treibend, strandend, auseinanderbrechend.

          Sehen Sie heute, da der Klimawandel ein ernstes Thema ist, Eisberge mit anderen Augen?

          Das Staunen vor Form und Größe ist geblieben. Dass sich in den Polarregionen Veränderungen abspielen, ist mir schon vor Jahren aufgefallen. Ganz deutlich merkte ich es erst 2002, als wir durch die Nordostpassage gefahren sind und völlig veränderte Eisverhältnisse vorfanden. Es war unsere vierte Reise dorthin. Dreimal versuchten wir, unser Projekt der Polumrundung endlich abzuschließen. Dreimal sind wir gescheitert. Nun klappte es - zumindest, was das Eis anging. Uns machten die Tiefdrucksysteme zu schaffen, die plötzlich weiter nördlich als erwartet schlechtes Wetter brachten. Wir beschlossen daraufhin, auch die Nordwestpassage noch einmal zu durchfahren.

          Durchkreuzte das anderweitige Pläne?

          Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, wieder einmal die Südseeinseln zu durchfahren. Mit der Badehose an Deck. Aber nun wurde die Vision der Südsee schal. Wir fühlten uns gefordert, nun auch die Verhältnisse an der Nordwestpassage mit unseren alten Eindrücken zu vergleichen.

          Da war Ihre Nordwestpassage gerade zehn Jahre her.

          Ja, und Amundsens Tour genau einhundert Jahre.

          Machten Sie dort dieselbe Erfahrung, die sich im Logbuch der diesjährigen Grönland-Tour wiederfindet, wo Sie notierten: „Der Sonderfall bekam System.“?

          Diese Tendenz geht rasant voran. Die Nordwestpassage 2003 war zwar schwierig, weil es ein schwieriges Eisjahr war. Aber in der ganzen Arktis gab es wenig Eis. Und nun, im vorigen Sommer, gab es in der Nordwestpassage so gut wie kein Eis. Es war getaut. Wir fuhren also noch einmal nach Nordostgrönland. Dort gab es bislang so gut wie keine Chance zum Durchkommen. Jetzt sah es anders aus. Die Ereignisse überschlagen sich.

          Wie nehmen die Menschen in der Arktis diese Veränderungen wahr?

          Die nehmen das ebenso subjektiv wie wir wahr. Von den wissenschaftlichen Debatten bekommen sie wenig mit. Sie merken, dass Fischschwärme, die seit Generationen kamen, plötzlich ausbleiben. Einige machen sich wenig Sorgen; eine kleine Erwärmung von minus vierzig auf minus 35 Grad ist in Nordsibirien ja auch nicht schlecht. Anderen aber brechen Existenzgrundlagen fort: In Alaska versinken ganze Ortschaften. Die Jagd wird auf dünnem Eis und bei Sturm gefährlicher.

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