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Gespräch mit einem Polar-Abenteurer : Schmilzt die Arktis, Herr Fuchs?

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Man muss ja auch leben können. Abenteurer waren stets arme Schlucker. Mich beeindruckte immer die Geschichte von Amundsen, der chronisch pleite war und heimlich aus Kristiania fortreiste, als die Gläubiger sein Schiff an die Kette legen wollten. So wollte ich nicht enden. Auch nicht als einsamer Steppenwolf, der sich abends mit seinem Tagebuch unterhält. Das habe ich geschafft. Ich halte auch Seminare für Unternehmen, frei nach dem Motto: Jede Expedition ist ein Unternehmen, und jedes Unternehmen eine Expedition.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nutzten Sie die Gelegenheit, als erstes Schiff die russische Eisregion zu durchsegeln. Dabei bekamen Sie die politische Dimension des „Nordens“ zu spüren. Glauben Sie, mit dem Tauwetter am Pol könnten neue politische Probleme entstehen?

Mit Sicherheit. Es gibt ganz konkrete Beispiele, die zunächst nur kurios klingen, etwa der dänisch-kanadische Streit um die winzige Hans-Insel. Sie liegt dort, wo Grönland und Kanada auf den Nordpol zulaufen. Jetzt landet dort abwechselnd ein dänischer Hubschrauber, um den Danebrog zu pflanzen, dann kommen wieder die Kanadier mit der kanadischen Flagge. Die Sache schlug wirklich Wellen. Hier geht es letztlich um Bodenschätze.

Haben Sie noch weitere Beispiele?

Die Amerikaner haben die Nordwestpassage als nationale Schifffahrtsroute Kanadas nie anerkannt. In den Neunzigern fuhr also schon ein amerikanischer Eisbrecher demonstrativ dort durch. Heute bekommt das Brisanz. Diplomatisch. Wem gehört der Nordpol? Völkerrechtlich ist das gar nicht relevant. Der arktische Ozean ist ein Meer. Aber das wird Verwicklungen geben. Die Kanadier haben Siedlungen im Norden angemeldet, nur um mit ihren Ranger-Patrouillen Präsenz zu zeigen, filmisch dokumentiert und verbreitet. Die Russen haben sich schon lange ihre Kuchenstücke bis dort gesichert. Wir merkten schon bei der Fahrt durch die Nordostpassage, dass die Behördengänge schwieriger werden. Nach Ende des Kalten Krieges konnten wir das erste Schiff sein, das seit 1900 nach Franz-Josefs-Land durfte. Heute merken wir: Die Überwachungsstationen wurden nur zeitweise abgeschaltet. Überall entstehen neue Radaranlagen und Horchposten.

Sehen Sie den Nordpol als künftigen Brennpunkt?

Es kann durchaus zu einem Konfliktherd werden. Schließlich geht es um fossile Brennstoffe. Vor der Ostküste Grönlands sprachen wir mit einem Schiff, das wir auf dem Radar ausgemacht hatten. Die untersuchten die Bodenformationen. Es gibt auch Unternehmen, die auf Grönland Häfen und Straßen bauen möchten, um Industrie dort anzusiedeln. Ein bisschen so, wie man früher mit einem Mal Spitzbergen entdeckte.

Werden die nächsten Touren Sie erneut ins Eis führen?

Der Norden reizt mich weiter. Ich denke aber über ein Projekt in der Südsee nach, die auch von der Meeresspiegelerhöhung betroffen ist. Sportlich muss ich mir nichts mehr geben. Mich reizt es nun, inhaltlich in die Tiefe zu gehen.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt mit Herrn Messner?

Um es nur ganz kurz zu sagen: Wir kannten uns vor der Antarktis-Tour nicht, einigten uns dann nüchtern auf diese Unternehmung, stritten uns konstruktiv, hatten Erfolg und ein prägendes Erlebnis. Dann erreichten wir das Ende unserer Gemeinsamkeiten. Wir haben keinen Kontakt mehr.

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