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Gespräch mit einem Polar-Abenteurer : Schmilzt die Arktis, Herr Fuchs?

  • -Aktualisiert am

Halten Sie den Kontakt zu Polar-Bewohnern?

Ich bekam heute Morgen noch eine Mail aus dem nördlichsten Dorf Kanadas. Dort hatte ich mir im Frühjahr ein Hundeschlitten-Gespann ausgeliehen. Der Mann schrieb: Der Herbst und das Eis kommen zwei Monate zu spät. Und auch in Ostgrönland wurden wir immer wieder darauf angesprochen.

Stimmt Sie das melancholisch?

Ich sehe das schon mit einer gewissen Melancholie. Was ich vor zwanzig Jahren machen konnte, ist nun so nicht mehr möglich. Wir mussten zum Beispiel diese Hundeschlitten-Expedition abbrechen, weil das weiche Eis für uns und die Hunde unzumutbar wurde. Wir blieben in einem Schneesumpf stecken. Ich bin wie meine Freunde im Norden auch ein Betroffener der Veränderungen.

„Im Norden“. Noch hat das einen magischen Klang.

Auch unsere Vorstellung vom Norden wird sich grundlegend verändern. Der Mythos wird sich verlieren. In der Nordwestpassage soll ein Tiefwasserhafen für Tanker gebaut werden. Es gibt konkrete Pläne von Reedereien, Routen über den Nordpol zu erschließen. Der Nordpol, den früher kaum einer erreichen konnte, wird zu einer Banalität.

Wie begegneten Sie dem „Mythos“ vom „Norden“?

Als Kind, lesend. Ich wurde in einer Familie ohne Fernseher, aber mit Büchern groß. Reise- und Expeditionsberichte haben mich fasziniert. Ganz unbedarft nahm ich mir vor: Wenn du groß bist, machste das auch. Norden bedeutete für mich: Schnee. Eis. Polare Nacht. Große Kälte. Packeis. Iglus. Eskimos. Schlittenhunde. Aber auch: Einsamkeit, die keine Fehler gestattet.

Lesen Sie noch, wenn Sie auf Tour sind?

Ich sammle alte Polar- und Seeliteratur und lese sie noch immer. Es ist spannend zu erfahren, wie der Polarbereich zu früheren Zeiten erfahren wurde. Aber es muss nicht immer Polarliteratur sein.

Was vermissen Sie unterwegs?

Man braucht nicht viel auf diesen Touren. Die Bedürfnisse werden ganz bewusst reduziert, um mit sich selbst sein zu können. Natürlich haben wir heute auch Handys dabei. Aber die können lästig sein: Journalisten rufen mitten im Sturm an und begreifen nicht, dass hier gerade zwei Welten aufeinanderprallen.

Nicht einmal Ihre Wanne? Sie gelten doch als fanatischer Badewannen-Kapitän?

Na ja, mein persönlicher Rekord im Nichtduschen beträgt siebzig Tage. Eine heiße Wanne ist da etwas Feines - und bekommt einen anderen Stellenwert. Der bewusst erlebte Mangel und die Kontraste rücken mein Wertesystem zurecht.

Auch so könnte man meinen, Sie seien weiterhin auf der Jagd, die Leseerlebnisse der Kindheit aufzuholen.

Nicht nur sie. Meine Großeltern lebten auf Sylt. Ich stand am Strand, blickte zum Horizont. Immer wieder. Was ist denn dahinter?, fragte ich. Sie antworteten: Da ist England. Aber natürlich ist es nicht so, als hätte ich heute ständig das Gefühl, als laufe der große Forscher Nansen neben mir her. Ich mache mein Ding und nutze die alten Berichte als Erfahrungsschatz. Ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben - auch wenn das zunächst viele Bedenkenträger auf den Plan rief.

Die Sie zur Vernunft ermahnten?

Ja, das hat mich irritiert. Wir haben meine Entscheidung, das beruflich zu machen, selbst in der Familie kontrovers diskutiert. Ich habe aber mein Leben schon damals nicht als Festlegung betrachtet, sondern als Herausforderung.

Ihre Abenteuerreisen vermarkten Sie ebenfalls so, wie dies schon die klassischen Abenteurer gemacht haben. Sie schreiben Bücher und halten Vorträge.

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