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Die Farrelly-Brüder im Gespräch : Sind Sie Sklaven Ihres schlechten Rufs?

  • -Aktualisiert am

Blindes Verständnis: Die Misters Farrelly Bild: F.A.Z. Burkhard Neie

Bobby und Peter Farrelly sitzen friedlich nebeneinander auf einem Plüschsofa. Entspannt werfen sie sich nach der Weltpremiere ihres neuen Films „Nach 7 Tagen - Ausgeflittert“ die Bälle zu: Man glaubt ihnen sofort, dass sie sich blind verstehen - die bösen Brüder Hollywoods.

          Das sind sie also, die bösen Brüder Hollywoods: Bobby und Peter Farrelly sitzen in ihrer Hotelsuite friedlich nebeneinander auf einem Plüschsofa - fast wie Loriot und Evelyn Hamann. Entspannt werfen sie sich nach der Weltpremiere ihres neuen Films beim Amerikanischen Filmfestival von Deauville die Bälle zu: Man glaubt ihnen sofort, dass sie sich blind verstehen.

          Bei Komödien spricht man gern vom Lubitsch-Touch oder vom Almodóvar-Touch. Gibt es auch so etwas wie einen Farrelly-Touch?

          Peter Farrelly: Wir würden es nie wagen, uns in einem Atemzug mit diesen Größen zu nennen. Aber ich denke, zwei Dinge sind typisch für uns: Erstens haben wir keine Angst, immer wieder die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Denn politische Korrektheit bedeutet den Tod jeder Komödie, und das ganze Getue der Amerikaner ist ohnehin völlig verlogen: In der Öffentlichkeit geben sie sich politisch korrekt, und daheim lassen sie die Sau raus. Zweitens achten wir darauf, dass unsere Filmfiguren sympathisch und liebenswert bleiben - egal, was sie auf der Leinwand treiben. Tabubruch mit Herz, das ist unsere Devise.

          Die bösen Brüder Hollywoods

          Noch etwas fällt auf: dass Sie ganz selbstverständlich Behinderte in Ihre Filme integrieren.

          PF: Stimmt. Das liegt daran, dass wir mit Behinderten aufgewachsen sind. Einer unserer besten Freunde saß nach einem Halsbruch im Rollstuhl, und in der Nachbarschaft gab es auch einige geistig behinderte Kinder. Sie alle gehörten zu unserer Clique. Darum haben wir nie verstanden, warum Behinderte in anderen Filmen so gut wie nicht vorkommen - wenn überhaupt, dann als traurige, treuherzige Kreaturen. Dabei haben wir erlebt, dass man mit ihnen jede Menge Spaß haben kann. Dass sie genauso Treppen herunterpurzeln wie wir. Und dass es unter ihnen natürlich auch ein paar Schlawiner gibt. Wir haben viel Lob von Behinderten dafür bekommen, wie wir sie in unseren Filmen darstellen.

          Bobby Farrelly: Als wir „Unzertrennlich“ drehten, sagten einige Leute, man dürfe doch keine Komödie über siamesische Zwillinge machen. Aber warum denn nicht? Wir spotten ja nicht über die Zwillinge - im Gegenteil: Sie sind unsere Helden. Es sind die „normalen“ Leute, über die wir uns lustig machen.

          Auch Sie wirken oft fast wie siamesische Zwillinge. Wie sieht Ihre Arbeitsteilung aus?

          PF: Unsere Drehbücher schreiben wir immer zusammen im selben Zimmer. Da albern wir hemmungslos herum und stacheln uns gegenseitig an. Bei den Dreharbeiten guckt Bobby auf den Kontrollmonitor, während ich bei den Akteuren stehe; nach jedem Take ziehen wir uns zur Beratung zurück, und dann spreche ich mit den Darstellern. In der Schnittphase sind wir meistens getrennt: Erst schneidet Bobby einen Monat lang, danach übernehme ich ein paar Wochen und so weiter.

          Haben Sie je daran gedacht, einen Film alleine zu drehen? Ohne Bruder?

          BF: Manchmal ist Peter schon eine Nervensäge. Aber meistens bin ich froh, ihn an meiner Seite zu haben. Denn dann muss ich nicht hundert Dinge am Tag allein entscheiden. Außerdem wollen die Studios immer unsere Komödien entschärfen, verlangen von uns weniger Chili und mehr Vanillesoße - und gemeinsam kann man sich besser gegen diesen Druck durchsetzen. Filme machen ist wie Kinder großziehen: Das geht zu zweit einfach besser als alleine.

          Sie sagen, Sie stacheln sich gegenseitig an. Zieht einer von Ihnen auch mal die Bremse?

          PF: Nein, keiner von uns hält den anderen je zurück. Nur das Publikum kann uns stoppen: Wir testen unsere Filme regelmäßig vor Zuschauern, die uns nicht kennen und keinen Grund haben, nett zu uns zu sein. Die sagen uns gnadenlos, wenn wir zu weit gegangen sind. Das Publikum hat nämlich eine Seele. Es spürt instinktiv ganz genau, wo die Grenze ist, die man nicht überschreiten darf. Die Studiobosse hingegen erkennen diese Grenze nicht. Sie wollten uns zum Beispiel bei „Verrückt nach Mary“ zwingen, die Szene zu eliminieren, in der Cameron Diaz das Sperma von Ben Stiller für Haargel hält. Aber die ganze Welt hat diese Szene geliebt.

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