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David Hockney : Ich rauche, weil es mir guttut

  • Aktualisiert am

Raucht gern: Hockney Bild: AP

Einer der berühmtesten Künstler der Gegenwart ist begeisterter Kettenraucher. Seit dem 1. Juli gilt in England ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen: David Hockney ist empört. Eine Widerrede.

          Seit dem 1. Juli erlebt England einen völlig grotesken Fall von staatlicher Bevormundung: In geschlossenen öffentlichen Räumen darf nicht mehr geraucht werden. Politiker und Medien glauben, diese Maßnahme werde zu gesünderen Menschen und einer sauberen Umwelt führen. Sie glauben, die Menschen so einfach ändern zu können. Mit ihren Marketingmethoden glauben sie, die Menschen steuern zu können. Sie irren. Die Leute werden zu Hause bleiben und auf - legale und illegale - Drogen ausweichen.

          Ich habe viele Jahre in Kalifornien gelebt. Auch dort wurden Rauchverbote erlassen - ohne nennenswerte Auswirkungen auf das Verhalten von Rauchern. In Kalifornien bewegt man sich in seinem privaten Lebensbereich. Betritt man einen öffentlichen Raum, etwa die Oper oder Disney Hall, kann der Raucher, weil das Klima so ideal ist, an jedem Tag im Jahr einfach nach draußen gehen. Viele Restaurants haben Terrassen. Im Grunde hat mich das Rauchverbot nicht groß gestört. In Kalifornien ist seit der Verhängung des Rauchverbots aber etwas anderes passiert, worüber die Medien nicht berichtet haben, und weil ich seit sieben Jahren wieder in England arbeite, ist es mir auch nicht sofort aufgefallen.

          Schmerztabletten statt Zigaretten

          Das Ausmaß der Arzneimittelwerbung im Fernsehen zeigt, was an die Stelle der Zigarette getreten ist (obwohl zwanzig Prozent weiterhin rauchen): Schmerztabletten, Prozac und Antidepressiva, meist rezeptpflichtig. Man sagt dem Arzt einfach, was man braucht. In den Printmedien gibt es bei Arzneimittelwerbung immer viel Kleingedrucktes, das auf mögliche Nebenwirkungen hinweist, während im Fernsehen eine Stimme eilig die ganze Liste aufzählt. Hängen bleibt vielleicht einer von vier Begriffen - Lähmung, Diarrhö, Tod, Kopfschmerzen. All das werden nun auch wir erleben. Mit Drogen (legalen wie illegalen) wird weltweit das meiste Geld verdient. Der Grund liegt auf der Hand: Sie verschaffen uns ein gutes Gefühl.

          Ich weiß von fanatischen Nichtrauchern - mein Vater war einer der ersten (sein ältester Sohn hat ihn überlebt und rauchte, bis er siebzig war; ich selbst rauche auch und bin gerade siebzig geworden). Ich rauche, weil es mir guttut. Es fördert meine geistige Gesundheit. Die beruhigende Wirkung einer Zigarette ist mir allemal lieber als die von pharmazeutischen Produkten (mit unbekannten Nebenwirkungen).

          Wo ist die Erklärung?

          Nun könnte man einwenden, dass das Rauchen schreckliche Nebenwirkungen habe. Bei manchen Leuten ganz sicher, aber nicht bei allen. Der Britische Ärzteverband sollte uns einmal erklären, wie es kommt, dass Denis Thatcher (filterlose) „Senior Service“ rauchte, bis er mit achtundachtzig starb, und Kurt Vonnegut siebzig Jahre lang „Pall Mall“ rauchte und mit vierundachtzig starb. Wo ist die Erklärung? Niemand stellt diese Frage, und niemand antwortet.

          In den späten neunziger Jahren war die damals noch mächtige „New York Times“ strikt gegen das Rauchen. Ich schrieb mehrere Leserbriefe, von denen keiner abgedruckt wurde. Als der chinesische Politiker Deng Xiao-ping im Alter von zweiundneunzig Jahren starb, brachte sie einen Nachruf. Drei Tage später erschien ein furchtbar törichter Leserbrief, dessen Verfasser behauptete, Deng sei ein schlechtes Vorbild für die Jugend gewesen, weil er immer eine „Panda“-Zigarette im Mund oder in der Hand hatte.

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