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Afrikanische Kunst : Nicht nur der Präsident kommt immer zu spät

  • -Aktualisiert am

Afrika, wie es sich sehen lassen will: Kunst vom ganzen Kontinent wurde in Dakar gezeigt Bild: Daniela Roth

Kunst wird in Afrika als Königsweg zur weltweiten Anerkennung betrachtet. Aber was wissen wir über die afrikanische Kunst? Und wie wird sie in ihrer Heimat inszeniert? Ein großes Spektakel in Dakar zeigt es.

          Groß ist der Wunsch in Afrika nach Anerkennung durch den Westen. Im vergangenen Sommer ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ausgetragen worden, zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent. Gleichfalls 2010 feierten siebzehn afrikanische Staaten den fünfzigsten Jahrestag ihrer Unabhängigkeit - und im selben Jahr sollte unbedingt noch ein Kunstfestival abgehalten werden. Mit diesem „Festival Mondial des Arts Nègres“ suchte man im Senegal den Anschluss an den Westen und an den globalen Kunstbetrieb. Dafür gab es große Vorbilder: das erste Festival Mondial des Arts Nègres 1966 in Dakar und das Festac 1977 in Lagos. Beide waren spektakuläre Selbstinszenierungen, aber das letzte lag bereits 33 Jahre zurück.

          Im vergangenen Dezember war es dann so weit, und Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht, war bei dem Festival in Dakar omnipräsent. Aber was weiß man in Deutschland über das afrikanische Kunstgeschehen? Über die Festivals von 1966 und 1977 berichtete keine einzige deutsche Zeitung (auch nicht diese), es gibt auch keine Einträge in der deutschen Wikipedia, und einschlägige Publikationen fehlen in den großen Bibliotheken.

          Ein Weltfest der schwarzen Künste

          Nachfrageorientiert war es 1966 noch um ein grundsätzliches „schwarzes Selbstbewusstsein“ gegangen. Alioune Diop, der Gründungsdirektor des Pariser Journals „Présence Africaine“, und der Dichter Léopold Sédar Senghor hatten 1956 die Idee, ein Weltfest der schwarzen Künste auszurichten. Als Senghor 1960 erster Präsident des nun unabhängigen Senegal wurde - er war, wie er sagte, „ohne sein Zutun in die Politik gefallen“ -, bot er die Hauptstadt Dakar als Gastgeberstadt für das Festival an. Der französische Schriftsteller und Kulturpolitiker André Malraux wollte schon lange eine bedeutende Ausstellung mit „Schwarzer Kunst“ in Paris zeigen. Man einigte sich auf ein gemeinsames Vorhaben: auf ein Festival in Dakar mit einem Kolloquium und einer Kunstausstellung, die dann sechs Monate später im Grand Palais in Paris gezeigt wurde.

          Zusammenhanglos ineinandergewürfelt: Bildende Kunst, Fotografie und Design waren gleichzeitig zu sehen

          Alioune Diop wurde künstlerischer Direktor des ersten Festival Mondial des Arts Nègres, das vom 1. bis zum 24. April 1966 dauerte. Malraux betonte bei dem von der Unesco finanzierten Kolloquium die Bedeutung der alten Kunst für die Völker. Und alle Volksgruppen des Senegal feierten - mit Tanz, Musik und Kino, aber auch bildender Kunst und Literatur. Im Theater Daniel Sorano gab man die afrikanische Premiere von Aimé Césaires „La tragédie du Roi Christophe“.

          Ein Gewinn an Menschlichkeit

          Eine illustre Schar geladener Gäste bereicherte das Fest: der Historiker Cheikh Anta Diop, der Tänzer Arthur Mitchell, die Sängerin und Tänzerin Joséphine Baker, die Capoeira-Truppe Mestre Pastrinha aus Bahia, der schwarze amerikanische Jazzstar Duke Ellington, die Gospelsängerin Marion Williams, die Sänger Julie Akofa Akoussah und Bella Bellow sowie die Schriftsteller Langston Hughes, Jean Price-Mars und Wole Soyinka. In Frankreich erschien 1966 sogar eine Schallplatte zum Festival.

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