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Krim-Annektion : Der Glamour der Macht

  • -Aktualisiert am

So schön bunt und russisch - diese Damen feiern die Annektion der Krim in Simferopol. Bild: Alexander Kadnikov

Vor zwei Jahren annektierte Putin die Krim. Die Folgen für Recht und Gesetz in Russland sind verheerend, die Zustimmung der Russen zu der Einverleibung ist erschreckend. Eine Bilanz.

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          „Auf der Krim wird die einzige Austernfarm in Russland von den Beamten zerstört“, so hieß es in einem Beitrag des Kabelsenders Doschd, der den Ruf pflegt, der einzige Hort des unabhängigen regierungskritischen Fernsehjournalismus in Russland zu sein. Zwei Jahre ist es her, seit die Russische Föderation die ukrainische Krim annektierte.

          Am 18. März erklärte Präsident Putin, die Krim sei zurück im Heimathafen, am 21. März unterzeichnete er den „Beitrittsvertrag“. Heute fällt es selbst den erbittertsten Gegnern des Präsidenten erstaunlich leicht, die Krim als Russland zu bezeichnen. Die Annexion veränderte das Leben auf der Krim, aber noch mehr veränderte sie das Land, welches sie besetzte. Vor zwei Jahren konnte man sich noch gar nicht vorstellen, wie tief die Veränderungen gehen, wie weit die Konsequenzen reichen würden.

          Zum Beispiel machte die Annexion selbst den Russen deutlich, wie stark ihre imperiale Mentalität wirklich ist. Die größte Überraschung war damals die breite Zustimmung, welche die Annexion in Russland fand. Heute ist die Begeisterung abgeklungen, nicht aber die Überzeugung, dass das Geschehene im Grunde richtig war.

          Wichtiger als das Herzmedikament

          Die Krim liegt den Russen sehr am Herzen. Der Arzt und Schriftsteller Maxim Ossipow erzählte diese Tage von einem Patienten aus einer Kleinstadt, der ein Herzmedikament braucht, sich aber keine 50 Euro im Monat dafür leisten kann: „Ich verdiene nicht mehr so viel. Die Wirtschaftskrise, unser Preis für die Krim.“ „Sind Sie denn bereit, diesen Preis zu zahlen?“, fragte der Arzt. „Ja, ich bin bereit. Und die, die nicht bereit sind, können sich hinlegen und sterben.“ Irgendwie scheint dieser Mann zu glauben, dass ihm seine Bereitschaft das lebensrettende Medikament ersetzt.

          Bis vor kurzem galt noch, es gebe in Russland keine richtige Gesellschaft, sie sei zu atomisiert, den Russen fehle es an gemeinsamen Werten und Nennern. Konsens gab es scheinbar nur über den Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“, und die Machthaber sparten nicht an Mitteln, um diesen von jeder Ambivalenz zu bereinigen und zu einer Art Gründungsmythos aufzubauen.

          Ein neues Gefühl der Gemeinsamkeit

          Da wäre vielleicht noch die Raumfahrt, aber sie leidet unter nicht enden wollenden technischen Pannen und ist eigentlich auch gar nicht mehr so interessant. Die Einverleibung der Krim bescherte den Russen ein Gefühl der Gemeinsamkeit, welches sie seit dem Raumflug Juri Gagarins nicht mehr erlebt haben, sie wurde zu einem kollektiven identitätsstiftenden Erlebnis. Der Konsens darüber, dass die Krim zu Russland gehört, herrscht partei-, lager- und schichtenübergreifend.

          Diese Ansicht teilen Oppositionelle wie Aleksej Nawalnyj, Michail Chodorkowskij oder die sozial-liberale Partei Jabloko und sogar der als Zerstörer der UdSSR verteufelte Michail Gorbatschow, selbst wenn sie die Methoden ablehnen. Nicht die Krim ist „heimgekehrt“, es sind die Russen.

          Jahrhundertelang dehnte sich das Land aus, welches sich mal Großfürstentum Moskau, mal Russland, mal die Sowjetunion nannte, so dass diese permanente Ausdehnung durch Besiedlung und Eroberung zum festen Bestandteil der nationalen Idee der Russen wurde.

          Die Krim ist nicht irgendein Gebiet

          Doch im Fall der Krim rührt die Begeisterung nicht aus dem Landgewinn. In den letzten zwanzig Jahren übertrug Russland mehrere Gebiete an China, Aserbaidschan oder die baltischen Staaten, ohne dass es jemanden außerhalb ultranationalistischer Kreise erregt hätte. Die Krim ist aber nicht irgendein Gebiet. Ihr symbolischer Wert ist viel höher als der jeder anderen russischen Kolonie.

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