https://www.faz.net/-gqz-6zi8x

Bezahlmodelle im Internet : Umsonst ist nicht genug

Social-Payment

Im freiwilligen Mikromäzenatentum namens Social-Payment belohnen Internetuser Produkte, die ihnen besonders gefallen, mit Minibeträgen. Flattr nennt sich eines dieser Trinkgeld-Systeme. Mit einer Anmeldung werden User zu Spendern und potentiellen Empfängern zugleich. Zu Beginn jedes Monats laden sie einen selbstgewählten Betrag auf ihren Account und integrieren kleine Buttons auf den eigenen Websites, die andere zum Spenden aufrufen. Mit einem Klick kann dann jeder seiner Freude über fremdes geistiges Gut Ausdruck verleihen. Am Ende des Monats wird der im Vorfeld gestiftete Betrag nach Anzahl der Klicks aufgeteilt.

So stehen Künstler zwar ständig im Kontakt mit ihrem Publikum, können aber nur überleben, wenn eine breite Masse ihre Arbeit zu schätzen weiß. Neulinge müssen mit allen Henkerswerkzeugen des Marketings versuchen, Aufmerksamkeit zu erwecken. Gelingt es ihnen, ist es fraglich, wie lange die Finanzierung ihrer Arbeit gewährleistet bleibt, denn Social-Payment-Systeme sind nicht kalkulierbar: Was gestern den Usern gefiel, kann wenige Tage später in Ungnade fallen.

Immerhin: In Deutschland gibt es schon eine Handvoll Blogger, die mit Flattr ordentlich Geld verdienen. An der Spitze steht der Radiokünstler Tim Pritlove, der für seine Podcasts mittlerweile rund 2000 Euro Spenden monatlich einstreicht. Und auch die Onlineausgabe der „taz“ bettelt seit einem Jahr um Mikrospenden und erwirtschaftet seit April 2011 über 40 000 Euro.

_________________________________________________________

Grundeinkommen für alle

Kultur ist uns Deutschen wichtig, für unseren Geist, die Gesellschaft, die Demokratie, die Freiheit, die Vielfalt und so weiter. Deswegen haben wir etwa achtzig Opernhäuser, die wir uns rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr kosten lassen - obwohl sich nicht jeder für Oper interessiert. Doch wir fördern auch (mit deutlich weniger Geld) Kinofilme, Ausstellungen, Musikschulen, Tanz- und Theaterprojekte. Keine Subventionen, Investitionen!

Bei so viel kultureller Großzügigkeit verwundert es doch, dass der Staat so rüde mit seinen freischaffenden Künstlern umgeht. Warum setzen wir nicht direkt am kreativen Potential an, nehmen dem Sänger, Schriftsteller, Bildhauer die Last der finanziellen Versorgung ab und überweisen ihnen ein monatliches Grundeinkommen? Vorreiter dafür sind die Niederländer, die im Jahr 2005 das Arbeits- und Einkommensgesetz für Künstler (Wet werk en inkomen kunstenaars) ins Leben riefen. Es ermöglichte, dass Kreative durch bis zu vier magere Jahre gebracht werden konnten - sofern sie in der Lage waren, eine künstlerische Ausbildung oder Einkommen aus künstlerischen Betätigungen nachzuweisen.

Leider wurde das Gesetz Anfang 2012 wieder abgeschafft: wegen mangelndem Arbeitsethos der Künstler.

Knappe Güter

Es gibt genug Musik, zu viele Texte und mehr Filme umsonst, als man je sehen kann. Wenn sich deshalb auch die wertvollste Idee nicht mehr verkaufen lässt, muss man sich überlegen: Was dann? Es gibt, sagt etwa der notorische Optimist Kevin Kelly, auch in der digitalen Welt wertvolle Güter, nur sind es eben andere als Buchstaben auf dem Bildschirm oder Töne aus Bits. Zugänglichkeit, Auffindbarkeit, Schnelligkeit, Einordnung gehören etwa dazu, Individualität und Authentizität. Die Raubkopiensuchmaschine Pirate Bay zum Beispiel ist nicht nur deshalb so erfolgreich, weil sie die billigste Videothek der Welt ist. Sie ist leider mit Abstand auch die beste.

Topmeldungen

Suzanna Randall: Eine von zwei Kandidatinnen für den Flug zur Internationalen Raumstation ISS

Nach erstem Frauenduo auf ISS : Wie männlich ist der Weltraum?

Die Nasa fremdelte lange mit der weiblichen Biologie. So vermuteten Ingenieure, weiblicher Urin sei schleimbasiert und könne im All Leitungen verstopfen. Raumanzüge in der richtigen Größe sind heute noch ein Problem.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.